Startseite

Springe direkt zu: Seiteninhalt:, Zusatzinformationen:, Hauptmenü, Servicemenü, Suche


Landesflagge Großbritannien / Vereinigtes Königreich
Kultur- und Bildungspolitik, Medien

Stand: Oktober 2009

Kulturpolitik

Großbritannien verfügt über eine überaus dichte und vielgestaltige Kulturlandschaft mit Zentrum in London. Die beachtlichen kulturellen Ambitionen der Regionen (so Cardiff in Wales und Edinburgh und Glasgow in Schottland) und einzelner urbaner Zentren (Birmingham, oder die europäische Kulturhauptstadt 2008 Liverpool) können die Anziehungskraft Londons nicht erreichen.  Die geschickt vermarktete neue Kunstmesse "Frieze Art" (seit 2004) ist zu einem internationalen Magneten für den Verkauf moderner Kunst geworden, aber auch alle anderen Sparten (Musik, Film, Theater, Tanz, Kreativwirtschaft) sind auf höchstem Niveau vertreten.

Das Kulturfördersystem Großbritanniens beruht in hohem Maße auf privater Initiative, ist oft projektgebunden und durch zahlreiche private oder halbprivate Stiftungen charakterisiert. Viele der zahlreichen Kulturinstitutionen - wie fast alle Londoner Theater und Museen – finanzieren sich überwiegend kommerziell. Public Private Partnerships und Matching Funds sind wichtige Elemente der britischen Kulturfinanzierung. Das britische Ministerium für Kultur, Medien und Sport betreibt Kulturförderung durch die Vergabe von Geldern aus der National Lottery, die derzeit allerdings stark zur Finanzierung der olympischen Spiele in London 2012 herangezogen wird.

Bildungspolitik

In Großbritannien besteht zwischen dem 5. und dem 16. Lebensjahr Schulpflicht, ab dem 3. Lebensjahr und teilweise früher wird das Vorschulangebot kontinuierlich ausgebaut. Die Primarschulausbildung umfasst sechs Jahre, vom 5. bis 11. Lebensjahr (Key Stage 1 and 2). Der Übergang von Primar- auf Sekundarstufe vollzieht sich im 12. Lebensjahr des britischen Schülers und schließt mit dem „General Certificate of Secondary Education“ (GCSE) mit 16 Jahren ab (Key Stage 3 and 4). Dieses Zertifikat kann mit dem deutschen Haupt- bzw. Realschulabschluss gleichgesetzt werden und wird von der Anzahl der geprüften Fächer, für die sich der Schüler entscheidet, sowie den Prüfungsergebnissen abhängig gemacht. Eine hohe Anzahl von Prüfungsfächern mit guten Ergebnissen gestattet es dem Schüler, die Schule zwei weitere Jahre zu besuchen und sich auf den höchsten britischen Schulabschluss, die A-levels, vorzubereiten. Mit dem erfolgreichen Abschluss der A-level-Prüfung hat der Schüler die Hochschulreife erreicht. Die Wiederholung eines Schuljahres durch Nichterreichen des Klassenziels kennt das britische Schulsystem nicht.

Ein kleiner Prozentsatz von Schülern besucht Privatschulen, die teilweise sehr hohe Gebühren erheben. Kleine Klassen und individuelle Fördermöglichkeiten führen dazu, dass der Anteil der aus Privatschulen kommenden Schüler in den Eliteuniversitäten mit rund 50 Prozent weit überproportional ist. Es existiert bisher kein mit Deutschland vergleichbares Berufsbildungsangebot. Betriebe bilden je nach Eigenbedarf aus, Lehrlingsausbildung in handwerklichen Betrieben ist weitgehend unbekannt.

Nach einer Hochphase des Fremdsprachenlernens in den 80er Jahren nimmt der Fremdsprachenunterricht in allen Sprachen kontinuierlich ab. Seit 2004 ist der Fremdsprachenunterricht an britischen Schulen nur noch im Alter zwischen 11 und 14 Jahren verpflichtend. Die Regierung versucht dem Abwärtstrend mit der "National Languages Strategy" entgegenzusteuern: Fremdsprachen sollen stärker als bisher ab der 1. Grundschulklasse angeboten werden; bis 2011 soll jeder Grundschüler einen Anspruch auf Fremdsprachenunterricht haben.

Wissenschaft und Technologie

Großbritannien ist eine der führenden Wissenschaftsnationen. Es steht beim Kriterium wissenschaftlicher Zitate an zweiter Stelle in der Welt. Seit 1990 gingen 17 Nobelpreise nach Großbritannien. Es sieht seine ökonomischen Wettbewerbschancen in besonderem Maße in der Wissensgesellschaft. Ziel der Wissenschaftsförderung der Regierung ist die Verbesserung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit Großbritanniens. Um den internationalen Standard zu halten, fördert die Regierung verstärkt anwendungsbezogene Grundlagenforschung. Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms, Klonen, Stammzellenforschung und genetisch modifizierte Nahrungsmittel haben die Diskussion von rechtlichen und ethischen Grenzen der Wissenschaft in Großbritannien verstärkt. Die Partnerschaft mit großen privaten Stiftungen (Wellcome Trust) hat zusätzliche Mittel für Spitzenforschung eingebracht.

Medien

In Großbritannien wird in allen Schichten der Bevölkerung intensiv Zeitung gelesen, der Trend geht allerdings auch hier zu einer verstärkten Nutzung von Online-Medien.

Der Deutschlandbezug war bis in die jüngere Zeit oft von einer starken Fixierung auf die Nazi-Zeit und den Zweiten Weltkrieg dominiert. Das Interesse an einer Beschäftigung mit Deutschland heute und objektiverer Berichterstattung hat jedoch zugenommen. Das Thema Nationalsozialismus wird nahezu nur noch in der Boulevardpresse plakativ behandelt.

Der Ton ist während der Finanz- und Wirtschaftskrise „kompetitiver“ geworden. Zugleich aber erfährt Deutschlands Krisenmanagement Respekt und Bewunderung. 

Öffentlich-rechtliche, allein durch Gebühren finanzierte Anstalten (BBC) spielen eine wichtige Rolle, wenngleich die durch Werbung finanzierten privaten Sendeanstalten im Vormarsch sind, vor allem im weit ausgebauten digitalen Kabelnetz. Zur Zeit erfolgt die Umstellung der Grundversorgung auf DVB-T (terrestrisch digitales Radio und Fernsehen), das bis 2012 landesweit eingeführt sein soll. Eine andauernde Entwicklung ist der Ausbau der Internetangebote und der Video- und Podcasts, vor allem bei der BBC. Die BBC steht dabei aber zunehmend im Kreuzfeuer der Kritik der kommerziellen Sender, die von einem verzerrten Wettbewerb sprechen, da sie sich sowohl über Gebühren finanziert als auch durch ihren kommerziellen Arm BBC Worldwide. Der allein durch Werbung finanzierte öffentlich-rechtliche Sender Channel 4 ist finanziell schwer angeschlagen. Ein Verkauf ist seit längerem im Gespräch, auch ein möglicher Verkauf an den RTL-Group-Sender Five.

Auch die Presse steht seit Längerem unter starkem Konkurrenzdruck und gerät zunehmend auch durch kostenfreie Metrozeitungen in Bedrängnis. Traditionstitel wie der Independent und der Observer sind finanziell stark angeschlagen. Auch hier ist fraglich, ob oder wie lange sie in ihrer jetzigen Form weiter existieren können.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Zusatzinformationen:

Nützliche Links



Für diese Seite:


Impressum © 1995-2010 Auswärtiges Amt