Gambia
Wirtschaft
Stand: Oktober 2009
Grundlagen
Gambia besitzt keine Bodenschätze, die sich wirtschaftlich erschließen ließen - Landwirtschaft, Tourismus und Fischerei sind die Haupterwerbszweige des Landes.
Nach verschiedenen Quellen lag das Bruttoinlandsprodukt 2008 bei 625 Millionen Euro. Gambia zählt zu den ärmsten Ländern der Welt: Laut Angaben der Weltbank (2008) leben 61 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze.
Die binnenwirtschaftliche Lage hat sich in den letzten Jahren stabilisiert. Die jährliche Wachstumsrate ist von 4,5 Prozent in 2006 auf 6 Prozent in 2008 gestiegen Gestützt wird dieser Aufwärtstrend durch die positive Entwicklung des Tourismus-, Bau- und Telekommunikationssektors. Der Aufschwung ist jedoch für die meisten Gambier nicht spürbar. Insbesondere im Zusammenhang mit der Teilprivatisierung des staatseigenen Telekommunikationsunternehmens Gamtel/ Gamcel wurde der Nutzen für die Allgemeinheit hinterfragt. Weit verbreitete Armut und hoch verschuldete öffentliche Haushalte sind die größten Herausforderungen für die gambische Wirtschaftspolitik. Auch aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums von 2,7 Prozent (geschätzt 2009) ist das Wirtschaftswachstum nach wie vor zu gering, um die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern. Im „Human Development Index“ der VN belegt Gambia den 155. Platz von 177 Ländern, zählt damit aber nicht mehr zur VN-Kategorie der wenig entwickelten Länder.
Die große Abhängigkeit von Importen (darunter Kraftstoffe) macht Gambia sehr anfällig gegenüber externen Schocks. Die Tourismusbranche erwirtschaftet gute Gewinne, was zur Stabilisierung der nationalen Währung beiträgt. Dennoch stieg die Inflationsrate von 1,2 Prozent (2006) auf 8,0 Prozent im Jahr 2008. Im „Doing-Business-Report“ für 2010 konnte Gambia nur den 140. Platz von 183 Ländern belegen. Damit verschlechterte es sich im Vergleich zum Vorjahr um 5 Plätze.
Der IWF hat am 21.2.2007 einem dreijährigen PRGF-Programm (Armutsbekämpfungs- und Wachstumsfazilität) zugestimmt. In einem zweiten Review hierzu wurde besonders die Fiskaldisziplin der Regierung gelobt. Außerdem erreichte Gambia im Rahmen der HIPC (Heavily Indebted Poor Countries - hoch verschuldete arme Länder) Initiative im Dezember 2007 den Vollendungszeitpunkt. In ihrer aktuellen Armutsbekämpfungsstrategie (2. Fassung des Poverty Reduction Strategy Paper, PRSP) für den Zeitraum 2007 – 2011, wurden von der gambischen Regierung auch die Millennium Development Goals integriert. Im Oktober 2007 wurden Gambia von Deutschland gemäß der multilateralen Vereinbarung der Gläubiger des Pariser Clubs bilateral -Sonderkredit-Rückzahlungen erlassen. Die Weltbank erarbeitet eine neue Länderstrategie für Gambia für den Zeitraum 2008 – 2011. Bis September 2007 wurden Gambia von der Weltbank insgesamt 31 Kredite von insgesamt 296 Mio US-Dollar bewilligt.
Aktuelle wirtschaftliche Lage
Investitionen in Gambia können sich für einzelne Unternehmen in ausgewählten Sektoren durchaus lohnen. Das Investitionsklima leidet aber unter mangelnder Rechtssicherheit und der unzureichenden Infrastruktur (Strom, Wasser, Straßen). Das relativ gute Ergebnis (B-) der internationalen Rating-Agentur Fitch für die Bewertung der gambischen Ökonomie lässt aber nicht über die im Abschlussbericht aufgezählten Probleme außenwirtschaftlicher und währungstechnischer Art hinwegsehen. Die technische Kompetenz der Behörden und das Ausbildungsniveau der Arbeitskräfte sind niedrig. Die Lohn- und Grundstückskosten sind aber konkurrenzlos günstig. Der relativ moderne Hafen funktioniert gut und recht effizient. Deutsche Produkte genießen einen guten Ruf.
Der Internationale Währungsfonds wird 2009 ein Förderprogramm in Höhe von 3,1 Millionen US-Dollar finanzieren.
Bedingt durch die globale Wirtschaftskrise erlebt der Tourismus – einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Gambias – dramatische Einbrüche. So sank die Zahl der Übernachtungen im Juni 2008 um knapp 16 Prozent, im Mai 2009 waren es sogar 26 Prozent.
Außenhandel
Im Landwirtschaftssektor, in dem ca. 75 Prozent der Bevölkerung tätig ist und 29 Prozent des BIP erwirtschaftet werden, bleiben Transport und Vermarktung des wichtigsten Exportguts Erdnuss (Export 2005: 16,9 Mio US-Dollar) problematisch. Die seit Jahren vom IWF geforderte Privatisierung des staatlichen Erdnussvermarktungsunternehmens ist nicht umgesetzt.
Der zweite wichtige Sektor der gambischen Ökonomie ist der Tourismus. Im Zeitraum Oktober 2006 – September 2007 wird die Zahl der Touristen auf 140.554 geschätzt und bietet damit einen Auslastungsanstieg um fast 20 Prozent. Gambia ist regelmäßig auf der ITB präsent und führt ein Tourismus-Büro in Deutschland. Es gibt direkte Charterflüge von Frankfurt nach Banjul. Mittelfristig könnte sich der aktuell hohe Kurs des Dalassi zu Euro und Dollar nachteilig auswirken, der die Kaufkraft ausländischer Touristen in Gambia schwächt.
Für den europäischen Markt sind gambische Produkte mit Ausnahme von Fisch, für den ein Abkommen mit der EU existiert, und, in geringem Maße, Musikinstrumenten (größter Exportwert nach Deutschland), kaum interessant. Hauptimportland 2006 war für Gambia China mit 25 Prozent und Hauptexportland Indien mit 36,8 Prozent. Deutschland exportierte 2008 Waren im Wert von insgesamt 8 Mio. Euro nach Gambia, was einem Anteil von 0.001 Prozent am gesamten deutschen Außenhandel entspricht.
Seit Auslaufen des Cotonou-Abkommens am 31.12.2007 fällt der Handel Gambias mit der EU nunmehr unter die Präferenz-Kategorie „Alles außer Waffen“.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.