Eritrea
Wirtschaft
Stand: Oktober 2009
Eritrea gehört mit einem Bruttoinlandsprodukt von 1,4 Milliarden US Dollar (pro Kopf 279 US Dollar in 2008) zu den ärmsten Ländern der Welt. Es nimmt unter 182 Staaten den 165. Platz ein (Human Development Index des UNDP, 2009). Der Grenzkrieg mit Äthiopien (1998-2000), wiederkehrende Dürreperioden und die auf zentrale Planung und Lenkung ausgerichtete Wirtschaftspolitik haben der eritreischen Volkswirtschaft schweren Schaden zugefügt.
Die Regierung veröffentlicht keine Wirtschaftsdaten. Nach Angaben des IWF betrug im Jahr 2008 das BIP rund 1,4 Mrd. US-Dollar (geschätzt) und die Inflationsrate mindestens 11 Prozent. 2006 wurden Einfuhren von 556,67 Mio. US Dollar sowie Ausfuhren von 68,43 Mio. US-Dollar getätigt, was zu einem Handelsbilanzdefizit von 488,24 Mio. US Dollar führte. Die Außenverschuldung betrug laut IWF 2006 717,22 Mio US Dollar.
Deutschland importierte im Jahr 2007 Produkte im Wert von 36,2 Mio. Euro (2006: 0,223 Mio. Euro) und exportierte Waren im Wert von 12 ,8 Mio. Euro (2006: 10,223 Mio. Euro).
Neben einer Armee von mindestens 300.000 Mann muss nach dem Wehrdienst eine nationale Dienstpflicht abgeleistet werden. Daher steht die Bevölkerung für den Aufbau des Landes nur eingeschränkt zur Verfügung. Etwa 80 Prozent der Bevölkerung sind in landwirtschaftlichen Kleinstbetrieben tätig. Die Erträge sind klimabedingt gering. Auch in besten Jahren hat Eritrea nicht mehr als 60 Prozent der für die Ernährung der Bevölkerung benötigten Nahrungsmittel selbst produzieren können. Die Landwirtschaft soll 2007 ca. 23 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt, Dienstleistungen ca. 55 Prozent und die Industrie ca. 22 Prozent beigetragen haben.
Zahlreiche ausländische Firmen haben in den letzten Jahren an der eritreischen Küste Öl- und Gasexplorationen durchgeführt. Erste Verträge zur Exploration wurden bereits abgeschlossen.
Eritrea verfügt über große Bodenschätze (Kupfer, Gold, Zink, Silber), deren industrielle Ausbeutung durch ein eritreisch-kanadisches Konsortium 2010 beginnen soll.
Daneben besitzt das Land Barit- (1,4 Mio t), Feldspat- (200,000 t), Kaolin (2,5 Mio t), Pottasche-, Salz-, Gips-, Granit- und Asbestvorkommen. Außerdem verfügt Eritrea über große Mengen an Marmor, der von hoher Qualität ist und dessen Export nach Europa und den mittleren Osten von der Regierung gefördert wird.
Auf einer Küstenlänge von über 1000 Kilometern gibt es reiche, zunehmend von ausländischen Fangflotten befischte Fischfanggründe. Hochwertige Arten wie Garnelen, Hummer und Krebse stellen ein beträchtliches, aber bisher kaum genutztes Potenzial dar. 2006 betrug die Produktion bei einem max. Ertrag von 80.000 t pro Jahr nur 12.000t.
Die Bauwirtschaft trägt seit 1997 ca. 10 Prozent zum BIP bei und wird nach einem Verbot der privaten Bauindustrie im Jahr 2006 ausschließlich von Partei- oder Staatsfirmen dominiert.
Der eritreische Finanzsektor besteht aus der eritreischen Zentralbank (National Bank of Eritrea, NBE), der Commercial Bank of Eritrea (CBE), der Housing and Commerce Bank of ERI (HBCE), der Agricultural and Industrial Bank of Eritrea, der Eritrean Investment and Development Bank (EIDB) und der National Insurance Corporation of Eritrea (NICE). Alle Institutionen gehören der PFDJ (Regierungspartei), wobei 2004 im Zuge der angestrebten Privatisierung 60 Prozent der NICE Anteile an eritreische Investoren verkauft wurden. Momentan sind keine ausländischen Banken in Eritrea tätig, obwohl die CBE Kontakt mit rund 40 internationalen Banken unterhält. Der Wechselkurs beträgt derzeit 1 Euro = ca. 23,- Nakfa und 1 US-Dollar = 16,- Nakfa (von der Regierung festgelegter Kurs).
Nahrungsmittel und Vieh dominieren die eritreischen Exporte, deren Anteil an den Gesamtexporten von 1997 bis 2002 von 21 Prozent auf 73 Prozent zugenommen hat. Daneben werden Textilien und nur wenige Industriegüter ausgeführt.
Hauptimportgüter sind Maschinen, Fahrzeuge, Lebensmittel, Fertigerzeugnisse, Chemikalien und chemische Produkte.
Trotz Freihandelszonen in den Hafenstädten Massawa und Assab gibt es kaum ausländische Investitionen. Daran hat bisher auch eine am 12.4.2007 verkündete Verordnung zum Schutz ausländischer Großinvestitionen (ab 20 Mio. US Dollar) nichts geändert.
Der Tourismus ist bisher nur wenig entwickelt (2006 78.000 ausländische Besucher, davon 79 Prozent Auslandseritreer; Einnahmen 2006: 60 Mio. US-Dollar).
Schwerpunkte des Infrastrukturprogramms 2008 sind der Straßenbau, der Landwirtschaftssektor, die Elektrifizierung und der Bau- und Sozialsektor.
Die Regierung plant langfristig außerdem, die nach dem Krieg mit Äthiopien von Massawa bis nach Asmara wiederaufgebaute Eisenbahnlinie, die bisher allerdings nur touristisch genutzt wird, bis zur sudanesischen Grenze auszubauen.
Die Umweltszerstörung ist besorgniserregend. Der Klimawechsel, besonders häufige und langanhaltende Dürreperioden oder heftige Regenfälle in den Sommermonaten, sowie der Befreiungskampf gegen Äthiopien haben der Umwelt schwere Schäden zugefügt. Weitere, die Umwelt belastende Faktoren sind das hohe Bevölkerungswachstum, die im Land herrschende Armut, die traditionellen Methoden der Landbewirtschaftung und Fehler in der Umweltpolitik in der Vergangenheit. Folge sind Bodenerosion, Ausbreitung der Wüste, Entwaldung (57 Prozent des Energieverbrauchs werden durch Feuerholz gedeckt), Erschöpfung der Wasserreserven, Beeinträchtigung der Ökosysteme und der Biodiversität.
Die Regierung misst der Umweltpolitik daher große Bedeutung bei, wenn auch ihre Möglichkeiten zu Verbesserungen beschränkt sind. Die Umweltpolitik hat das Ziel, nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum und Entwicklung des Landes mit Umweltschutz zu vereinbaren.
Das wohl größte Umweltproblem in Eritrea ist die Degradation des Bodens. Die Regierung hat Schritte unternommen, um diesen Trend umzukehren, so durch die Mobilisierung der Bevölkerung bei der Boden- und Wasserkonservierung. Dem Aufbau dezentraler Wasserversorgungssysteme und der Wiederaufforstung des Landes werden große Aufmerksamkeit geschenkt („National Greening Campaign“). Obwohl von 1992 bis 2005 landesweit 80 Mio. Setzlinge gepflanzt wurden, sind erst ca. 2 Prozent der Landes wieder bewaldet.
Im Januar 2007 hat die Regierung ein integriertes Küstenentwicklungsprogramm beschlossen, durch das das maritime Ökosystem und die natürlichen Ressourcen des Roten Meeres in Anbetracht der zunehmenden Fischerei bewahrt und weiterentwickelt werden sollen.
Die Regierung hat begonnen, die Effekte des Klimawandels in Eritrea zu untersuchen.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.