Griechenland
Beziehungen zu Deutschland
Stand: Mai 2009
Das Vertrauensverhältnis zwischen Griechen und Deutschen ist nicht zuletzt der Verbundenheit vieler Griechen mit der deutschen Kultur zu verdanken. Bemerkenswert sind die engen Kontakte im Hochschulbereich, die auch darauf zurückzuführen sind, dass Griechenland nach der Unabhängigkeit das deutsche Zivilrecht übernommen hat. Viele griechische Akademiker, bis hin zu zahlreichen führenden Persönlichkeiten in Staat und Gesellschaft, sprechen gut Deutsch. Hunderttausende Griechen sind nach Jahren, die sie in Deutschland als Arbeitnehmer oder Studenten verbracht haben, von dort mit guten Erinnerungen in die Heimat zurückgekehrt. Auch erinnern sich viele Griechen dankbar daran, in der Zeit der Obristendiktatur (1967-1974) Zuflucht und Unterstützung in Deutschland gefunden zu haben, darunter auch eine Reihe prominenter Politiker und Wissenschaftler.
Politische Beziehungen
Die politischen Beziehungen zwischen Griechenland und Deutschland sind von großer Übereinstimmung in internationalen Fragen (Rolle der Vereinten Nationen, Nahost, Irak, Afghanistan) und in den Grundsatzfragen der Europäischen Union geprägt. Der Staatsbesuch von Bundespräsident Rau im April 2000 in Griechenland und der Staatsbesuch des griechischen Staatspräsidenten Karolos Papoulias in Deutschland vom 18. bis 22. September 2006 brachten die guten deutsch-griechischen Beziehungen sichtbar zum Ausdruck. Regierungschefs und Minister treffen sich regelmäßig im EU-Rahmen. Ministerpräsident Karamanlis führte am 15. Februar 2006 in Berlin bilaterale Gespräche mit Bundeskanzlerin Merkel; am 20. Juli 2007 reiste Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Athen.
Auch neben der Regierungsebene gibt es eine Fülle von Kontakten, insbesondere zwischen Abgeordneten und Vertretern einzelner Behörden und gesellschaftlicher Organisationen. Den deutsch-griechischen Freundschaftsgruppen kommt für die Pflege der Beziehungen eine große Bedeutung zu. In Deutschland haben sich rund 50 deutsch-griechische Gesellschaften im Dachverband „Vereinigung der Deutsch-Griechischen Gesellschaften“ zusammengeschlossen.
Die Besetzung Griechenlands im 2. Weltkrieg und die dabei begangenen Verbrechen sind im Bewusstsein vieler Griechen noch präsent. Viele Opfergemeinden haben in den letzten Jahren deutsche Repräsentanten zu den Gedenkfeiern und anderen Anlässen eingeladen. Kultur- und Jugendprogramme tragen dazu bei, zukunftsorientiert zusammenzuarbeiten.
Wirtschaftsbeziehungen
Deutschland ist seit Jahren neben Italien Griechenlands wichtigster Handelspartner. 2008 erreichten die deutschen Warenausfuhren einen Wert von 8,3 Mrd. Euro. Zugleich ist Deutschland eindeutig wichtigster Kunde der griechischen Exporteure; annähernd 10 Prozent aller griechischen Exporte gingen nach Deutschland (1,9 Mrd. Euro / 2008). Das Gesamtvolumen des deutsch-griechischen Handels belief sich damit auf 10,2 Mrd. Euro.
Textilien, Erdölprodukte, Tabak, Olivenöl, Obst, Zement, Tomatenprodukte und Aluminium sind die wichtigsten Ausfuhrgüter Griechenlands. Zu den wichtigsten Einfuhrgütern aus Deutschland gehören Fahrzeuge, Maschinen und andere technische Erzeugnisse, Erdöl und Erdölprodukte, Nahrungsmittel sowie Rohstoffe.
Neben den USA, den Niederlanden und der Schweiz gehört Deutschland auch zu den wichtigsten Investoren in Griechenland. Derzeit sind rund 130 deutsche Unternehmen mit über 19.000 Beschäftigten und einem Gesamtumsatz von rund 6,9 Mrd. Euro (Stand: 2006) in Griechenland tätig. In den letzten Jahren sind Großprojekte wie die Athener Metro und der neue Athener Flughafen in Spata unter maßgeblicher Beteiligung deutscher Firmen erfolgreich durchgeführt worden. 2008 übernahm die Deutsche Telekom 25 Prozent des führenden griechischen Telekommunikationsunternehmens OTE.
Kulturelle Beziehungen
Enge kulturelle Verbindungen zwischen Griechenland und Deutschland bestehen seit dem Freiheitskampf der Griechen gegen die Osmanenherrschaft, der von den Philhellenen in Deutschland unterstützt wurde. Unter der Herrschaft von König Otto aus dem Hause Wittelsbach (1833-62) kamen zahlreiche deutsche – besonders bayerische - Wissenschaftler und Verwaltungsfachleute ins Land. Durch die bahnbrechenden Forschungen deutscher Altertumswissenschaftler, die Tätigkeit deutscher Ingenieure für die Entwicklung des Landes und die teilweise Orientierung am deutschen Recht ergaben sich auf wissenschaftlichem Gebiet starke Bindungen, die auch beide Weltkriege überdauert haben. Rund 40.000 Griechen haben ihre Berufsausbildung ganz oder teilweise in Deutschland absolviert. Jeder zehnte Grieche hat im Laufe seines Lebens einmal längere Zeit in Deutschland gelebt. Heute leben noch rund 320.000 Griechen in Deutschland.
Die Zweigstellen des Goethe-Instituts in Athen und Thessaloniki bereichern das kulturelle Angebot in den beiden Ballungszentren des Landes. Die ehemaligen Nebenstellen des Goethe-Instituts in Patras und Chania (Kreta) werden als so genannte "Goethe-Zentren" in privater Trägerschaft mit Schwerpunkt auf Sprachausbildung weitergeführt. Die Goethe-Institute in Griechenland nehmen weltweit die meisten Sprachprüfungen ab (über 26.900 im Jahre 2008).
Die Deutsche Schule in Athen mit deutscher und griechischer Abteilung (insgesamt rund 1.000 Schüler) blickt auf eine über 110-jährige Tradition zurück und genießt einen ausgezeichneten Ruf. Dasselbe gilt für die noch ältere Deutsche Schule in Thessaloniki.
Die 1874 gegründete Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Athen betreut bedeutende Ausgrabungen in Olympia, auf dem Kerameikos-Friedhof in Athen, in Kalapodi, auf der Insel Samos, in Tiryns (Peloponnes) sowie auf Aegina. Sie verfügt über eine umfangreiche Bibliothek von etwa 70.000 Bändern sowie eine Photothek mit 140.000 Aufnahmen. Vorträge und Veröffentlichungen des DAI finden in Fachkreisen große Beachtung.
Die germanistischen Abteilungen an den Universitäten Athen und Thessaloniki werden durch die Entsendung von Lektoren gefördert. Seit November 2004 unterhält der DAAD in Athen ein eigenes Informationszentrum, welches in den Räumen des Goethe-Instituts untergebracht ist und persönliche Beratungsgespräche zum Studien- und Forschungsstandort Deutschland anbietet. Über 1.000 griechische Studenten und Wissenschaftler haben in den letzten Jahrzehnten DAAD-Jahres- und Forschungsstipendien erhalten, knapp 300 Humboldt-Forschungsstipendien sind vergeben worden. In Athen tragen griechische Privatschulen (Ellinogermaniki Agogi, Erasmios sowie die Grundschulen Manta und Athener Schule) zur Verbreitung der deutschen Sprache bei. 5.643 Griechen studieren in Deutschland (Stand: 2008).
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.