Griechenland
Wirtschaft
Stand: Mai 2009
Wirtschaftspolitik
Die internationale Wirtschafts- und Finanzkrise erreicht Griechenland mit Verzögerung und im europäischen Vergleich in geringerem Umfang. Laut Frühjahrsgutachten der EU-Kommission wird die griechische Wirtschaft 2009 um 0,9 Prozent schrumpfen. Von der internationalen Krise besonders betroffen sind die Branchen Seeverkehrswirtschaft, Bau und Tourismus. Landwirtschaft und produzierendes Gewerbe spielen eine immer geringere Rolle. Branchen wie die Textilindustrie oder Anbauprodukte wie Tabak und Zuckerrüben sind kaum noch konkurrenzfähig.
Die griechische Wirtschaft ist geprägt durch kleine und mittelständische Betriebe, es gibt nur wenige Großunternehmen.
Auch nach der Regierungsumbildung vom 7. Januar 2009 bleiben Deregulierung, Privatisierung staatlicher und halbstaatlicher Unternehmen sowie der Umbau der sozialen Sicherungssysteme angesichts absehbarer demografischer Herausforderungen in der Zukunft die wichtigsten wirtschaftspolitischen Aufgaben der Regierung. Strukturell ist die griechische Gesellschaft ähnlichen Überalterungsproblemen ausgesetzt wie viele westliche Industriestaaten.
Zu den eingeleiteten gesetzgeberischen Schritte zu Deregulierung und Bürokratieabbau gehören ein Entwicklungsgesetz und ein Public Private Partnership (PPP)-Gesetz. Bei den Privatisierungsvorhaben kommt die Regierung gut voran. Kürzlich konnte die Privatisierung der defizitären staatlichen Fluggsesellschaft Olympic Airlines vermeldet werden. 2008 stieg die Deutsche Telekom mit 25 Prozent beim größten griechischen Telekommunikationsunternehmen OTE ein.
Staatshaushalt
Nachdem Griechenland bereits 2007 und 2008 ein Haushaltsdefizit von mehr als 3 Prozent des BIP zu verzeichnen hatte, leitete die EU am 27. April 2009 das Defizitverfahren ein. Griechenland ist aufgefordert, sein Haushaltsdefizit bis Ende 2010 wieder unter 3 Prozent zu senken, eine Aufgabe, die angesichts sinkender Steuereinnahmen und steigender Sozialausgaben in Zeiten der internationalen Finanzkrise nicht leicht fallen wird.
Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland
Deutsche Unternehmen engagieren sich derzeit insbesondere im Einzelhandel und sind am Bereich erneuerbare Energien interessiert. Dort sowie bei Umwelt- und Abfalltechnologien bestehen interessante Chancen für deutsche Investoren und Anbieter. Griechische Unternehmen (vor allem Banken, Telekommunikationsbranche) haben in den letzten Jahren verstärkt in den Ländern des Balkans und in der Türkei investiert.
Deutschland ist neben Italien wichtigster Handelspartner mit Ausfuhren nach Griechenland im Wert von 8,3 Mrd. Euro und Einfuhren aus Griechenland im Wert von 1,9 Mrd. Euro (2008). Insgesamt verzeichnet Griechenland eine negative Handelsbilanz, das heißt der Wert der Importe überstieg 2008 den der Exporte um 44 Mrd. Euro.
Die Dienstleistungsbilanz Griechenlands hingegen ist positiv (Überschuss 17,2 Mrd. Euro), was insbesondere auf die Einnahmen aus dem Tourismus zurückzuführen ist. 2007 besuchten rund 17,5 Millionen Touristen Griechenland, darunter 2,26 Millionen Deutsche.
Griechenland bemüht sich vor dem Hintergrund steigenden Energiebedarfs bei gestiegenen Preisen, künftig eine wichtige Rolle als regionale "Drehscheibe" der Versorgung mit Energie und Energierohstoffen zu spielen. Dies soll neben der Schaffung der Südost-Europa-Energiegemeinschaft insbesondere dem Netzausbau (Strom, Gas, Erdöl) in Richtung der Nachbarländer dienen.
Wichtige Wirtschaftskenndaten
Jahr (2009: Prognose) | 2008 | 2009 |
Bruttoinlandsprodukt (in Mrd. Euro) | 242,9 | |
Wachstum real | 2,9% | -0,9% |
Inflationsrate | 3,3% | 2,1% |
Staatsverschuldung in % des BIP | 97,6% | 103,4% |
Haushaltsdefizit | -5,0% | -5,1% |
Arbeitslosenquote | 7,7% | 9,1% |
(Quellen: Frühjahrsbericht 2009 der EU-KOM)
Umweltpolitik
Griechenland hat mit erheblichen Umweltproblemen zu kämpfen. Belange des Umwelt- und Naturschutzes dringen nur langsam in das Bewusstsein der breiteren Öffentlichkeit vor und erhalten dementsprechend noch wenig aktive Unterstützung. Griechenland musste in der Vergangenheit wiederholt Strafen der Europäischen Union wegen nicht eingehaltener Umweltnormen zahlen. Die Umweltbelastung ist in den Ballungsräumen Athen und Thessaloniki, in denen die Hälfte der griechischen Bevölkerung lebt, am höchsten.
Die Griechen produzieren 5 Mio. Tonnen Abfall im Jahr, davon entfallen allein 1,7 Mio. Tonnen auf Athen. Nur 24 Prozent des Abfalls wird wiederverwertet. Landesweit gibt es immer noch mehr als 1.000 nicht vorschriftsmäßig betriebene Mülldeponien. Hinzu kommt fast überall wilde Müllablagerung. Der weiter steigende Wohlstand der Griechen geht auch im häuslichen Bereich einher mit wachsendem Energieverbrauch und steigendem Verkehrsaufkommen.
Die Luftqualität in Athen hat sich in den letzten Jahren durch den Bau der U-Bahn, der Ringautobahn sowie die Nutzung von Gas zu Heizzwecken verbessert. Autoabgase bleiben die Hauptursache für die hohe Schadstoffbelastung in Athen und Thessaloniki. Allein in Attika sind über 2,5 Mio. Autos, Busse und Zweiräder gemeldet. Gegen den weiter steigenden Individualverkehr mit seinen Umweltfolgen können Maßnahmen wie die Beschränkung des Autoverkehrs in der Innenstadt Athens oder die Einführung gasbetriebener Busse nur wenig ausrichten.
Die griechische Regierung bemüht sich, durch bessere rechtliche Rahmenbedingungen den Einsatz von erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, Wasserkraft) zu fördern. Dem dient insbesondere das im Januar 2009 überarbeitete Gesetz über erneuerbare Energien, das für Produzenten von Strom aus erneuerbaren Quellen Einspeisevergütungen und Investitionsbeihilfen vorsieht.
Hinweis
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