Heiliger Stuhl / Vatikan
Innenpolitik
Stand: März 2009
Vatikanstaat
Der Vatikanstaat ist Völkerrechtssubjekt und dem Heiligen Stuhl zu- und untergeordnet; er ist die territoriale Basis (rund 44 Hektar) seiner völkerrechtlichen Souveränität. Das Staatsgebiet umfasst die Petersbasilika, den Petersplatz, den Apostolischen Palast, die Vatikanischen Museen und Gärten sowie weitere Gebäude in Rom (darunter der Lateran), ferner die Sommerresidenz Castel Gandolfo (rund 60 Hektar). Der Vatikanstaat verfügt über eine eigene Justiz, Polizei, Eisenbahnstation, Bank (IOR), Post- und Münzamt, Supermarkt, Apotheke, Verlag, Rundfunk, Bibliothek, Archiv.
Staatsoberhaupt und Souverän des Vatikanstaats ist der Papst. Die Verwaltung des Vatikanstaates liegt in den Händen einer aus sieben Kurienkardinälen bestehenden päpstlichen Kommission, die vom Papst jeweils für fünf Jahre ernannt wird, deren Vorsitzender der Präsident des Governatorates des Vatikans ist, in der Regel ein Kardinal. Für die zentrale Verwaltung ist das „Governatorato“ zuständig.
Im Vatikanstaat wurde am 01.01.2002 der Euro als Währung eingeführt und ein eigener Satz Münzen mit dem Bild des Papstes herausgegeben. Bedingt durch das rege Sammlerinteresse gelangen die Münzen selten in den Umlauf.
Heiliger Stuhl und Römische Kirche
Der Papst ist als Bischof von Rom "Haupt des Bischofskollegiums und oberster Hirte der Gesamtkirche", über die er die oberste, volle, unmittelbare und universale Leitungsgewalt hat. Er verkörpert die Einheit der katholischen Weltkirche mit 1,14 Milliarden Gläubigen in fünf Kontinenten.
Das Kardinalskollegium, das den Papst bei der Leitung der Gesamtkirche berät, umfasst zum 31.März 2009 115 wahlberechtigte Mitglieder (das heißt Kardinäle, die das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben). Insgesamt gehören dem Kardinalskollegium 187 Kardinäle an.
Die Römische Kurie, durch die der Papst die Gesamtkirche leitet, besteht aus: dem Staatssekretariat und den (für die verschiedenen Sachgebiete der Kirche) zuständigen Kongregationen, Päpstlichen Räten, Kommissionen, Gerichtshöfen und Ämtern. Diese "Dikasterien" (Zentralbehörden der Kurie) werden meist von Kardinälen geleitet und sind in ihrer Funktion mit Ministerien vergleichbar. Unter der Bezeichnung "Apostolischer Stuhl" oder "Heiliger Stuhl" ist nicht nur der Papst, sondern die Gesamtheit der Römischen Kurie zu verstehen.
Unter den Kurienbehörden hat das Staatssekretariat, das einer Staatskanzlei entspricht, eine besondere Stellung. Es unterstützt den Papst in der Leitung der Weltkirche und koordiniert die Arbeit der übrigen kurialen Behörden. An der Spitze des Staatssekretariats steht der Kardinalstaatssekretär, der einem Regierungschef vergleichbar ist.
Innerkirchliche Ziele
Bei Papst Benedikt XVI. lassen sich für sein Pontifikat bislang folgende vorrangige Ziele erkennen:
- Zeugnis für Gott in einer säkularisierten Welt;
- verstärktes Eintreten der Kirche für Werte wie Schutz des Lebens, Familie u.a. (gegen Relativismen);
- Fortsetzung des ökumenischen Dialogs;
- Betonung der missionarischen Bedeutung des Christentums;
- Förderung der interreligiösen auch interkulturellen Zusammenarbeit;
- Entwicklung eines ausgewogenen Verhältnisses von Vernunft und Glauben;
- soziale Gerechtigkeit und Frieden besonders in benachteiligten Regionen.
Wichtige Ereignisse in den letzten Jahren des Pontifikats von Johannes Paul II. waren die Veröffentlichung des neuen Katechismus der Katholischen Kirche (1992), der Enzykliken "Veritatis Splendor" über Fragen der Moraltheologie (1993), "Evangelium Vitae" zur Unverletzlichkeit des menschlichen Lebens (März 1995), "Ut unum sint" über die Ökumene (Mai 1995) "Fides et Ratio" über das Verhältnis von Glaube und Vernunft (1998) , die "Gedanken zum Engagement und Verhalten der Katholiken im politischen Leben" (2003) sowie der „Sozialkatechismus der Kirche“ (2004).
Die erste Enzyklika von Papst Benedikt XVI. „Deus caritas est“ wurde im Januar 2006 veröffentlicht. Am 30.11.2007 folgte die Enzklika „Spe Salvi“. Mit seinen Reisen zum Weltjugendtag nach Köln, nach Polen, Spanien und Deutschland, in die Türkei, nach Brasilien, Österreich, in die USA, zum Weltjugendtag in Sydney, nach Frankreich sowie nach Kamerun und Angola setzte er Akzente.
Hinweis
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