Iran
Religion, Kultur- und Bildungspolitik
Stand:Oktober 2009
Religion
Islam ist die offizielle Staatsreligion. 90 Prozent der Iraner sind Muslime, die überwiegende Mehrheit ist schiitischen Glaubens. Zudem leben in Iran ca. 300.000 Christen, 50.000 Zoroastrier und 30.000 Juden. Für die religiösen Minderheiten sind Sitze im iranischen Parlament reserviert. Christen entsenden zwei Abgeordnete, Juden und Zoroastrier je einen. Die Abkehr vom Islam (Apostasie) ist unter Todesstrafe verboten. Angehörige der Religionsgemeinschaft der Bahai gelten in Iran als Glaubensabtrünnige und werden diskriminiert.
Bildungspolitik
Seit der islamischen Revolution haben sich die Studentenzahlen vervielfacht. Heute gibt es etwa 3,4 Mio. Studenten in Iran. Die wenigen Studienplätze an staatlichen Universitäten sind sehr begehrt. Private Universitäten fangen die hohe Nachfrage nach Bildung teilweise auf. Der Frauenanteil an den Hochschulen liegt bei über 60 Prozent.
In den 1960er und 1970er Jahren studierten viele Iraner in Deutschland. Aus dieser Zeit stammt eine deutschfreundliche Generation von iranischen Akademikern, die allerdings langsam in Rente geht. Heute gibt es rund 4.000 iranische Studierende in Deutschland. Öffnungstendenzen in der iranischen Bildungspolitik hatten in der Ära von Staatspräsident Chatami zeitweise zu einer Intensivierung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Iran beigetragen und zum Abschluss zahlreicher Kooperationsverträge zwischen deutschen und iranischen Hochschulen geführt. Iranische Studierende können beispielsweise seit 2005 an der TU Isfahan in einem gemeinsam mit der Universität Wuppertal angebotenen Studiengang Bauingenieurwesen einen deutsch-iranischen Doppelabschluss erwerben (MA und PhD Niveau). Seit dem Amtsantritt von Staatspräsident Ahmadinedschad 2006 wird die Islamisierung der Hochschulenund des Lehrbetriebs vorangetrieben. Die Rahmenbedingungen für den akademischen Austausch mit der Islamischen Republik werden zunehmend schwieriger.
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) unterhält ein DAAD-Informationszentrum in Teheran sowie zwei Lektorenstellen für „Deutsch als Fremdsprache“ an der Shahid Beheshti Universität in Teheran und an der Universität Isfahan . Alle Posten sind derzeit unbesetzt. Der DAAD wartet auf die formelle Einladung der iranischen Seite, um die Vakanzen schnellstmöglich nachzubesetzen.
Das Deutsche Sprachinstitut Teheran ist an die Botschaft angegliedert und bietet jährlich über 5000 Sprachschülern die Möglichkeit Deutsch zu erlernen. Daneben gibt es vielfältige Weiterbildungsangebote für iranische Deutschlehrer.
Kulturpolitik
Das Ministerium für Kultur und islamische Führung (Erschad), überwacht den Kulturbetrieb: Publikationen, Theatervorstellungen, Musikveranstaltungen und Kunstausstellungen werden zensiert. Die iranische Kulturszene zeigt sich trotz enger Rahmenbedingungen rege. In der Hauptstadt Teheran gibt es eine größere Auswahl an Galerien, Museen, Theaterhäusern und Kinos.
In den deutsch-iranischen Kulturbeziehungen nimmt besonders der Theateraustausch seit Jahren eine zentrale Rolle ein. Deutschland war beim 27. Fadjr-Theaterfestival 2009 in Teheran mit der Inszenierung von „Das Schloss" (Kafka) durch das Frankfurter Schauspiel vertreten. Die Frankfurter Buchmesse präsentierte sich im Mai 2009 auf der 22. Internationalen Buchmesse in Teheran mit deutscher und deutsch-sprachiger Literatur sowie Vorträgen zu Copyright-Bestimmungen.Seit 2006 besteht ein Austausch zwischen den Teheraner und Osnabrücker Sinfonikern. Die iranischen Musiker waren im Jahr 2006 zu Gast in Osnabrück. Im Gegenzug konzertierten deutsche Musiker im August 2008 gemeinsam mit iranischen Kollegen in Teheran und führten die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach auf.
Von Dezember 2008 bis Januar 2009 war im Teheraner Museum für Zeitgenössische Kunst eine vielbeachtete Ausstellung mit Originalwerken von Ernst Barlach und Käthe Kollwitz zu sehen.
Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) arbeitet seit 2000 mit der iranischen Kulturerbebehörde in verschiedenen Ausgrabungsprojekten zusammen, darunter im Projekt Arisman/Tepe Sialk, bei dem es um die Freilegung von Werkstätten, Schlackenplätzen und Bergwerken aus dem 5./4. Jahrtausend v. Chr. geht. Die Zusammenarbeit erstreckt sich darüber hinaus auf die Ausbildung des iranischen archäologischen Nachwuchses. Ende 2006 unterzeichnete das DAI ein allgemeines Abkommen über fünf Jahre zur Zusammenarbeit mit dem Iranian Center for Archeological Research. Seit 2007 forscht die Universität Bamberg gemeinsam mit iranischen Archäologen in der Stadt Golpayegan (Provinz Isfahan) an einer antiken Moschee aus der Seldschucken-Zeit.
Aus Mitteln des Kulturerhaltprogramms des Auswärtigen Amtes wird seit 2007 das deutsch-iranische Projekt zum Wiederaufbau des erdbebenzerstörten Sistani-Hauses in Bam gefördert. Das Projekt wird von einem Team der Technischen Universität Dresden geleitet.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.