Irland
Wirtschaft
Stand: November 2009
Wirtschaftslage
Irlands offene Volkswirtschaft hat von der Globalisierung außerordentlich profitiert (Ifo). Nachdem die wirtschaftliche Entwicklung in den vergangenen Jahren durch hohe Wachstumsraten und einen starken Rückgang der Arbeitslosigkeit gekennzeichnet war, befindet sich das Land seit Mitte 2008 in einer Rezession. Vor allem in der Baubranche ist es zu einem erheblichen Auftragsrückgang gekommen. Der private Konsum, lange ein Motor des Wirtschaftswachstums, hat seit der 2. Jahreshälfte 2008 ebenfalls nachgelassen. Die Regierung rechnet für das Jahr 2009 mit einem knapp achtprozentigen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts.
Die Krise wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus. Für das laufende Jahr wird mit einer Arbeitslosenrate von 12 Prozent gerechnet.
Der bislang starke Zustrom ausländischer Arbeitskräfte, insbesondere aus Polen und den baltischen Staaten, ist versiegt; inzwischen kommt es verstärkt zu Rückwanderungen.
Auf die internationale Banken- und Finanzkrise hat die Regierung im September/Oktober 2008 mit einer umfassenden Garantieerklärung für Einlagen und Verbindlichkeiten irischer Geldinstitute reagiert. Eine Bank wurde verstaatlicht, Maßnahmen zur Rekapitalisierung weiterer Banken eingeleitet. Eine „National Assets Management Agency“ (NAMA) ist in Vorbereitung, die die Banken durch die Übernahme notleidender Kredite entlasten soll.
Wirtschaftssektoren
Die bedeutendsten Wirtschaftssektoren waren 2008 die Industrie mit 29,5 Prozent des BIP, wovon 7,3 Prozent auf das Baugewerbe entfielen, sowie Verkehr und Kommunikation mit 13,8 Prozent des BIP. Fischerei, Land- und Forstwirtschaft hatten einen Anteil von 2,1 Prozent am BIP.
Ausländische Direktinvestitionen und Wettbewerbsfähigkeit
Irland ist nach wie vor wichtiges Ziel für ausländische Direktinvestitionen, jedoch sinken diese weiter. Schwerpunkte liegen in den Bereichen Finanzdienstleistungen, Kommunikationsindustrie, Softwareindustrie, Pharma- und Medizinindustrie und -entwicklung.
Irland rangiert weltweit auf Platz Sieben der Zielländer für ausländische Direktinvestitionen . Die USA sind weiterhin mit Abstand der bedeutendste ausländische Investor mit rund 70 Prozent aller durch ausländische Direktinvestitionen geschaffenen Arbeitsplätze. Die Erhaltung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit ist eine der wichtigsten wirtschaftspolitischen Aufgaben der Regierung.
Handel
Die irische Wirtschaft ist stark exportabhängig. 2008 betrug der Wert exportierter Waren etwa 86,346 Mrd. Euro, der importierter Waren 57,433 Mrd. Euro. Das ergibt für 2008 einen Überschuss im Warenverkehr von 29,913 Mrd. Euro. Bei den Dienstleistungen ist die Bilanz weiterhin negativ, wobei sie sich 2008 mit minus 4,9 Mrd. Euro gegenüber minus 4 Mrd. Euro im Jahre 2007 noch verschlechtert hat.
Die USA sind weiter der größte Exportmarkt für Irland, die Exporte dorthin lagen im Jahr 2008 bei 16,7 Mrd. Euro und sind damit gegenüber 2007 leicht gestiegen. Im ersten Halbjahr 2009 lagen die Exporte in die USA bei etwa 9,6 Mrd. Euro. Die Exporte nach Großbritannien sind 2008 leicht gesunken auf 14,3 Mrd. Euro. Deutschland steht 2008 bei den Exportländern hinter Belgien (12,2 Mrd. Euro) mit 6,1 Mrd. Euro an vierter Stelle.
Obwohl die Gesamtexporte 2008 gesunken sind, verzeichneten Exporte nach China einen Zuwachs von fast 17 Prozent. Bei den Importen steht China hinter Großbritannien, den USA und knapp hinter Deutschland an vierter Stelle. Im ersten Halbjahr 2009 hat China den Abstand zu Deutschland noch weiter verringert.
Staatsverschuldung
Durch weit überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum und damit verbundene hohe Steuereinnahmen konnte die Staatsverschuldung von 95,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahre 1990 kontinuierlich auf 25,1 Prozent des BIP 2007 gesenkt werden.Im Staatshaushalt 2006 konnte noch ein Überschuss von 2,3 Prozent und 2007 von 0,5 Prozent erreicht werden. Im Laufe des Jahres 2008 mussten die bereits zurückhaltenden Schätzungen der Steuereinnahmen mehrfach nach unten korrigiert werden; das Haushaltsdefizit betrug schließlich 6,3 Prozent. Damit verstieß Irland erstmals gegen die Vorgaben des Stabilitäts- und Wachstumspaktes. Im seit Februar 2009 laufenden Defizitverfahren wurde Irland zugestanden, erst 2013 das Defizitkriterium wieder einzuhalten, und zu harten Konsolidierungsmaßnahmen aufgefordert. Für das Jahr 2009 wird angesichts weiter gesunkener Steuereinnahmen und gestiegener Sozialausgaben mit einem Haushaltsdefizit von 10,9 Prozent gerechnet. Die Schuldenquote wird in den nächsten Jahren somit wieder deutlich ansteigen. Für 2009 wird eine Quote von 53 Prozent, für 2010 von 73 Prozent erwartet.
Investitionsbedarf
Investitionen in die Infrastruktur, die die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit Irlands sichern sollen, sind in dem Investitionsprogramm „Transport 21“ und dem „National Development Plan 2007-2013“ festgelegt.
"Transport 21“ sieht für den Zeitraum von 2006 bis 2015 Investitionen in Höhe von 34,4 Mrd Euro in die Verkehrsinfrastruktur (Straßen, Bahn, Metro, öffentlicher Nahverkehr) vor. Mit dem auf sieben Jahre angelegten National Development Plan hat die Regierung im Januar 2007 weitere Ausgaben für die Verbesserung der Infrastruktur (Transport, Energie, Wasser, Müllentsorgung, Internetzugang) in Höhe von 183,7 Mrd. Euro angekündigt. Positiv zu vermerken ist, dass bisher trotz der schlechten Haushaltslage keine der geplanten Ausgaben gestrichen wurde, jedoch wurde teilweise die Umsetzung verschoben. Priorität bei der Mittelvergabe haben der Ausbau der fünf wichtigsten Autobahnstrecken, der öffentliche Personennahverkehr, der Ausbau des Flughafens Dublin, sozialer Wohnungsbau und Wasser- und Energieversorgung.
Während die Bruttoanlageinvestitionen im Jahre 2007 noch bei 26,3 Prozent des BIP lagen, sanken sie 2008 auf nur noch 21 Prozent des BIP. Die Wohnungsbauinvestitionen gingen 2008 um etwa 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück, für 2009 wird mit einem weiteren Rückgang von bis zu 40 Prozent im Vergleich zu 2008 gerechnet.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.