Iran
Wirtschaftspolitik
Stand: Oktober 2009
Grundlagen
Die Wirtschaft Irans liegt überwiegend in den Händen des Staates bzw. religiöser Stiftungen (über 80 Prozent der Wertschöpfung). Die iranische Regierung plant, den privaten Anteil spürbar zu erhöhen. Die Regierung formuliert ihre wirtschaftlichen Ziele in Fünfjahresplänen. Der vierte Fünfjahresplan ist seit dem 21. März 2005 in Kraft. Im Wirtschaftsjahr 2008/09 betrug das Bruttoinlandsprodukt Schätzungen zufolge ca. 187 Milliarden US-Dollar. Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Irans zählen die Öl- und Gasindustrie, petrochemische Industrie, Landwirtschaft, Metallindustrie und Kfz-Industrie. Die Inflationsrate wird von offizieller Seite mit 20,2 Prozent angegeben, tatsächlich liegt sie bei über 30 Prozent. Die Arbeitslosenrate wird mit 11,1 Prozent bei 2,6 Mio. Arbeitslosen angegeben. Die Arbeitslosigkeit unter den 15 bis 29-jährigen liegt offiziellen Angaben zufolge bei 20,4 Prozent. Beide Werte dürften tatsächlich höher liegen, da jedes Jahr 1 Mio. neue Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt drängen und in Iran jede Person als beschäftigt gilt, die bereits 1 Arbeitsstunde pro Woche tätig ist. Die rechtlichen Investitionsbedingungen für ausländische Investoren haben sich durch die Verabschiedung eines Investitionsschutzgesetzes, die Implementierung einer Steuerreform und die Vereinheitlichung der Wechselkurse in den letzten Jahren leicht verbessert. Das Geschäftsklima sieht sich allerdings aufgrund der Entwicklungen im iranischen Nukleardossier und in diesem Zusammenhang besonders wegen der Sanktionen im Finanzsektor erheblichen Belastungen ausgesetzt.
Außenhandel
Leistungs- und Zahlungsbilanz haben sich - bedingt durch den hohen Ölpreis in der ersten Hälfte des Jahres 2008 und gelockerte Importkontrollen - weiterhin positiv entwickelt.
Leistungsbilanz in Milliarden US-Dollar (1 US-Dollar = 9.250 Rial):
2005/06 | 2006/07 | 2007/08 | 2008/09 | |
Exporte | 60,0 | 75,4 | 97,4 (davon ca. 70 Öl) | 100 (davon 82 Öl) |
Import | 41,0 | 41,72 | 48,32 | 55,9 |
Handelsbilanz-Saldo | +19,0 | +33,68 | +49,08 | +44,1 |
*Angaben beruhen auf Angaben der Iranischen Zentralbank (Central Bank of Iran, CBI)
Die Öl- und Gasausfuhr erwirtschaftete im persischen Jahr 1387 (März 2008 bis März 2009) 82Prozent der Exporterlöse Irans. Im ersten Halbjahr beliefen sich die Ölexporteinnahmen auf lediglich 22 Mrd. USD. Weitere Ausfuhrgüter sind landwirtschaftliche und traditionelle Güter (Teppiche, Früchte, Pistazien) und zunehmend Industrieprodukte (Kfz und Kfz-Teile, Stahl, petrochemische Produkte). Die Nichtölexporte Irans lagen zwischen März und August 2009 bei 9,2 Mrd. USD (2008/09: 18 Mrd. USD). Trotz einer Mengensteigerung um 19,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, sank der Warenwert um 17,7 Prozent. Durch die Implementierung einer Mehrwertsteuer versucht die Regierung zudem ihre Einnahmen zu diversifizieren. Das im Herbst 2008 verabschiedete Gesetz wird bis dato jedoch nicht angewandt.
Für China, Japan, Indien und die Türkei ist Iran weiterhin jeweils der drittgrößte Rohöllieferant, für Südkorea viertgrößter Lieferant.
Hauptlieferländer für Iran waren seit März 2009 die Vereinigten Arabischen Emirate, Deutschland, China, Schweiz und Südkorea. Deutschland bleibt innerhalb der EU-27 der größte Exporteur für Iran, während Italien den Platz des größten Handelspartners eingenommen hat. Die deutsch-iranischen Handelsbeziehungen hatten sich seit 2006 zurückentwickelt.
Ein Großteil des in 2007 und 2008 durchgeführten Handels war zudem bereits in den Jahren 2005 und 2006 kontrahiert worden. Bedeutende Marktanteile deutscher Unternehmen gingen in den letzten Jahren an Konkurrenzunternehmen hauptsächlich aus Südost- und Ostasien verloren.
Bedeutende Handelspartner Irans außerhalb der EU sind China, Vereinigte Arabischen Emirate und Russland. Der bilaterale Handel mit den Nachbarländern, vor allem mit Irak und Türkei, hat in den letzten beiden Jahren an Bedeutung gewonnen.
Im Jahre 2000 beschloss die Regierung die Einrichtung eines Öl-Stabilisierungfonds (OSF), in den Öleinnahmen fließen, die über dem aufgrund einer Preisprognose errechneten Ansatz liegen. Er soll als Puffer für Ölpreisfluktuationen dienen und Budgetdefizite ausgleichen. Tatsächlich ist er aber in den letzten Jahren immer wieder zweckentfremdet worden. Im Jahr 2007/08 betrugen die Mehreinnahmen aus den Ölexporten ca. 12 Milliarden US-Dollar. Die Höhe des Gesamtbestandes ist unklar.
Mitgliedschaft in wirtschaftlichen Zusammenschlüssen
Iran hat seit 1995 wiederholt den Beitritt zur Welthandelsorganisation beantragt, bei der Iran seit Mai 2005 über einen Beobachterstatus verfügt. Das Land ist Mitglied der Economic Cooperation Organisation/ECO, einem regionalen Wirtschaftsbund der mittelasiatischen Staaten Iran, Türkei, Pakistan, Aserbaidschan, Turkmenistan, Kasachstan, Kirgisitan, Usbekistan, Tadschikistan und Afghanistan. Seit 2005 hat Iran Beobachterstatus bei der Shanghai Cooperation Organisation/SCO, einem Bündnis, das sich originär mit Sicherheits-, zunehmend aber auch mit Energiefragen befasst und dem die Staaten China, Russland, Usbekistan, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan angehören. Darüber hinaus gehört Iran dem Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und den wichtigsten mit Wirtschaft befassten VN-Organisationen (darunter ILO, UNCTAD) an.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.