Finnland
Kultur- und Bildungspolitik
Stand: Oktober 2009
Grundlinien der Bildungs- und Kulturpolitik
Die finnische Bildungs- und Kulturpolitik basiert auf den Prinzipien Wissen, Kreativität und berufliche Qualifikation. Oberstes Ziel ist die Stärkung Finnlands als eine der weltweit führenden Informationsgesellschaften. Die Maßnahmen umfassen die systematische Förderung des Lernumfeldes, wobei virtuelles und lebenslanges Lernen Schwerpunkte darstellen.
Ziele der Regierung unter Ministerpräsident Vanhanen im Bildungsbereich sind eine weitere Verbesserung der Qualität des Unterrichts an den Gesamtschulen (Klassenstufen 1–9), die Verminderung der Anzahl der Jugendlichen ohne Schul- und Berufsausbildung, die Erneuerung der beruflichen Erwachsenenbildung, um die berufliche Mobilität zu verbessern, die Gründung der „Innovationsuniversität“ (Technische Hochschule Espoo, Designhochschule Helsinki und Handelshochschule Helsinki) sowie die Erhöhung der Studentenbeihilfe um 15 Prozent.
Institutionen
Kultur und Bildung stützen sich in Finnland auf ein vorbildlich ausgebautes, sorgsam gepflegtes und flächendeckendes Netz von Institutionen und das Nebeneinander öffentlicher Förderung durch Staat und Kommunen. Bildung, Ausbildung, Musik und Kunst, die gesamte „kulturelle Infrastruktur“ des Landes bewegt sich auf hohem Niveau.
Für die Kulturpolitik ist das Unterrichtsministerium verantwortlich, ein Doppelministerium mit zwei Ministern. Henna Virkkunen (Nationale Sammlungspartei) leitet seit dem Dezember 2008 das Bildungsministerium mit den Bereichen Schule und Hochschulen. Stefan Wallin (Schwedische Volkspartei) übernahm im April 2007 als Kultusminister die Bereiche Kunst, Sport, Jugend.
Hochschulen/Fachhochschulen
Finnland verfügt über zehn Universitäten und zehn gleichgestellte Hochschulen (drei Handelshochschulen, drei technische Universitäten und vier Kunsthochschulen). Alle befinden sich in staatlicher Trägerschaft. Dazu kommt die dem Verteidigungsminister unterstellte Hochschule für Landesverteidigung. An den Hochschulen sind derzeit 165.000 Studenten immatrikuliert, 7.800 Hochschullehrer arbeiten dort. An den Fachhochschulen studieren zurzeit 133.000 Studenten bei 5.800 Lehrkräften.
Nach dem Willen der Regierung sollen die Universitäten künftig mehr finanzielle Autonomie bekommen. Derzeit erhalten alle 20 Hochschulen Finnlands eine Grundfinanzierung vom Staat (rund 64 Prozent der Gesamtfinanzierung), deren Höhe sich größtenteils aus den Abschlusszielen und absolvierten Abschlüssen errechnet. Mittelfristig möchte die Regierung die Zahl der Universitäten/Hochschulen auf 15 reduzieren.
Das weitgehend am deutschen Modell orientierte, seit 1990 aufgebaute Fachhochschulsystem mit hoher Praxisrelevanz der Lehrinhalte genießt die besondere Förderung der finnischen Regierung. Von insgesamt 30 Fachhochschulen in Finnland sind 28 dem Unterrichtsministerium unterstellt. Sie sind entweder in kommunaler oder privater Trägerschaft. Zudem gibt es die dem Innenministerium unterstellte Polizeifachhochschule und auf den Ålandinseln die „Högskolan på Åland“.
Schulsystem
Wie in Deutschland gilt auch in Finnland die allgemeine Schulpflicht. Zentrales Element des finnischen Schulsystems ist die verpflichtende Gesamtschule, die alle Kinder in den Klassenstufen 1–9 durchlaufen. Der Besuch der einjährigen Vorschule für Kinder ab sechs Jahren ist freiwillig. Nach Abschluss der neunjährigen Gesamtschule besuchen 55 Prozent der Schülerinnen und Schüler die gymnasiale Oberstufe (Gymnasium Sekundarstufe II, Klassenstufen 10–12) und 40 Prozent eine dreijährige berufsbildende Schule.
In Finnland besuchen etwa 600.000 Schülerinnen und Schüler die rund 3.500 Gesamtschulen, die sich ganz überwiegend in Trägerschaft der Städte und Gemeinden befinden. Fast die Hälfte der Gesamtschulen hat weniger als 100 Schüler.
Die Dauer des Schuljahres beträgt 190 Schultage. Auch nach der Veröffentlichung der zweiten sog. PISA-Studie (eines Leistungsvergleichs von Schülern aus allen OECD-Staaten) im Dezember 2007 bleibt Finnland bevorzugtes Ziel zahlreicher Delegationen aus aller Welt, insbesondere aus Deutschland, die sich ein Bild vom finnischen Schulsystem machen wollen. Die Gründe für das glänzende Abschneiden der finnischen Schüler in der PISA-Studie sehen Experten im finnischen Gesamtschulsystem, in der Dezentralisierung der Schulverwaltung und der damit einhergehenden methodischen Eigenverantwortlichkeit der Schulen bei der Erreichung zentral vorgegebener Lernziele, in der kleineren Schulgröße, im vergleichsweise hohen gesellschaftlichen Ansehen der Lehrer und der individuellen Förderung schwächerer Schüler innerhalb der Schulen.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.