Honduras
Wirtschaftspolitik
Stand: Februar 2010
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Mit einemPro-Kopf-Einkommen von ca. 1.858 USD gehört Honduras mit Nicaragua, Guatemala, Haiti, Bolivien und Guyana zu den ärmeren Ländern Lateinamerikas (nach Weltbank-Klassifizierung ein "lower middle-income country"). Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2009 in Honduras betrug 13,88 Mrd. USD (2008: 14,32 Mrd. USD), das BIP pro Kopf belief sich im vergangenen Jahr auf 1.767 USD (2008: 1.858 USD). Nach dem Human Development Index 2009, der u.a. Pro-Kopf-Einkommen, Schulbildung und Lebenserwartung miteinander in Verbindung setzt, belegt Honduras unter 182 Ländern Rang 112 .
Die Wirtschaft ist traditionell agrarisch ausgerichtet mit Subsistenzwirtschaft betreibenden Familienunternehmen (Mais, schwarze Bohnen) und wenigen Großbetrieben mit exportorientierter Produktion (Kaffee, Bananen, Ananas, Shrimps, Tilapia). Monopole und Großbetriebe existieren u.a. bei Zementproduktion (privat), im Energiesektor (ENEE – Empresa Nacional de Energía Eléctrica - öffentlich), Festnetztelefon (Hondutel - öffentlich), Hafen Puerto Cortés (öffentlich), und einer Reihe von Lohnveredelungsbetrieben vor allem im Textilbereich (Direktexport in die USA).
Es gibt keine Erdölraffinerie. Zwei Drittel der Stromproduktion erfolgt in Wärmekraftwerken auf der Basis von importiertem Erdöl, ca. ein Drittel durch Wasserkraftwerke. Anteilige Biodieselproduktion ist in Planung (kolumbianische Pilotanlage März 2009 und Zusammenarbeit mit Brasilien). Ausbau der Dienstleistungskapazitäten bei Verkehr ("Canal Seco" zwischen Pazifik und Karibik), bei Banken, bei mobiler Telekommunikation und im Tourismus (Bucht von Tela, Bay Islands der honduranischen Karibik). Hohe, teils verdeckte Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit (beides zusammen 35-40%), starke Emigration überwiegend in die USA (ca. 1 Mio. Honduraner). Sehr hohe Einkommensspreizung (ärmstes Fünftel 3,4%, reichstes Fünftel 58,3% der Einkünfte, 3,7% der Farmer besitzen über 50% des Farmlandes).
Aktuelle Entwicklung
Das Bruttoinlandsprodukt wies für 2009 eine negative Wachstumsrate von -2,1% auf (2008: 4%). Die Inflationsrate belief sich 2009 auf 3% (10,8% 2008). Die Devisenreserven betrugen Ende 2009 ca. 2,11 Mrd. USD (2008: 2,73 Mrd. USD). Problematisch sind für das exportabhängige Honduras die schwankenden Weltmarktpreise für Agrarprodukte und bei gänzlicher Importabhängigkeit die zeitweise hohen Ölpreise der letzten Jahre. Ausländische Direktinvestitionen sind 2008 auf 875 Mio. USD leicht angestiegen (2007: 815 Mio. USD).
Die Auswirkungen der Nahrungsmittelpreissteigerungen 2008, der weltweiten Finanzkrise 2008/09 und der politischen Krise 2009 auf die Wirtschaftslage in Honduras sind negativ. Auch in kommenden Jahren wird Honduras ein hilfsbedürftiges Entwicklungsland bleiben.
Wirtschaftspolitik
Die bisherige honduranische Regierung nahm im Rahmen ihrer nationalen Armutsbekämpfungsstrategie -ERP- Ausgaben im sozialen Bereich vor, wobei jedoch investive Ausgaben hinter konsumptiven deutlich zurückblieben und permanente Fokussierung auf Armutsbekämpfung erforderlich bleibt. Die neue Regierung (Amtsantritt 27.1.2010) hat gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit einen staatlichen Entwicklungsplan vorgestellt mit einer Projektion auf 28 Jahre, der die Armutsbekämpfungsstrategie generell mit einschließt.
Honduras ist eine liberale, auf Freihandel und Investitionserleichterungen ausgerichtete Marktwirtschaft (Lohnveredelungsregime, Freihafenregelungen, Zoll- und Steuervergünstigungen für Investoren, freier Kapitaltransfer). In einigen Sektoren bestehen öffentliche monopolistische Strukturen. Die Maquila-Gesetzgebung (Steuerbefreiung der Einfuhr und Weiterverarbeitung von Waren für den Re-Export ins Herkunftsland) nach mexikanischem Vorbild hat in den vergangenen Jahren eine Reihe von Investoren insbesondere aus den USA, Taiwan und Korea ins Land gebracht.
Die Lohnveredelungsindustrie (Textil, Holzverarbeitung) konzentriert sich auf San Pedro Sula in der Nähe der Karibikküste, zweitgrößte Stadt und Wirtschaftszentrum des Landes. Der "Maquila"-Sektor hat 2008 1,327 Mrd. USD erwirtschaftet.
Außenhandel und Überweisungen
Trotz der Exportorientierung der honduranischen Wirtschaft weist die Handelsbilanz einen negativen Saldo aus. Honduras exportierte 2008 Güter im Wert von 2,412 Mrd. USD (ohne Maquila) und importierte Güter im Wert von 7,501 Mrd. USD (ohne Vorprodukte Maquila, ohne Erdöl).
Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sind die unentgeltlichen Transfers, d.h. Überweisungen der ca. 1 Mio. im Ausland (überwiegend USA) lebenden Honduraner (2008: 2,8 Mrd. USD; zum Vergleich honduranischer Haushalt Zentralregierung 2008: 2,451 Mrd. USD).
Auf Grund der weltweiten Wirtschaftskrise sind die Transferzahlungen 2009 zurückgegangen. Die Überweisungen haben aber während der 2000er Dekade stark zugenommen und bilden nach wie vor eine wesentliche Stütze für Leistungsbilanz und Konsum in Honduras. Dies gilt auch dann, wenn die Überweisungen, bezogen auf das jeweilige Vorjahr, wegen einer vorübergehenden US-Rezession zeitweise rückläufig sind.
Insgesamt ist die honduranische Konjunktur stark abhängig von äußeren Einflüssen.
Die öffentliche Auslandsverschuldung von Honduras betrug im Jahr 2009 2,43 Mrd. USD (2008: 2,33 Mrd. USD).
Umweltpolitik
Honduras, im geographischen Mittelpunkt Nord- und Südamerikas liegend, weist mit dem Vorhandensein nord- und südamerikanischer Arten der Flora und Fauna eine der größten Biodiversitäten des amerikanischen Kontinents auf. Zu erwähnen sind hier insbesondere der noch nahezu unberührte größte zusammenhängende Regenwald in Zentralamerika im Nordosten des Landes (Mosquitia) sowie das bedeutende Korallenriff-Ökosystem um die dem honduranischen Festland vorgelagerten Karibikinseln (Bay Islands).
Honduras hat ein beträchtliches Potential beim Handel mit Klimazertifikaten. In beiden Zonen besteht allerdings auch die Gefahr zunehmender Umweltgefährdung durch illegales Abholzen und Brandrodungen aufgrund des demographischen Drucks einerseits bzw. durch Überfischung, Meeresverschmutzung sowie zunehmenden Tauchertourismus andererseits. Honduras ist Folgen eines Klimawandels möglicherweise direkt ausgesetzt. Es liegt in der tropischen karibischen Hurrikanzone (zuletzt 1998 verheerender Hurrikan Mitch mit über 5.000 Toten).
In der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit Deutschlands mit Honduras ist einer der drei Schwerpunkte der Schutz und die nachhaltige Nutzung der vorhandenen natürlichen Ressourcen. Seit Jahren besteht in diesem Rahmen ein entsprechendes deutsches Projekt, durchgeführt von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit und der Kreditanstalt für Wiederaufbau in der von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannten "Biósfera Río Plátano". Dieses Naturschutzgebiet bietet die Lebensgrundlage für indigene Gruppen und eine besondere Artenvielfalt an Flora und Fauna . Die honduranische Regierung hat sich den Schutz der Biosphäre ebenso zum Ziel gesetzt und zu diesem Zweck "Grünhelme" in dem Gebiet eingesetzt.
Im Januar 2008 ist nach Jahren der Diskussion mit den Geberländern das neue honduranische Forst- und Umweltgesetz in Kraft getreten. Inzwischen gibt es registrierbare Erfolge beim Naturwalderhalt (Entwaldungsrate in Rand- und Kernzone von Río Plátano bei noch 0,66% jährlich, gegenüber einer Entwaldungsrate im ganzen Land von ca. 2% jährlich und in Zentralamerika von 2-3% jährlich).
Die Umweltsituation in den großen Städten des Landes ist besorgniserregend (Wassermangel, Erosionserscheinungen, fehlende Abwasserentsorgung, illegale Mülldeponien, unkontrollierte Bautätigkeit, umweltbelastende Industriebetriebe, Emissionen veralteter Kfz etc.). Die Regierung hat konkrete Pläne für die Produktion von Biodiesel, u.a. durch verstärkten Anbau der Palma Africana (Kolumbien errichtete im März 2009 Pilotanlage).
Bisher werden ca. zwei Drittel der benötigten Energie in thermischen Kraftwerkenauf der Basis von importiertem Erdöl gewonnen. Das letzte Drittel an Energie kommt von honduranischen Wasserkraftwerken. Der Ausbau kleinerer und mittlerer Wasserkraftwerke kommt langsam in Gang. Die Nutzung alternativer Energiequellen (Meereswellen, Erdwärme, Biomasse, äolische oder solare Energie) steht erst noch am Anfang (September 2008 – USA Windenergie).
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.