Estland
Beziehungen zu Deutschland
Stand: März 2010
Politische Beziehungen
Deutschland hat am 28. August 1991, acht Tage nach Wiedererlangung der estnischen Unabhängigkeit, wieder diplomatische Beziehungen zu Estland aufgenommen. Die bilateralen Beziehungen haben sich seither sehr positiv entwickelt. Der politische Dialog ist vertrauensvoll und intensiv. Ein Netzwerk von Kontakten auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene sowie private Initiativen geben den Beziehungen eine breite gesellschaftliche Basis.
Zu den Höhepunkten des Besuchsaustauschs gehörten Besuche von Bundespräsident Köhler im November 2004 und Juni 2005, Außenminister Steinmeier im Juli 2007, Bundeskanzlerin Merkel im August 2008 sowie der Kurzbesuch von Bundesaußenminister Westerwelle im Januar 2010. Des Weiteren traf Staatspräsident Ilves (im Amt seit Oktober 2006) im Februar 2007 mit Bundespräsident Köhler und Bundeskanzlerin Merkel zusammen. Die beiden Präsidenten trafen sich auch am 23. Oktober 2008 in Berlin. Staatspräsident Ilves und Ministerpräsident Ansip nahmen am 9. November 2009 an den Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls teil, Präsident Ilves traf im Januar 2010 mit Bundespräsident Köhler in Berlin zusammen. Im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft fanden mehrere Treffen zwischen Ministerpräsident Ansip und Bundeskanzlerin Merkel statt. Zuletzt besuchte Außenminister Paet im Juli 2008 Berlin.
Regelmäßige Reisen von Bundestagsabgeordneten und hochrangigen Vertretern der deutschen Ministerialverwaltung unterstreichen die Bedeutung, die Estland für die deutsche Außenpolitik hat.
Im März 2010 weilte der Auswärtige Ausschuss des estnischen Parlaments in Berlin zu Gesprächen mit dem Auswärtigen Ausschuss des Bundestags und Vertretern der Bundesregierung.
Die Bundesländer sowie die Partnerstädte und -kreise Estlands in Deutschland tragen zur Vertiefung der deutsch-estnischen Beziehungen bei. Vertreter der Landesregierungen und Länderparlamente kommen regelmäßig zu Gesprächen nach Estland.
Wirtschaftsbeziehungen
Deutschland ist nach Finnland, Schweden und Russland einer der wichtigsten Handelspartner Estlands. Der Außenhandelsumsatz zwischen Estland und Deutschland 2009 betrug 1,51 Milliarden Euro. Mit einem Anteil von zehn Prozent am Importvolumen ist Deutschland nach Finnland und Litauen drittstärkster estnischer Importpartner (Importe aus Deutschland 2009: ca. 761 Millionen Euro).
Als Zielland für Exporte liegt Deutschland auf dem fünften Platz mit etwa sechs Prozent der estnischen Exporte (Exporte nach Deutschland 2009: 390 Millionen. Euro). Das wichtigste Exportzielland ist Finnland (18 Prozent der estnischen Exporte).
In Estland sind etwa 430 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung registriert. Direkter Ansprechpartner der deutschen Wirtschaft ist die Deutsch-Baltische Handelskammer.
Zum 31.12.2009 betrug der deutsche Anteil aller ausländischen Direktinvestitionen in Estland (insgesamt: 11,3 Milliarden Euro) 1,2 Prozent (140,4 Millionen Euro). Deutschland steht damit auf Platz 13 der ausländischen Direktinvestitionen in Estland. Größter ausländischer Direktinvestor ist Schweden mit etwa vier Milliarden Euro (39,7 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen in Estland). Der Großteil der ausländischen Direktinvestitionen konzentriert sich auf die Branchen Finanzdienstleistungen, Immobilien sowie Transport und Kommunikation.
Kulturelle Beziehungen
Die kulturelle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Estland ist historisch gewachsen; die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen gehen auf die Hanse zurück, der Einfluss des deutschbaltischen Adels währte 700 Jahre. Die starke Stellung der deutschen Sprache bis Mitte der 1990er Jahre sowie der Einfluss deutscher Denkweisen auf die estnische Geistesgeschichte haben maßgeblich dazu beigetragen, dass die kulturellen Bande zwischen Esten und Deutschen auch während der Zeit der sowjetischen Besatzung nie abgerissen sind.
Nach Wiederherstellung der estnischen Unabhängigkeit im Jahre 1991 haben sich die kulturellen Beziehungen weiter intensiviert. Sie werden von der Botschaft, zahlreichen deutschen Mittlerorganisationen (wie Alexander-von-Humboldt-Stiftung und Robert-Bosch-Stiftung), anderen Nichtregierungsorganisationen sowie deren estnischen Partnern mit Leben erfüllt. Schwerpunkte der kulturellen Zusammenarbeit sind die Förderung der deutschen Sprache, die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Wissenschaften und Hochschulen sowie die Kulturprogramme des Deutschen Kulturinstituts/ Goethe-Instituts in Tallinn und des Deutschen Kulturinstituts in Tartu.
Hinweis
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