Finnland
Wirtschaftspolitik
Stand: Oktober 2009
Aktuelle wirtschaftliche Lage
Die Auswirkungen der intern. Finanz- und Wirtschaftskrise haben Ende 2008 Finnland in die schwerste Rezession seit der Banken- und Wirtschaftskrise zu Beginn der 1990er Jahre gestürzt. Nach Jahren des robusten Wirtschaftswachstums, Anstieg der Beschäftigtenzahl, Rückgang der Arbeitslosenquote und deutlichen Überschüssen der öffentlichen Haushalte müssen sich Staat und Wirtschaft nun auf (vorübergehend) harte Zeiten einstellen.
Die finnische Wirtschaft ist 2008 nur um real 0,9 Prozent gewachsen (186 Euro; Marktpreise). Dies ist das niedrigste Wirtschaftswachstum seit der Wirtschaftskrise zu Beginn der 1990er Jahre. Nach Angaben des Statistikamtes ist die Abschwächung des Wirtschaftswachstums vor allem auf die Entwicklung im 4. Quartal 2008 zurückzuführen, in dem das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,4 Prozent schrumpfte. Für die Jahre 2009 und 2010 erwartet die Regierung einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 5 Prozent bzw. um 1,5 Prozent.
Trotz Arbeitskräftemangel in einzelnen Sektoren der finnischen Wirtschaft (Baugewerbe, Maschinen- und Anlagenbau) und trotz Wirtschaftskrise hat die Zahl der Beschäftigten auch 2008 weiter zugenommen. Mit 2,531 Beschäftigten zum Jahresende 2008 (2007: 2,492 ) ist die Beschäftigungsquote auf 70,6 Prozent gestiegen (2007: 69,9 Prozent). Am Ende des dritten Quartals 2009 betrug sie nur noch 67,7 Prozent. Die Arbeitslosenquote in Finnland betrug im September 2009 7,3 Prozent (12/2008: 6,4 Prozent).
Wichtigste Wirtschaftszweige
Wichtigster Sektor der finnischen Wirtschaft ist der Dienstleistungsbereich (ca. 65, Prozent des ) mit knapp 70 Prozent der Erwerbstätigen, davon rund 46 Prozent im öffentlichen Dienst. Das Industrie- und Baugewerbe hat einen Anteil von 31 Prozent am BIP, Land- und Forstwirtschaft tragen etwa 2,9 Prozent bei.
Energiesektor
Aufgrund des Klimas und der energieintensiven Industrien ist der Energieverbrauch pro Kopf in Finnland überdurchschnittlich hoch. Finnland kann nur knapp die Hälfte seines Primärenergiebedarfs aus eigenen Quellen decken. Der Energiemix ist ausgewogen (35 Prozent Erdöl und Erdgas, 25 Prozent Erneuerbare Energien, 17 Prozent Kernkraft, 10 Prozent Kohle und 6 Prozent Torf).
Finnland verfügt über zwei Kernkraftwerke mit insgesamt vier Reaktorblöcken, die rund 17 Prozent des nationalen Energiebedarfs abdecken.
Der im Bau befindliche fünfte Kernreaktor, der voraussichtlich 2012 ans Netz gehen wird, ist auf 1.600 MW ausgelegt. In Anbetracht des sich abzeichnenden Engpasses in der Energieversorgung, der Verpflichtung, die Kyoto-Ziele einzuhalten und der Sicherstellung der Energieversorgung, wird derzeit bereits die Errichtung eines sechsten Reaktors diskutiert.
Finnland ist Mitglied des nordischen Stromverbundes und importiert netto fünf Prozent seines Strombedarfs. In Skandinavien wird Strom entscheidend durch Wasserkraftwerke gewonnen. In niederschlagsarmen Jahren muss während der Wintermonate verstärkt Kohle zur Stromerzeugung eingesetzt werden mit entsprechend negativen Folgen für die Klimabilanz. Finnland ist deshalb auf Dauer ein Nettobezieher von CO2-Emissionsrechten.
Umweltpolitik
Das im Bau befindliche neue Kernkraftwerk im westfinnischen Olkiluoto wird die finnische Schadstoffbilanz jährlich um rund 10 Tonnen CO2-Ausstoß entlasten und damit dem Kyoto-Ziel näher bringen. Finnland setzt auf Kernenergie, um die Belastung durch fossile Brennstoffe zu verringern. Dieses Argument war neben der Versorgungssicherheit und steigendem Energiebedarf ausschlaggebend für den Bau des neuen Kernkraftwerks.
An der Westküste Finnlands gibt es einen Windpark mit einer Leistung von 11,4 Megwatt. Die 24 finnischen Windkraftanlagen tragen allerdings nur 0,1 Prozent zur Deckung des finnischen Energiebedarfs bei. Finnland stellt sich dem herausfordernden Ziel der Erhöhung des Anteils Erneuerbarer Energien bis zum Jahr 2020 auf 38 Prozent. Dies soll auch durch eine Erhöhung der Nutzung sogenannter holzbasierter Energien, von Energie aus Abfallprodukten, Wärmepumpen, Biogas und einem Ausbau der Windenergie erreicht werden. Insbesondere der Anteil von Holzschnitzeln soll um das Zwei- bis Dreifache ansteigen. Bis zum Jahr 2020 soll die Windenergie deutlich ausgebaut werden. Insgesamt 6 Terawattstunden Energie sollen bis dahin aus Windenergie hergestellt werden, wozu mindestens 700 neue Windkraftanlagen errichtet werden müssen.
Außenhandel
Der finnische Außenhandel hat 2008 nur bei den Importen zugelegt. Nach Angaben der finnischen Zollverwaltung erreichte der gesamte Warenaustausch die Rekordhöhe von 127,6 Mrd. Euro (2007: 124,9 Euro). Die finnischen Exporte beliefen sich danach auf 65,5 Mrd. Euro (unverändert), die finnischen Importe auf 62,1 Mrd. Euro (+4 Prozent). Finnland hat etwa 70 Prozent seines gesamten Außenhandels mit europäischen Staaten abgewickelt. Der Anteil der EU-Staaten am finnischen Außenhandel betrug 2008 beim Import 55 Prozent (34,0 Mrd. Euro) und beim Export 56 Prozent (36,6 Mrd. Euro). Deutschland belegte mit einem Anteil von 12 Prozent am finnischen Außenhandel 2008 den zweiten Platz hinter Russland (13,9 Prozent) und vor Schweden (10 Prozent). Während Finnland im Handel mit EU-Staaten 2008 weiterhin einen Handelsüberschuss erzielt hat (2,64 Mrd. Euro) nahm das Handelsdefizit mit Ostasien, insbes. mit China (2,3 Mrd. Euro), leicht ab.
Nach Berechnungen des Finanzministeriums wird der Außenhandel 2009 sowohl auf der Ausfuhr- wie auf der Einfuhrseite deutlich abnehmen. Bis zum Jahresende wird mit einem Rückgang der finnischen Exporte um 17 Prozent und der finnischen Importe um 13 Prozent gerechnet.
Die wichtigsten Handelspartner Finnlands 2008 waren bei den Importen Russland, Deutschland, Schweden, China, Niederlande, Großbritannien, Frankreich, Italien, USA, bei den Exporten Russland, Schweden, Deutschland, USA, Großbritannien, Niederlande, Frankreich, Italien und China.
Nach Warengruppen der finnischen Exporte entfielen 2008 auf Rohstoffe und Produktionsgüter 43,1 Prozent, Investitionsgüter 39,1 Prozent, Energieprodukte 6,8 Prozent und Konsumgüter 10,9 Prozent. Bei den finnischen Importen entfielen auf Rohstoffe und Produktionsgüter 34,7 Prozent, Investitionsgüter 23,4 Prozent, Energieprodukte 17,7 Prozent und Konsumgüter 24,1 Prozent (2007).
Bilateraler Handel
2008 hat Russland erstmalig Deutschland als bedeutendster Handelspartner Finnlands sowohl bei den Exporten, als auch bei den Importen überholen können (Gesamtwarenaustausch Russland 17,75 Mrd. Euro; Deutschland: 15,26 Mrd. Euro).
Im ersten Halbjahr 2009 erlebte der finnische Außenhandel einen Einbruch um mehr als ein Drittel. Aufgrund des überdurchschnittlichen Rückgangs des Außenhandels mit Russland konnte Deutschland seine Position als größter Handelspartner wieder zurückgewinnen.
Nach Angaben der finnischen Zollverwaltung erreichte der gesamte Warenaustausch die Rekordhöhe von 127,6 Mrd. Euro (2007: 124,9 Mrd. Euro). Die finnischen Exporte beliefen sich danach auf 65,5 Mrd. Euro (0Prozent), die finnischen Importe auf 62,1 Mrd. Euro (+4Prozent). Finnland hat etwa 70 Prozent seines gesamten Außenhandels mit europäischen Staaten abgewickelt. Der Anteil der EU-Staaten am finnischen Außenhandel betrug 2008 beim Import 55Prozent (34,0 Mrd. Euro) und beim Export 56 Prozent (36,6 Mrd. Euro). Deutschland belegte mit einem Anteil von 12 Prozent am finnischen Außenhandel 2008 den zweiten Platz hinter Russland (13,9 Prozent) und vor Schweden (10 Prozent). Während Finnland im Handel mit EU-Staaten 2008 weiterhin einen Handelsüberschuss erzielt hat (2,64 Mrd. Euro) nahm das Handelsdefizit mit Ostasien, insbes. mit China (2,3 Mrd. Euro), leicht ab.
Nach Berechnungen des Finanzministeriums wird der Außenhandel 2009 sowohl auf der Ausfuhr- wie auf der Einfuhrseite deutlich abnehmen. Bis zum Jahresende wird mit einem Ruckgang der finnischen Exporte um 17 Prozent und der finnischen Importe um 13 Prozent gerechnet.
Die wichtigsten Handelspartner Finnlands 2008 waren bei den Importen Russland, Deutschland, Schweden, China, Niederlande, Großbritannien, Frankreich, Italien, USA, bei den Exporten Russland, Schweden, Deutschland, USA, Großbritannien, Niederlande, Frankreich, Italien und China.
Nach Warengruppen der finnischen Exporte entfielen 2008 auf Rohstoffe und Produktionsgüter 43,1 Prozent, Investitionsgüter 39,1 Prozent, Energieprodukte 6,8 Prozent und Konsumgüter 10,9 Prozent. Bei den finnischen Importen entfielen auf Rohstoffe und Produktionsgüter 34,7 Prozent, Investitionsgüter 23,4 Prozent, Energieprodukte 17,7 Prozent und Konsumgüter 24,1 Prozent (2007).
Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen
Finnland ist Mitglied in allen bedeutenden internationalen und europäischen Wirtschaftsorganisationen (WTO, OECD, IWF, Weltbank) und seit dem 1. Januar 1995 EU-Mitgliedstaat.
Staatshaushalt
Die finanzielle Situation des staatlichen Gesamthaushalts (Staat, Gemeinden, Sozialkassen) war bis zum Beginn der Finanzmarktkrise stabil. Insbesondere die hohen Überschüsse der Pensionsfonds sorgten für deutliche Überschüsse im Gesamthaushalt von 4-5 Prozent des BIP. Stabilität und Tragfähigkeit öffentlichen Haushalte (staatliche und kommunale Haushalte) bleiben weiterhin Ziel finnischen Finanzpolitik. Infolge der Abschwächung der Konjunktur und der staatlichen Stützungsmaßnahmen kommt es allerdings vorübergehend zur Verschlechterung des Finanzierungssaldos. Der strukturelle Überschuss im staatlichen Gesamthaushalt betrug 2008 noch 4,1 Prozent des BIP. Für 2009 erwartet die Regierung einen negativen Finanzierungssaldo von etwa 2 Prozent des BIP. Der staatliche Zentralhaushalt hat 2008 mit einem positiven Saldo von 0,8 Prozent abgeschlossen. 2009 hat er ein Volumen von 49 Mrd. Euro. Einnahmen von 41 Mrd. Euro stehen Ausgaben von über 49 Mrd. Euro gegenüber. Der Differenzbetrag von fast 9 Mrd. Euro ist kreditfinanziert.
Der positive gesamtstaatliche Haushaltssaldo der letzten Jahre ermöglichte der Regierung den weiteren Abbau der Staatsverschuldung. Die Schuldenquote der öffentlichen Haushalte ist 2008 auf 33,4 Prozent (EMU-Standard) gesunken. Ausgabenerhöhungen lassen die Staatsverschuldung in den nächsten Jahren auf 40 Prozent (2009) bzw. sogar auf 47 Prozent (2010) ansteigen.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.