Fidschi
Wirtschaftspolitik
Stand: Dezember 2009
Wirtschaftslage und Wirtschaftsstruktur
Gemessen am Pro-Kopf-Einkommen zählt Fidschi zu den wohlhabendsten Inselstaaten in der Pazifikregion. Die Volkswirtschaft ist marktwirtschaftlich orientiert. Aufgrund seiner extremen Exportabhängigkeit ist das Land am Freihandel und am Abbau protektionistischer Zollschranken interessiert. Fidschi verfügt mit Vorkommen an Gold, Silber und Erzen über einige Bodenschätze. Der wichtigste Wirtschaftszweig ist der Tourismus- und Dienstleistungssektor mit bis zu 500.000 Besuchern jährlich. Für den Inselstaat ist der Fremdenverkehr nach wie vor eine Wachstumsbranche und nimmt von Jahr zu Jahr zu, wenngleich es durch die politische Lage immer wieder zu starken Schwankungen bei den Besucherzahlen kommt. Neben dem Tourismus bildet die Zuckerindustrie die Haupteinnahmequelle von Fidschi. Weitere Bedeutung haben die Gewinnung von Golderzen und die Textilindustrie.
Der Putsch vom 06. Dezember 2006 hat sich sehr nachteilig auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes ausgewirkt. Am stärksten war die Tourismusbranche betroffen: Reisewarnungen vieler Länder führten dazu, dass die Touristen in großer Zahl ausblieben. Es wird geschätzt, dass die Zahl der Übernachtungen um 6% zurückging. Im Januar 2008 gab die fidschianische Hotelvereinigung die Einnahmeverluste durch die Unruhen mit 95 bis 128 Mio. US-Dollar an.
Fidschi verfügt über eine eigene Währung (Fidschi-Dollar), deren Stabilität von einer Zentralbank (Reserve Bank of Fiji) kontrolliert wird. Der reale Wechselkurs gegenüber den Weltleitwährungen ist stabil. Die monetäre Politik der Zentralbank ist im Prinzip auf Inflationsbekämpfung ausgerichtet, wurde aber wiederholt unter Inkaufnahme von Inflation zur Stimulierung der Gesamtnachfrage eingesetzt. Die Inflationsrate steigt und fällt mit der politischen Lage im Land. In den letzten Jahren schwankte die Geldentwertung zwischen 2 und 5%. Nach dem Putsch von 2006 sprang die Inflationsrate von 2,5 (2006) auf 4,8% (2007) und stieg im Septemberquartal 2008 auf 9,9%. Im Dezember 2008 fiel die Inflationsrate auf 6,6%.
Das Haushaltsdefizit für das Jahr 2009 wird auf 3% des BIP geschätzt und die Staatsverschuldung soll im Jahr 2009 auf 47,9% des BIP steigen.
Die wirtschaftliche Lage entwickelt sich aufgrund der Flutkatastrophe zu Beginn des Jahres 2009 und auch vor dem Hintergrund der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise negativ, zudem sind ausländische Investoren aufgrund der ungewissen innenpolitischen Entwicklung Fidschis sehr zurückhaltend.
Wichtigste Wirtschaftszweige
Die bedeutendsten Wirtschaftszweige - neben dem Tourismus - sind die Zuckerindustrie, die Gewinnung von Golderzen und die Textilindustrie. Daneben werden andere landwirtschaftliche Produkte wie Fisch, Kopra und tropische Hölzer gewonnen.
Die Zuckerindustrie ist schon seit einiger Zeit infolge von Ineffizienz, veralteten Verarbeitungsstrukturen und mangelnden Investitionen in neue Plantagen und Infrastruktur in Schwierigkeiten. Mit einer weiteren Verringerung der Produktion und eingeschränkter Konkurrenzfähigkeit ist in den nächsten Jahren zu rechnen. Zudem hat die Europäische Gemeinschaft am 01.10.2007 ihre Mittelzuweisung für den fidschianischen Zuckersektor und die weitere Durchführung und Finanzierung von Programmen nach dem EEF ( Europäische Entwicklungsfond) ausgesetzt. Die Folge dürfte ein starker Rückgang der Einnahmen aus den Zuckerexporten sein, zumal ein durch die fidschianische Regierung im April 2003 angekündigter Restrukturierungsplan zur Kostensenkung der Zuckerproduktion wegen Unstimmigkeiten der beteiligten Interessenvertreter bisher nicht umgesetzt wurde.
Außenwirtschaft
Die wichtigsten Exportgüter sind Zucker, Mineralwasser, Textilien, Fisch, Gold und tropische Hölzer. Das Gesamtvolumen der Exporte betrug im Jahr 2007 1.202 Mio. FIJ-Dollar, die Importe hingegen 2.980 Mio. FIJ-Dollar.
Fidschi importiert vornehmlich Nahrungsmittel, Treibstoffe, Chemikalien, Industriegüter, Fahrzeuge und Maschinen. Die Wirtschaft ist insgesamt noch wenig industrialisiert und stark vom Primärsektor abhängig. Die Abhängigkeit von Weltmarktpreisen für natürliche Rohstoffe stellt daher eine konkrete Gefahr für die Wirtschaft dar. Nennenswerte Beschränkungen des Außenhandels bestehen nicht.
Wichtigste Handelspartner sind Australien, Neuseeland, Großbritannien, USA, Japan, Singapur, Volksrepublik China, Thailand und Tonga.
Die Handelsbilanz Fidschis weist seit Jahren ein negatives Saldo auf.
Mitgliedschaft in Wirtschaftsorganisationen
Fidschi ist unter anderem Mitglied der WTO und der ADB. Das Land ist Mitglied verschiedener pazifischer Handelsabkommen, wurde jedoch am 13. Juli 2009 bis auf weiteres vom Forum der pazifischen Inseln suspendiert. Fidschi nimmt zusammen mit 14 anderen Ländern der Region an den im September 2004 begonnenen Verhandlungen mit der EU zu einem Economic Partnership Agreement teil (Nachfolger der Lomé/Cotonou-Abkommen).
Ausblick: Bestimmungsfaktoren der wirtschaftlichen Entwicklung
Strategisches Ziel der Wirtschaftspolitik ist nach wie vor die Armutsbekämpfung mittels wirtschaftlichen Wachstums. Gleichzeitig soll durch verminderte Staatsausgaben das Haushaltsdefizit zurückgeführt werden. Ausländische Investoren verhalten sich derzeit abwartend. Daher bleibt Fidschi nach wie vor vom Export seiner traditionellen Produkte und vor allem von der Tourismusindustrie abhängig.
Die Regierung propagiert mittelfristig ein Wirtschaftswachstum von 5%. Dies wird freilich nur dann erreichbar sein, wenn die tragenden Sektoren Tourismus und Export dazu in überproportionalem Maß beitragen sowie eine strengere Kreditdisziplin bei der Finanzierung der Staatsausgaben befolgt wird.
Die Zentralbank Fidschis hat am 15. April 2009 den Fidschi Dollar um 20% abgewertet, um die Tourismusbranche und das Exportgeschäft anzukurbeln.
Verkehrswesen
Fidschi ist mit seinen beiden internationalen Flughäfen Suva und Nadi ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt im Südpazifik. Insgesamt verfügt das Land über 28 Flughäfen (4 asphaltiert, 24 nicht-asphaltiert).
Die inländischen Fluggesellschaften Air Fiji und Sun Air verbinden dabei rund 20 Orte. Außerdem bestehen zwischen einigen Inseln Hubschrauberflugverbindungen. Air Pacific (neben der fidschianischen Regierung ist Qantas Anteilseigner) fliegt Australien, Neuseeland, Japan und die USA an. Eine Ausdehnung nach Europa - zunächst durch Code-Sharing - wird angestrebt. Vom Flughafen Nadi aus bestehen internationale Flugverbindungen in alle Welt. Von Suva aus gibt es Direktverbindungen unter anderem nach Australien, Neuseeland, Tonga und Tuvalu.
Zu den kleineren Inseln bestehen unregelmäßige Schiffsverbindungen. Die internationalen Häfen sind Suva (Haupthafen), Lautoka (besondere Bedeutung für den Zuckertransport) und Levuka. Als Inselstaat ist Fidschi auf seine drei wichtigsten Häfen für Import, Export, regionalen Fracht- und Passagierverkehr in großem Maß angewiesen.
Das Eisenbahnnetz umfasst über 800 km Schienenlänge, dient jedoch nur dem Frachtverkehr (Zuckerrohrtransport). Daneben verfügt Fidschi über ein relativ gut ausgebautes Straßennetz von etwa 3.400 km, knapp die Hälfte ist asphaltiert.
Umweltbedingungen
In Fidschi herrschen noch relativ gute Umweltbedingungen, wobei allerdings die wachsende Bevölkerungsdichte hauptsächlich in den Zentren Suva und Nadi zunehmend Belastungen mit sich bringt. Insbesondere bei der Wasserversorgung kommt es immer wieder zu Problemen. Zum einen wegen wiederkehrender Trockenperioden mit Wasserknappheit, zum anderen, weil die Leistung der überalterten Pumpen nicht mit der hohen Bevölkerungsdichte in den Städten Schritt hält. Bei der Wasserverteilung werden in vielen Orten Hotels gegenüber der Bevölkerung bevorzugt. In etlichen Küstengebieten herrscht deshalb besondere Wasserknappheit.
Zunehmend werden Maßnahmen zum Schutz von Korallenriffen ergriffen. Das „Great Astrolabe Reef“, eines der größten Riffe der Welt, wurde 2007 zum Meeresschutzgebiet erklärt.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.