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Landesflagge Chile
Wirtschaft

Stand: März 2010

Die Wirtschaft Chiles

Seit dem 19. Jahrhundert profitiert Chile von seinen natürlichen Rohstoffen. Zunächst beherrschte der Salpeterabbau die Exporterlöse, doch längst sind der Kupferabbau und die Verarbeitung zu hochreinem Kupfer die treibende Kraft der wirtschaftlichen Entwicklung. Seit Ende der siebziger Jahre ist die chilenische Wirtschaft konsequent privatwirtschaftlich und wettbewerbsorientiert organisiert und auf den Weltmarkt ausgerichtet.

Struktur der Wirtschaft

Der chilenische Binnenmarkt zählt mit rund 16,8 Mio. Einwohnern zu den kleineren Märkten der Welt. Klassische Industrieproduktion (Maschinenbau, Fahrzeugbau, Schiffbau, Flugzeugbau, usw.) habt lediglich nachrangige Bedeutung.

Chile verfügt über die weltweit größten Kupferreserven, und auch bei dem an Bedeutung gewinnenden Rohstoff Lithium (für elektrische Batterien) liegt es an erster Stelle. In der Atacamawüste lagern ferner Salzvorkommen, die für mehrere Jahrtausende reichen. Das dort abgebaute Salz ist – wie das Kupfer – ein wichtiges Exportprodukt Chiles. Als weitere Exportsäule entwickelte sich in den letzten Jahren vor allem die Land-, Fisch- und Forstwirtschaft, mit einer breiten Palette an Produkten (Zellulose, Zuchtlachs, Obst, Beeren und insbesondere Wein). Die Nahrungsmittelindustrie ist nach der Kupferindustrie der zweitwichtigste Exportsektor.

Daneben steht eine Vielzahl an kleinen und mittleren Unternehmen, die den größten Teil der chilenischen Arbeitnehmer beschäftigen. Den größten Anteil an der Wertschöpfung hat dabei der Dienstleistungssektor. Ausländische Unternehmen sind in Chile mit Vertrieb und Service vertretenaber auch mit Produktionen (Bergbau, Energie, Wasser, Infrastruktur, Banken u. a. m.).

Die Tourismus-Branche gewinnt weiter an Bedeutung. Die Zielgruppen reichen von Rucksacktouristen bis zu Kreuzfahrtreisenden. Mit der kürzlichen Verabschiedung eines Tourismusgesetzes wird dieser Entwicklung Rechnung getragen.

Als weitere Wachstumsmärkte sind besonders Bergbau, Energie- und Wasserwirtschaft, Nahrungsmittelindustrie, Agroindustrie und Infrastruktur zu nennen. Die starke Abhängigkeit von der weltweiten Nachfrage nach Rohstoffen bleibt aber eine Achillesferse für die weitere Entwicklung. Die chilenische Regierung versucht, durch eine gezielte Innovationsstrategie Forschung und Entwicklung zu stärken, nicht zuletzt um die Wirtschaft zu diversifizieren und nachhaltiger zu gestalten.

Außenwirtschaft

In der Außenwirtschaft setzt Chile den Weg des Abschlusses bilateraler Freihandelsabkommen fort. Chile hat mit inzwischen 21 Verträgen, die 57 Länder einbeziehen, mehr Freihandelsabkommen geschlossen als jedes andere Land der Welt. Davon kam das Freihandelsabkommen mit Australien 2009 neu hinzu.

2009 gingen die chilenischen Exporte stark zurück (im Jahresvergleich um 20,2%), insbesondere aufgrund eines Rückgangs der Kupferexporte um 51,3%. Mit 23% der chilenischen Exporte stand China an erster Stelle der Abnehmerländer; die Exporte in die Eurozone machten nach chilenischen Angaben 18% aus (Rückgang um 41,5% im Vergleich zu 2008).

Die Importe des Landes nahmen insgesamt um 31,1% ab. Die Importe aus der EU machten davon 16% aus, wobei ein Rückgang um 7,5% im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet wurde. Der Handelsaustausch zwischen der EU und Chile betrug mit 16,4 Mrd. USD 17% des gesamten chilenischen Handelsaustausches. Innerhalb der EU ist Deutschland der wichtigste Handelspartner des Andenstaates.

Chile wurde im Januar 2010 als zweites Land in Lateinamerika (nach Mexiko) in die OECD aufgenommen.

Aktuelle Wirtschaftsentwicklung / Konjunkturelle Lage

Die Auswirkungen der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise führten in Chile zum tiefsten konjunkturellen Einschnitt seit 1999. Der Rückgang der Exporte und der Binnennachfrage, sinkende Staatseinnahmen und fallende Rohstoffpreise zeitigten gravierendere Folgen als zunächst erwartet, denn die chilenische Wirtschaft ist klein und in hohem Maße von der Weltwirtschaft abhängig. Sie konnten jedoch aufgefangen werden durch ein stabiles Finanzwesen. Chile hat ein solides Bankensystem mit einer strengen Bankenaufsicht und hohen Anforderungen an die Liquidität und Solvenz. Zudem hatten die chilenischen Banken keine „toxischen“ Papiere in ihren Bilanzen. Des weiteren war die Verschuldung des öffentlichen Sektors so gering, dass ein höherer Fehlbetrag die Stabilität der öffentlichen Finanzen nicht gefährdete. Vor diesem Hintergrund konnte die konsequente antizyklische Politik der Regierung und der Zentralbank der Wirtschaft im Jahr 2009 die nötigen Impulse verleihen.

Insgesamt wurden für diese Maßnahmen rd. 8 Mrd. USD aus den seit einigen Jahren angesammelten staatlichen Reservefonds ausgegeben. 2009 ging das BIP noch um 1,7 % zurück, doch für das laufende Jahr rechnet man bereits wieder mit einem Wachstum des BIP um 4,9 %.Ab November 2009 war wieder ein Anstieg desKonjunkturindikators IMACEC zu verzeichnen, den die Notenbank monatlich ermittelt und der die Entwicklung des BIP abbildet. Die Beschleunigung des Wachstums ging dabei vor allem auf eine Ausweitung der Produktion in der verarbeitenden Industrie sowie auf höhere Kupferpreise und entsprechend höhere Exporterlöse zurück. Im weiteren Verlauf trugen zudem der Einzelhandel, die Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwirtschaft, z. T. auch die Industrie dazu bei. Ein Grund dafür war eine positive Entwicklung des Binnenmarktes.

Die Inflationsrate war 2009 negativ. Sie betrugminus 1,4 % – der niedrigste Wert in Chile seit 74 Jahren, ebenfalls der niedrigste in Lateinamerika sowie der fünft niedrigste weltweit. Im Januar 2010 ermittelte das Nationale Statistikamt aber schon wieder einen Anstieg des Verbraucherpreisindex von 0,5 %. Dieses Ergebnis kann aufgrund einer veränderten Berechnungsweise (erstmals landesweite Erhebung statt nur im Großraum Santiago, veränderter Warenkorb) zwar nicht unmittelbar mit früheren Zahlen verglichen werden; doch dürften auch Faktoren wie die überraschende Erholung des US-Dollars und der damit verbundene Anstieg der Benzinpreise sowie die Wiedereinführung der Kreditsteuer eine Rolle gespielt haben. Für 2010 erwartet die Zentralbank eine durchschnittliche Inflationsrate von etwa 2,5 %.

DieInvestitionstätigkeitzieht seit dem IV. Quartal 2009 wieder deutlich an. Im Energiebereich, einem der großen Wachstumsbereiche, wird für den Zeitraum von 2009 bis 2013 ein Anstieg der Investitionen um 43 % (28 Mrd. USD) erwartet. Im Februar fielen auch die Prognosen der einzelnen Verbände zur Entwicklung ihrer Branchen im Jahr 2010 durchweg optimistisch aus: Der Bergbau geht voneinem Wachstum von 6% aus, Handel und Industrieproduktion hoffen auf 5 bis 6 %. 

In der Landwirtschaft ist zwar wegen des Produktionsausfalls durch den ISA-Virus vor allem die Lachsindustrie weiterhin ein Problembereich. Hier wird ein Wachstum erst wieder ab 2011 erwartet; die Branche insgesamt rechnet mit einer Zunahme von 3 bis 5%, hauptsächlich basierend auf Zuwächsen in der Obst-, Fisch- und Forstwirtschaft. Im durch die Krise schwer angeschlagenen Baugewerbe erhofft sich die Branche sogar ein Jahresplus von 7,7%.

Die Arbeitslosigkeit lag 2009 bei durchschnittlich 9,7% (2008: 7,8%). Die meisten Entlassungen waren im Bauwesen und im Bergbau zu verzeichnen. Für Februar 2010 werden noch 8,4% prognostiziert. Bei allem Optimismus, mit dem die Chilenen den nächsten Jahren entgegen sehen, bleibt neben der weiteren Entwicklung der Weltwirtschaft (insbesondere der EU als wichtigem Handelspartner) die langsame Erholung des Arbeitsmarktes eines der großen Risiken für einen weiteren Wirtschaftsaufschwung.

Energiepolitik

Chile ist gegenwärtig noch sehr stark von Energieimporten abhängig. Die Stromerzeugung basiert derzeit zu ca. 60% auf importierten fossilen Energieträgern (überwiegend Erdgas und Kohle) und zu ca. 40% auf Wasserkraft. Die chilenische Regierung hat jedoch erkannt, dass eine nachhaltige, auf Diversifizierung ausgerichtete Neuorientierung der Energieversorgung unabdingbar ist. In Chile sind die Voraussetzungen für die Nutzung Erneuerbarer Energien in vieler Hinsicht besonders günstig. Wasserkraft wird längst umfassend zur Energieerzeugung genutzt, doch auch Solarkraftwerke und Windenergieprojekte sowie die Verwendung von Biomasse und Erdwärme als Energiequellen sind geplant bzw. in der Umsetzung. Seit dem 01.01.2010 müssen gemäß dem 2008 verabschiedeten „Renewable Energy Portfolio Standard“ jährlich 5% des gehandelten Stroms aus nicht-konventionellen erneuerbaren Energien erzeugt werden. Ferner wurde 2009 das Gesetz zur Förderung von Solarkollektoren verabschiedet. Das Gesetz sieht Steuerbefreiungen für die Installation von Solarkollektoren in neuen Wohngebäuden vor.

2009 wurden ein Flüssiggasterminal und eine Regasifizierungsanlage in Betrieb genommen, ein zweites Flüssiggasterminal ist derzeit im Bau. Gleichzeitig wird der Kohleausbau vorangetrieben.

Chile gehört zu den Gründungsmitgliedern der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA). Die Absicht, im gesamten Land die Nutzung erneuerbarer Energien auszubauen, wird auch durch die Gründung des „Zentrums für erneuerbare Energien“ unterstrichen.

Mit der Schaffung eines Energie- und eines Umweltministeriums waren in der letzten Zeit bedeutende institutionelle Reformen zu verzeichnen. Neben dem "Zentrum für erneuerbare Energien" wird ferner eine "Agentur für Energieefffizienz" gegründet, und im Umweltbereich wurde die Schaffung einer Umweltaufsichtsbehörde und einer Umweltgerichtsbarkeit auf den Weg gebracht.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Zusatzinformationen:

Ansprechpartner in den Wirtschaftsdiensten der deutschen Auslandsvertretungen

Botschaft Santiago de Chile

Ingrid Jung
Tel: 0056-2-463 25 20
Fax: 0056-2-463 25 25 eMail
www.santiago.diplo.de

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