Iran
Beziehungen zu Deutschland
Stand: Oktober 2009
Politische Beziehungen
Die diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Iran wurden 1952 aufgenommen; im gleichen Jahr wurde die iranische Gesandtschaft in Deutschland eröffnet. Neben der Wirtschaft entwickelte sich vor allem im Bildungssektor eine enge Zusammenarbeit: die zahlreichen deutschen Gewerbeschulen in Iran wurden ein geschätzter Bildungspartner. Noch heute trägt der Ruf der damaligen Gewerbeschulen zum positiven Deutschlandbild in Iran bei.
Nach der Islamischen Revolution 1979 unterlagen die Beziehungen zwischen beiden Ländern zum Teil erheblichen Spannungen.
Seit 2003 sind die Beziehungen geprägt von der Besorgnis über das iranische Nuklearprogramm. Zusätzlich belasten die radikale anti-israelische Rhetorik des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad und die Menschenrechtssituation in Iran, hier zuletzt die gravierenden Menschenrechtsverletzungen im Anschluss an die iranischen Präsidentschaftswahlen am 12. Juni 2009, das Verhältnis. Diese hat die Bundesregierung wiederholt auf das Schärfste verurteilt.
Mit der Teheraner Erklärung vom Oktober 2003 begann ein Prozess zwischen Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich und Iran, der das Ziel hat, den Sorgen der internationalen Gemeinschaft hinsichtlich des iranischen Nuklearprogramms Rechnung zu tragen. Deutschland war und ist gemeinsam mit Großbritannien und Frankreich, dem Hohen Repräsentanten der EU sowie den USA, Russland und China um eine Lösung des iranischen Nuklearproblems bemüht (für weitere Informationen zum Nukleardossier siehe Link in der rechten Spalte). 2007 und 2008 gab es wiederholt Besuche auf parlamentarischer Ebene, so den Besuch des Vorsitzenden des Ausschusses für nationale Sicherheit und Außenpolitik des iranischen Parlaments im März 2009 in Berlin und den Besuch des Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages in Teheran im Januar 2008.
Wirtschaftliche Beziehungen
Von Januar bis Juni 2009 sind die deutschen Exporte nach Iran im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14,8 Prozent gesunken. Die Importe aus Iran nach Deutschland sanken um 29,3 Prozent. Das bilaterale Handelsvolumen lag im ersten Halbjahr 2009 bei 1,78 Mrd. Euro (minus 16,3 Prozent). Neben der Weltfinanzkrise wird dieser Einbruch auf das Ausbleiben von Vertragsschlüssen angesichts der seit Dezember 2006 geltenden Sanktionen (zuletzt Resolution 1803 des Sicherheitsrates der UN und deren verschärfte Umsetzung auf EU-Ebene) gewertet. Ein Großteil des in 2007 und 2008 durchgeführten Handels war bereits in den Jahren 2005 und 2006 abgeschlossen worden. In Iran ansässige deutsche Geschäftsbanken nehmen seit Herbst 2007 kein Neugeschäft mehr an. Deutsche Unternehmen zeigen sich im Irangeschäft deutlich zurückhaltender. Gingen deutsche Exporte nach Iran bereits 2006 im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent zurück, betrug der Rückgang 2007 nochmals 13,5 Prozent. Das Handelsvolumen sank ebenfalls im zweiten Jahr in Folge: 2007 betrug es 8,7 Prozent weniger als im Vorjahr. 2008 konnte allerdings ein leichter Anstieg des Handelsvolumens festgestellt werden.
Bilateraler Handel:
2005: Exporte nach Iran 4.429 Mio. Euro (+24 Prozent)
Importe aus Iran 462 Mio. Euro (+18 Prozent)
2006: Exporte nach Iran 4.110 Mio. Euro (-7Prozent)
Importe aus Iran 410 Mio. Euro (-10Prozent)
2007: Exporte nach Iran 3.604 Mio. Euro (-13 Prozent)
Importe aus Iran 583 Mio. Euro (+40 Prozent)
2008: Exporte nach Iran 3.924 Mio. Euro (+8,9 Prozent)
Importe aus Iran 577,8 Mio. Euro (-0,86 Prozent)
Kulturelle Beziehungen
Deutschland ist in Teheran mit einem botschaftseigenen Deutschen Sprachinstitut, der Deutschen Botschaftsschule Teheran, einem Informationzentrum des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, dem Deutschen Archäologischen Institut sowie einer evangelischen Gemeinde unter Leitung einer deutschen Pfarrerin vertreten.
Auf dem Gebiet des Wissenschaftsaustauschs besteht zwischen Deutschland und Iran traditionell eine gute Zusammenarbeit. Eine ganze Generation iranischer Wissenschaftler wurde an deutschen Hochschulen ausgebildet. Heute setzen sich zahlreiche Alumni für gemeinsame deutsch-iranische Forschungsprojekte sowie eine Verstärkung der Hochschulkooperation ein.
Der Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache kommt neben der Förderung der Wissenschaftsbeziehungen besondere Bedeutung zu. In die Sprachkurse des botschaftseigenen Deutschen Sprachinstituts in Teheran auf allen Niveaustufen schreiben sich jährlich rund 5.000 Studenten ein. Darüber hinaus bietet das Institut iranischen Deutschlehrern vielfältige Fortbildungsangebote an.
In den deutsch-iranischen Kulturbeziehungen nimmt das Theater eine zentrale Rolle ein: Deutschland ist jedes Jahr beim Fadjr Theaterfestival mit Produktionen verschiedener Theater beteiligt.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.