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Landesflagge Chile
Bilaterale Beziehungen zu Deutschland

Stand: März 2010

Politische Beziehungen

Seit der Rückkehr Chiles zur Demokratie 1990 wurden die bilateralen Beziehungen in allen Bereichen kontinuierlich ausgebaut. Der bilaterale politische Dialog ist eng und vertrauensvoll. Dies kommt u.a. in dem intensiven Besuchsaustausch zum Ausdruck: Im Oktober 2006 war die chilenische Staatspräsidentin Bachelet zu einem offiziellen Besuch in Deutschland und sprach u.a. mit Bundeskanzlerin Merkel und Bundespräsident Köhler; im Mai 2008 traf sie am Rande des EU-Lateinamerika-Gipfels in Lima erneut mit der Bundeskanzlerin zusammen, und im März 2009 stattete die Bundesministerin für Bildung und Forschung Chile einen Besuch ab. Hinzu kamen zahlreiche Reisen von Parlamentariern und weiteren Vertretern der Bundesregierung und der Länder.

Außenminister Westerwelle besuchte Chile am 07. März 2010 als erster europäischer Außenminister nach dem verheerenden Erdbeben von Ende Februar. Er brachte Hilfsgüter und THW-Experten mit und sagte der chilenischen Regierung Solidarität und Unterstützung durch Deutschland zu. Anlässlich der Amtseinführung des neuen Staatspräsidenten Sebastián Piñera am 11. März 2010 reiste der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, MdB, im Auftrag der Bundesregierung nach Chile.

Zu Deutschland bestehen langjährige enge Bindungen. Die Leistungen deutscher Einwanderer im Süden Chiles (ab 1850) sowie das Engagement deutscher Wissenschaftler, Erzieher, Unternehmer und Experten aller Bereiche haben viel zum Aufbau des Landes beigetragen und finden noch heute Anerkennung.

Chile begegnet deutschen Anliegen grundsätzlich mit Wohlwollen und Verständnis. Auch im multilateralen Bereich gibt es viele gemeinsame Interessen mit zunehmend enger Abstimmung und Zusammenarbeit. Beispiele hierfür sind globale Fragen wie Erneuerbare Energien (Chile ist Gründungsmitglied der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien/IRENA), Umweltschutz, Klimawandel sowie Reform und Stärkung der Vereinten Nationen.

Die Arbeit deutscher politischer Stiftungen (die Konrad-Adenauer-, Heinrich-Böll-, Friedrich-Ebert- und Hanns-Seidel-Stiftung unterhalten Büros in Chile), welche ein breites Spektrum abdecken, ist erfolgreich und wird geschätzt.

Wirtschaftliche Beziehungen

Zwischen Deutschland und Chile bestehen seit vielen Jahren gute und intensive wirtschaftliche Beziehungen.

Deutschland ist der wichtigste Handelspartner Chiles innerhalb der Europäischen Union und das weltweit sechst wichtigste Ursprungsland chilenischer Einfuhren. Deutschland exportiert nach Chile vornehmlich Luft-, Wasser- und Schienenfahrzeuge sowie Automobile, Anlagen- und Maschinenbauprodukte, Geräte zur Elektrizitätserzeugung und - verteilung, elektrotechnische, medizinische und fotografische Geräte sowie Mess- und Regeltechnik, chemische Erzeugnisse, Waren aus unedlen Metallen, Stahl, Papier, Holz und Zellulose.

Im Jahr 2009 betrug das bilaterale Handelsvolumen 2,69 Mrd. Euro. Die chilenischen Exporte nach Deutschland betrugen im selben Zeitraum 1,49 Mrd. Euro, die deutschen Exporte nach Chile 1,20 Mrd. Euro. Das Gesamthandelsvolumen verzeichnete damit erneut einen deutlichen Überschuss der chilenischen Exporte. Chile exportiert nach Deutschland vor allem Kupfer und Kupfererzeugnisse, Obst, Gemüse, Konserven und Säfte, Fisch und Fischzubereitungen, Fleisch und Nahrungsmittel tierischen Ursprungs, Wein sowie Zellulose, Holz, Papier und chemische Erzeugnisse.

In den letzten Jahren hat sich die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit (WTZ) zwischen Deutschland und Chile weiter verstärkt. Von der II. WTZ-Kommissionssitzung im November 2009 werden weitere Impulse ausgehen.

Deutsche Direktinvestitionen in Chile

Die deutschen Direktinvestitionen beliefen sich bis August 2009 auf über 1.800 Mio. USD (akkumuliert seit 1990). Bei den breit angelegten Privatisierungen und Konzessionsvergaben im Infrastrukturbereich und bei der öffentlichen Versorgung (Strom, Wasser, Telefon etc.) in den neunziger Jahren haben sich deutsche Unternehmen nur wenig beteiligt, in jüngster Zeit aber bei Infrastrukturvorhaben gute Erfolge erzielt. 

Umfangreiche deutsche Investitionen finden sich darüber hinaus vor allem in der Agroindustrie, beim Abbau von Mineralien und auf dem Immobiliensektor.

Entwicklungspolitische Zusammenarbeit

Die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) ist immer noch eine wichtige Säule der bilateralen Beziehungen. Die Zusammenarbeit erfolgt im Schwerpunktbereich Erneuerbare Energien / Energieeffizienz.

Deutschland ist für Chile einer der bedeutendsten Geber. In den Jahren 2007 und 2008 wurden Chile von Deutschland rund 50 Mio. EUR zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus fließt pro Jahr ein beträchtlicher Betrag aus Mitteln der Bundesregierung in Entwicklungsprojekte deutscher Nichtregierungsorganisationen und Kirchen. Aus den Mitteln des Auswärtigen Amts werden lokale Kleinstprojekte gefördert. 

Im Jahr 2008 wurden 11, im Jahr 2009 10 Kleinstprojekte in verschiedenen Regionen Chiles durchgeführt. In der Technischen Zusammenarbeit (TZ) stehen Programme und Projekte zur Förderung von Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz im Vordergrund. In Projekten der TZ sind gegenwärtig über 20 deutsche Langzeitexperten tätig; darunter 11 Experten des CIM (Zentrum für internationale Migration). Es besteht darüber hinaus eine erfolgreiche Finanzielle Zusammenarbeit (ebenfalls Schwerpunkt Erneuerbare Energien). Diese engagiert sich im Auftrag der Bundesregierung ebenfalls im Bereich Erneuerbare Energien.

Kulturelle Beziehungen

Die bilateralen Kulturbeziehungen sind auch aufgrund der deutschen Einwanderung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eng und vielseitig. Schwerpunkte sind die wissenschaftlichen Kontakte zwischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen beider Länder, die Programmarbeit des Goethe-Instituts und anderer Kulturmittler sowie die finanzielle und personelle Förderung der 22 Deutschen Schulen.

Viele Schlüsselpositionen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft werden von deutschstämmigen Chilenen, Absolventen der Deutschen Schulen, früheren - und Humboldt-Stipendiaten sowie von Chilenen eingenommen, die während des Militärregimes im Exil in Deutschland waren. Dieser bedeutende Personenkreis erfüllt eine wichtige Brücken- und Multiplikatorenfunktion für die Gesamtheit der bilateralen Beziehungen.

Chile feiert vom 18. September 2009 bis zum eigentlichen Jahrestag, dem 18. September 2010, das zweihundertjährige Jubiläum der Unabhängigkeit („Bicentenario“). Deutschland hat hierzu bereits vielseitige Beiträge geleistet und wird weitere Aktivitäten organisieren, u.a.:

  • Renovierung eines historischen Theatersaals vom Anfang des 20. Jahrhunderts im ehemaligen Gebäude der Deutschen Schule Valparaíso

  • Ausstellung des Science-Tunnels der Max-Planck-Gesellschaft vom 9. Oktober bis 10. Dezember 2009 in Valparaíso

  • Aufführung eines von Pina Bausch eigens zum Bicentenario für und über Chile choreografierten Werks („Como el musguito en la piedra, ay si, si, si“) vom 6. - 9. Januar 2010 im Teatro Municipal in Santiago

  • Ausstellung des deutschen Architektenbüros „von Gerkan, Marg und Partner“ (gmp) im Museo de Arte Contemporáneo/ Quinta Normal in Santiago ab 17. Juni 2010

Die traditionsreichen Deutschen Schulen genießen in Chile einen exzellenten Ruf. In den jährlich in ganz Chile durchgeführten Schul-Rankings erreichen sie regelmäßig gute bis sehr gute Platzierungen. Von den 22 Schulen verfügt allerdings nur die Deutsche Schule in Santiago über einen durchgehenden muttersprachlichen Zweig. Die Schule hat im Schuljahr 2007 mit der Einführung eines deutschen Bildungszweigs begonnen, der zur Deutschen Internationalen Abiturprüfung führen wird. Nach dem Abschluss des Aufbaus können 2012 die ersten Abiturzeugnisse vergeben werden. Die übrigen Schulen unterrichten Deutsch als Ergänzungs- oder Fremdsprache. Die Deutschen Schulen werden landesweit von rund 15.000 Schülerinnen und Schülern besucht.

Im Rahmen der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ wurden fünf neue chilenischen Partnerschulen gewonnen, darunter auch das sehr renommierte „Instituto Nacional“, an denen der Deutschunterricht nun gefördert wird. Auch das bestehende Netz der Deutschen Schulen wurde gestärkt. Die Schulen werden ermutigt, neue Abschlüsse mit Hochschulzugangsberechtigung („Gemischtsprachiges Internationales Baccalaureate“) einzuführen. Damit schärfen die Schulen nicht nur ihr deutsches Profil, sondern stärken zudem auch ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Deutsche und chilenische Hochschulen und Forschungseinrichtungen arbeiten in der Regel unmittelbar zusammen. Es gibt ein enges Netz von Kontakten und vertraglichen Vereinbarungen: Die Zahl der Kooperationen ist inzwischen auf 116 angestiegen. Auch die Stipendienzahl konnte in den letzten Jahren erhöht werden. Im März 2009 unterzeichnete der DAAD ein Abkommen u.a. mit dem chilenischen Bildungsministerium, das jährlich bis zu 100 Deutschland-Stipendien für chilenische Postgraduierte vorsieht.

Am 7. September 2009 haben die Hochschulrektorenkonferenz und ihr chilenisches Gegenstück, der „Consejo de Rectores de las Universidades Chilenas“ ein Abkommen zur Errichtung von sechs Promotionskollegs unterzeichnet. Diese Kollegs fördern den wissenschaftlichen Austausch und ermöglichen eine Anerkennung der Titel in beiden Ländern.

Das Heidelberg-Center für Lateinamerika ist im Rahmen der Außenwissenschaftsinitiative als eines von weltweit vier Exzellenzzentren ausgewählt worden und kann ab März 2010 – in Zusammenarbeit mit der Universidad de Chile und der Pontificia Universidad Católica – sein Studienangebot für Postgraduierte um die Fächer medizinische Physik, medizinische Informatik sowie Geowissenschaften und Astronomie erweitern. 

Das Goethe-Institut Santiago ist eines der profiliertesten Kulturzentren der chilenischen Hauptstadt, das auch erfolgreich mit anderen europäischen Kulturinstituten kooperiert. Hier sind neben den Sprachkursen vor allem das Europäische Festival für Gegenwartsdramatik und das Europäische Filmfestival hervorzuheben. Auch zur Aufführung des letzten Werks von Pina Bausch im Rahmen des Kulturfestivals “Santiago a Mil” im Januar 2010 hat das Goethe-Institut maßgeblich beigetragen.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Zusatzinformationen:

Ansprechpartner in den Wirtschaftsdiensten der deutschen Auslandsvertretungen

Botschaft Santiago de Chile

Ingrid Jung
Tel: 0056-2-463 25 20
Fax: 0056-2-463 25 25 eMail
www.santiago.diplo.de

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