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Landesflagge Finnland
Beziehungen zu Deutschland

Stand: Oktober 2009

Politische Beziehungen

Zwischen Deutschland und Finnland bestehen seit der Hansezeit und der Reformation historische, kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen. Nach Zugehörigkeit zum Schwedischen Königreich bis 1809 und anschließend zu Russland als autonomes Großfürstentum hatte das Deutsche Reich 1917 an der Loslösung Finnlands von Russland und der anschließenden Unabhängigkeit wesentlichen Anteil.

Die traditionell guten Beziehungen konnten nach dem Zweiten Weltkrieg im wirtschaftlichen und kulturellen Bereich bald wiederhergestellt werden. Die diplomatischen Beziehungen zwischen Finnland und den beiden deutschen Staaten wurden formell aber erst nach deren Beitritt zu den Vereinten Nationen am 7. Januar 1973 wieder aufgenommen.

Finnland räumt den finnisch-deutschen Beziehungen einen hohen Stellenwert ein. Dies zeigt sich auch in zahlreichen Konsultationen im politischen wie im wirtschaftlichen und kulturellen Bereich. Gute persönliche Kontakte bestehen auf allen politischen Ebenen. Außenminister Alexander Stubb absolvierte im Juni 2008 einen Antrittsbesuch in Berlin. Bundesminister Frank-Walter Steinmeier hielt sich anlässlich des Ministerrats der am 4. Dezember 2008 in Helsinki auf. Ministerpräsident Matti Vanhanen traf während der Vorbereitungen zu den aufeinanderfolgenden finnischen und deutschen EU-Präsidentschaften 2006/2007 unter anderem am 9. Mai 2006 mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin zusammen. Die Bundeskanzlerin absolvierte einen Gegenbesuch am 19. Dezember 2006 anlässlich der „Stabübergabe“ der EU-Präsidentschaft von Finnland an Deutschland in Helsinki. Höhepunkte der Besuchsdiplomatie waren der Staatsbesuch von Bundespräsident Johannes Rau in Finnland vom 10. bis 12. September 2001 sowie der Staatsbesuch von Staatspräsidentin Tarja Halonen vom 2. bis 5. Mai 2007 in Deutschland.

Zwischen den Parlamenten beider Länder bestehen auf Bundes- wie auf Landesebene gute Kontakte. Die Deutsch-Nordische Parlamentariergruppe im Deutschen Bundestag unterhält langjährige Beziehungen zur Finnisch-Deutschen Parlamentariergruppe im finnischen Parlament. Parlamentspräsident Sauli Niinistö besuchte den Deutschen Bundestag im Juli 2009 auf Einladung des Präsidenten des Deutschen Bundestages, Norbert Lammert.

Wirtschaftliche Beziehungen

Deutschland war bis 2007 sowohl bei der Ein- wie bei der Ausfuhr Finnlands wichtigster Handelspartner. 2008 hat Russland Deutschland auf den zweiten Platz beim gesamten Warenaustausch verweisen können. Das Volumen des finnischen Handels mit Russland belief sich auf insgesamt 17,7 Mrd. Euro, das Volumen des Handels mit Deutschland auf 15,25 Mrd. Euro. Die finnische Statistik verzeichnete für 2008 deutsche Einfuhren nach Finnland von 8,7 Mrd. Euro und finnische Ausfuhren nach Deutschland von 6,5 Mrd. Euro, woraus sich ein deutscher Handelsüberschuss von 2,15 Mrd. Euro ergibt. 85 Prozent der importierten Güter erreichen Finnland auf dem Seeweg, dabei kommt den deutschen Seehäfen Hamburg, Rostock und Lübeck eine Schlüsselrolle zu.

Deutschland ist ein Hauptzielland für finnische Investitionen. Seit 1985 haben finnische Unternehmen über 10 Mrd. Euro in Deutschland investiert. Direktinvestitionen deutscher Unternehmen in Finnland beliefen sich bis Ende 2008 auf 2,5 Mrd. Euro. Etwa 450 finnische Firmen haben in Deutschland investiert, vor allem die schon gut in Deutschland vertretene Papierindustrie (darunter Stora Enso mit Sachsenpapier in Eilenburg und UPM-Kymmene Oyj mit der Akquisition von Haindl-Papier in Augsburg). Die Aktivität deutscher Unternehmen in Finnland hat in den letzten Jahren zugenommen: Die Firma Valmet Automotive baut in Uusikaupunki an der finnischen Westküste für Porsche einen großen Teil der Produktion des Modells Boxster und Cayman. In den letzten Jahren sind immer mehr Einzelhandelsunternehmen (Lidl, Bauhaus) in Finnland aktiv und erfolgreich. Der Discounter Lidl ist mittlerweile mit über 110 Filialen in Finnland präsent und hat mit seinem preisgünstigen Warenangebot dazu beigetragen, dass die Lebensmittelpreise in Finnland insgesamt gesunken sind. 2007 hat die Baumarktkette Bauhaus ihren vierten Baumarkt in Finnland eröffnet.

In Ergänzung zu den beiden bestehenden Kernkraftwerken in Olkiluoto und Loviisa (mit je zwei Kraftwerksblöcken) errichtet das deutsch-französische Gemeinschaftsunternehmen AREVA NP (34 Prozent Siemens) derzeit das fünfte Kernkraftwerk in Olkiluoto mit einer Leistung von 1.600 MW. Die Grundsteinlegung erfolgte im September 2005. Vom französischen Partner stammt die Atomtechnologie, Siemens ist für die Turbinentechnik verantwortlich. Es handelt sich um einen Atomreaktor der dritten Generation, einem sogenannten Europäischen Druckwasserreaktor (EPR). Die Kosten des Kraftwerksneubaus belaufen sich auf etwa 3 Mrd. Euro, die zu über 75 Prozent über Kredite finanziert wurden. Der Bau ist die größte jemals in Finnland getätigte Einzelinvestition.

Eine Deutsch-Finnische Handelskammer besteht seit 1978. Die Sitzungen des deutsch-finnischen Regierungsausschusses für EU- und Wirtschaftsfragen finden seit 1960 im jährlichen Rhythmus statt.

Kulturelle Beziehungen

Die Einflüsse der auf jahrhundertealte Traditionen gegründeten finnisch-deutschen Beziehungen sind auch heute noch insbesondere in Wissenschaft, Kultur und im Rechtswesen spürbar, obwohl die deutsche Sprache seit etwa 1960 ihre führende Stellung an das Englische verloren hat.

Die Förderung des Deutschunterrichts an finnischen Schulen wird durch die zentrale finnische Schulbehörde aktiv unterstützt. Ein weiteres vorrangiges Anliegen deutscher Kulturpolitik in Finnland bildet die Werbung für den Studienstandort Deutschland, die in enger Kooperation mit den deutschen Hochschulen erfolgt. Die Fördermaßnahmen von (Deutscher Akademischer Austauschdienst), PAD (Pädagogischer Austauschdienst), Alexander von Humboldt-Stiftung und anderer Mittlerorganisationen werden - angesichts der auch in Finnland bestehenden Sparzwänge bei Schulen, Hochschulen, Museen und Kulturzentren - besonders dankbar entgegengenommen.

Zum regen Kulturaustausch trägt - trotz erheblicher Einschnitte in seinem Budget - das Goethe-Institut Finnland mit Sitz in Helsinki bei. Wichtige Pfeiler der Kulturbeziehungen sind zudem die Deutsche Schule Helsinki sowie die Deutsche Bibliothek Helsinki, die beide 2006 ihr 125-jähriges Jubiläum begangen haben, die Deutsche Evangelisch-Lutherische Gemeinde in Finnland (die 2008 ihr 150-jähriges Bestehen gefeiert hat), die drei -Lektoren und die germanistischen Abteilungen der finnischen Universitäten.Das Netz des nicht-staatlichen Kulturaustauschs ist dicht. Neben zahlreichen Besuchen und Direktkontakten zwischen Künstlern und Wissenschaftlern beider Staaten verwirklichen die mehr als 30 finnisch-deutschen Vereine in Finnland sowie die ca. 80 Gruppen der Deutsch-Finnischen Gesellschaft in Deutschland und das Finnland-Institut in Berlin vielfältige kulturelle Austauschprogramme. Die Deutsch-Finnische Gesellschaft ist die drittgrößte bilaterale Vereinigung ihrer Art in Deutschland. Hinzu kommen die rund 80 Städte- und Kommunalpartnerschaften, die sich unter anderem für den Schüler- und Jugendaustausch einsetzen. Deutschland bleibt nach wie vor für finnische Studenten beliebter Studienstandort.



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