Indonesien
Beziehungen zwischen Indonesien und Deutschland
Stand: Februar 2010
Politische Beziehungen
Die Beziehungen zwischen Indonesien und Deutschland sind traditionell gut und vertrauensvoll. Indonesien spielt beim gewünschten Brückenschlag und bei der Entwicklung der europäisch-asiatischen Beziehungen eine wichtige Rolle.
Deutschland hat in Indonesien einen guten Ruf, muss sich jedoch gegen eine starke regionale "Konkurrenz" im Wettbewerb bilateraler Beziehungen behaupten. Im Februar 2008 besuchte Bundesminister Steinmeier Jakarta und traf dort neben Außenminister Wirajuda auch Präsident Bambang Susilo Yudhoyono.
Präsident Yudhoyono war zuletzt im Dezember 2009 zu Besuch in Deutschland und führte Gespräche mit Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Er wurde u.a. von Außenminister Marty Natalegawa begleitet, der auch bilateral mit Bundesminister Guido Westerwelle zusammentraf.
Deutschland wird von Indonesien sowohl bilateral als auch in den Beziehungen zur Europäischen Union zunehmend als wichtiger Partner gesehen.
Die große Anteilnahme und Hilfsbereitschaft der deutschen Bevölkerung bei der Bewältigung der Tsunami-Katastrophe in Aceh wird von den Indonesiern nicht vergessen und zeigt positive Nachwirkungen. Bei der langjährigen Wiederaufbauhilfe für Aceh/Nias ist Deutschland weiterhin einer der größten bilateralen Geberländer. Die Ende 2007 erfolgreich abgeschlossenen Projekte der sog. Partnerschaftsinitiative privater Spender aus Deutschland runden das Bild deutscher Hilfe in der Not ab.
Deutschland unterstützt den Reformprozess in Indonesien durch vielfältige Projekte in den Bereichen guter Regierungsführung und Aufbau bzw. Stärkung der Verwaltungsstrukturen.
Wirtschaftsbeziehungen
Zur Zeit sind rund 250 deutsche Unternehmen in Indonesien vertreten, viele davon mit eigenen Produktionsanlagen. Selbst die Rezession der indonesischen Wirtschaft in den Jahren 1997/1998 hatte die Präsenz deutscher Unternehmen nur unwesentlich berührt. Deutsche Firmen - mit wenigen Ausnahmen – haben sich nicht vom indonesischen Markt zurückgezogen.
EKONID, die Deutsch Indonesische Industrie und Handelskammer repräsentiert die Interessen ihrer Mitgliedsunternehmen und fördert den bilateralen Handel und Investitionen zwischen Indonesien und Deutschland. Eine der wichtigsten Aufgaben der EKONID ist es, deutsche und indonesische Unternehmen bei der Markterschließung zu beraten und bei der Anbahnung von Geschäftsbeziehungen zu unterstützen.
Die Germany Trade & Invest (GTAI) ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland; ihre Vertretung in Indonesien hat die Aufgabe das Marketing für den Wirtschafts-, Investitions- und Technologiestandort Deutschland einschließlich der Investorenanwerbung durchzuführen. Die Gesellschaft berät indonesische Unternehmen, die ihre Geschäftstätigkeit auf den deutschen Markt ausdehnen wollen und unterstützt deutsche Unternehmen, die den indonesischen Markt erschließen will, mit Außenwirtschaftsinformationen.
1999 wurde in der Nähe Jakartas in der Satellitenstadt Bumi Serpong Damai (ca. 35 westlich von Jakarta) das Deutsche Industrie- und Handelszentrum (German Centre Indonesia) eröffnet. Das Zentrum bietet Produktions- und Büroflächen mit kompletter Infrastruktur und einer modernen Medienanbindung Es ist als Brücke und Hilfestellung vor allem für kleine und mittlere deutsche Unternehmen konzipiert, die auf einem der größten Märkte der Welt Fuß fassen wollen. Derzeit belegen 55 Unternehmen und Organisationen 97% der Fläche.
Deutsch-Indonesischer Handel
Die Weltwirtschaftskrise 2008 /2009 hat zu einer deutlichen Verringerung der Im-und Exporte in Indonesien geführt; trotz dieser Krise konnte in Bezug auf den Warenaustausch mit Deutschland das Gesamthandelsvolumen in 2009 im Vergleich zu 2008 um 8,75% auf 5,34 Mrd. Euro erhöht werden, wobei im Saldo für Indonesien ein plus von 1,62 Mrd. Euro zu verzeichnen ist.
Die deutschen Ausfuhren nach Indonesien stiegen in 2009 um 5,0% auf 1,86 Mrd. Euro (2008: 1,77 Mrd. Euro); die Einfuhren um 10,82 % auf 3,48 Mrd. Euro (2008: 3,14 Mrd. Euro).
Hauptausfuhrgüter waren Maschinen, Chemische Vor- und Enderzeugnisse, Nachrichtentechnik, Geräte zur Elektrizitätserzeugung und -verteilung, elektronische Bauelemente, Luftfahrzeuge, Rohre, Kunststoffe, Pharmazeutische Erzeugnisse, Eisen-, Blech- und Metallwaren, Pkw, Farben, Lacke und Kitte.
Haupteinfuhrgüter waren pflanzliche Öle und Fette, Textilien, elektronische Geräte, Schuhe, Kautschuk(-waren), Ferrolegierungen, Kupfererze und Möbel.
Engagements deutscher Unternehmen in Indonesien
Zur Zeit sind rund 250 deutsche Unternehmen in Indonesien vertreten, viele davon mit eigenen Produktionsanlagen. Selbst die überwundene tief greifende Rezession der indonesischen Wirtschaft in den Jahren 1997/1998 hatte die Präsenz deutscher Unternehmen nur unwesentlich berührt. Obwohl in nahezu allen Branchen - der Anlagenbau und die Bauwirtschaft waren besonders betroffen - zahlreiche Firmen Umsatzrückgänge hinnehmen mussten, haben sich deutsche Firmen - mit wenigen Ausnahmen - nicht vom indonesischen Markt zurückgezogen. Als deutsche Firmen haben u.a. Siemens, aus dem Chemiebereich BASF, Bayer/Schering, Beiersdorf, Merck, Henkel und Südchemie in Indonesien investiert. Ferner sind zu nennen Heidelberger Zement, Fuchs Oil und Schottglas. Daimler/Mercedes-Benz und BMW assemblieren Autos in Indonesien. Bayer hat die Erweiterung seiner Fabrik in Cimanggis in der Nähe von Jakarta eingeweiht.
Das Unternehmen Oiltanking, Tochtergesellschaft der Marquard & Bahls AG, hat im März 2007 an der Nordwestspitze von Java in Merak mit dem Bau des ersten unabhängigen Mineralöltanklagers begonnen, das Projekt konnte zwischenzeitlich erfolgreich abgeschlossen werden.
Der Volkswagen-Konzern beabsichtigt in Südostasien zu expandieren. Zur langfristigen Erschließung der Asean-Märkte soll in einem ersten Schritt gemeinsam mit dem indonesischen Partnerunternehmen Indomobil eine lokale Fahrzeugmontage in der Hauptstadt Jakarta eingerichtet werden.
Entwicklungspolitische Zusammenarbeit (EZ)
Deutschland ist mit Leistungen von insgesamt rund 3 Mrd. Euro viertgrößter bilateraler Partner Indonesiens nach Japan, Australien und den USA. Über multilaterale Institutionen wie Vereinte Nationen, Weltbank, ADB und den Entwicklungsfonds der Europäischen Union unterstützt Deutschland mit weiteren bedeutenden Beiträgen Entwicklungsprogramme in Indonesien.
Die deutsch-indonesische Zusammenarbeit besteht bereits seit den 1950er Jahren. Die Aktivitäten zur Begleitung des indonesischen Reformprozesses konzentrieren sich seit einigen Jahren beispielhaft auf Java und die entwicklungsschwachen Provinzen West- und Ost-Nusa Tenggara im Osten des Landes.
Bei den Regierungsverhandlungen am 2. Oktober 2007 in Bonn wurde mit der indonesischen Regierung vereinbart, das reguläre bilaterale EZ-Portfolio auf die drei Schwerpunkte Privatsektorförderung, Dezentralisierung/Gute Regierungsführung sowie den Schwerpunkt Klimawandel zu konzentrieren, Bei den Verhandlungen wurden insgesamt 86 Mio. Euro zugesagt, darunter auch Zusagen zur Bekämpfung der Vogelgrippe und zur Beratung im Gesundheitssystem.
Zur Zeit bestehen rund 30 Projekte der technischen Zusammenarbeit (TZ) in denen ca. 60 Langzeitexperten tätig sind. Der Deutsche Entwicklungsdienst unterstützt die Projekte in allen Schwerpunkten mit derzeit 21 Fachkräften. Im Bereich Geowissenschaften trägt die BGR mit insgesamt vier Experten ein Teilprojekt des GTZ-Vorhabens „Gute Lokale Regierungsführung“ sowie ein Projekt im Rahmen des Tsunami-Wiederaufbaus in Aceh. Hinzu kommen 23 Integrierte Fachkräfte, die durch CIM vermittelt werden. Die finanzielle Zusammenarbeit (FZ) - durchgeführt durch die KfW - umfasst derzeit 22 laufende Projekte.
Für Kleinstprojekte in Indonesien und Timor Leste stehen der Botschaft 2009 Mittel in Höhe von insgesamt 105.000 EUR zur Verfügung (80.000 EUR für Indonesien und 25.000 EUR für Timor Leste).
Wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit (WTZ)
Indonesien ist zudem eines der Schwerpunktländer für die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit (WTZ) mit Asien.
Die seit 1979 institutionalisierte bilaterale WTZ zwischen Deutschland und Indonesien ist aktiv und vertrauensvoll. Die Felder der fachlichen Zusammenarbeit wie die Meeresforschung, die Geoforschung, die Umweltforschung, die Forschung in der Bio- und Gentechnologie, die Satellitenforschung und die Energieforschung unterstützen nachhaltig den Reform- und Transformationsprozess Indonesiens. Ein strategisches Feld der Zusammenarbeit wird gegenwärtig in den Erneuerbaren Energien etabliert (insb. Geothermie).
Bedingt durch eine rege akademische Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten, unter der seit der Gründung der Republik Indonesien rund 25.000 überwiegend Wissenschaftler und Ingenieure aus Indonesien in Deutschland ausgebildet wurden, konnte die Kooperation fortlaufend ausgebaut und intensiviert werden. Die Deutschland-Alumni, von denen ein hoher Anteil mit Stipendien des DAAD ausgebildet wurden, gehören zur wissenschaftlichen Elite des Landes.
Neu hinzugekommen ist im Jahre 2005 die bilaterale Zusammenarbeit zum Auf- und Ausbau eines Tsunami-Frühwarnsystems vor der Küste Indonesiens – der deutsche Projektanteil beträgt rund 45 Mio. Euro. Die Übergabe der technischen Komponenten des Systems an die Republik Indonesien erfolgte am 11. November 2008. Unter Teilnahme zahlreicher Vertreter weiterer Länder der internationalen Gebergemeinschaft verkündete Staatspräsident Yudhoyono an diesem Tag den Betriebsstart des Tsunamifrühwarnsystems für Indonesien und weihte das neu errichtete Warnzentrum des Geophysikalischen Dienstes Indonesiens im Norden Jakartas ein.
Die Wirtschaft, insbesondere die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), spielen in der bilateralen Zusammenarbeit eine zunehmende Rolle. Sie sollen auch in die Projektzusammenarbeit einbezogen werden. Hierzu dient insbesondere der Aufbau der Business-Technology-Centers und die Ausschreibung sog. 2+2 Projekte unter Einbeziehung von Forschungseinrichtungen und Unternehmen.
Indonesien soll auch an die Europäische Zusammenarbeit herangeführt werden, mit dem Ziel, sich künftig an Förderanträgen im Forschungsrahmenprogramm der EU zu beteiligen. Hierzu war der Antrag South-East-Asia-Net unter deutscher Konsortialführung in 2008 erfolgreich. Seither nehmen ausgewählte Administratoren des indonesischen Forschungsministeriums an diesem Programm teil.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.