Bulgarien
Wirtschaft und Umwelt
Stand: Oktober 2009
Aktuelle Wirtschaftslage und Investitionsbedingungen
Bulgarien hatte bis 2008 Wachstumsraten über sechs Prozent bei weiterer finanzwirtschaftlicher Konsolidierung. Für 2009 wird mit einer Schrumpfung der Wirtschaft um 6,3 Prozent gerechnet (Regierungsprognose).
Das Bankensystem und die öffentlichen Finanzen sind weiter stabil. Angesichts der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise hat die bulgarische Regierung Anfang Februar 2009 folgende Antikrisenmaßnahmen getroffen: Schaffung von 50.000 neuen Arbeitsplätzen, zusätzliches Investitionsprogramm in Höhe von 700 Millionen Lewa, Unterstützung der Landwirte mit 211 Millionen Lewa, 500 Millionen für Kredite für kleine und mittlere Unternehmen, 6 Mrd Lewa Investitionen in Energiewirtschaftsprojekte, die Spareinlagen der Bürger bis 100.000 Lewa werden garantiert, 1,25 Mrd Lewa für Erhöhung der Renten, 95 Millionen Lewa für Sozialhilfen. Ein weiteres Antikrisenpaket wurde von der neuen Regierung im September aufgelegt. Der finanzpolitische Spielraum der Regierung ist jedoch wegen konjunkturbedingt schwacher Steuereinnahmen und wegen der faktischen Bindung der Landeswährung Lew an den Euro sehr gering. Andererseits hat Bulgarien im Gegensatz zu den meisten Staaten Osteuropas eine stabile Währung. Auch von seiner Auslandsverschuldung her steht Bulgarien – auf Grund einer soliden Haushaltspolitik der vergangenen Jahre – relativ günstig da. Im Zeitraum 2007-2013 sind 9,3 Milliarden Euro an EU-Fonds für Bulgarien vorgesehen.
Makroökonomische Entwicklung
Weit reichende strukturelle Reformen und die Privatisierung nahezu aller staatlichen Unternehmen in enger Zusammenarbeit mit Internationalem Währungsfonds und der Weltbank haben zur Schaffung makroökonomischer Stabilität beigetragen. Bulgarien erfüllt heute vier der fünf Maastricht-Kriterien für den Beitritt zur Europäischen Währungsunion, der für 2011/12 angestrebt wird. Nur die Inflationsrate lag 2008 mit 7,8 Prozent noch darüber, ist inzwischen aber deutlich rückläufig. Die Arbeitslosigkeit lag im September2009 bei 8 Prozent. Da das Arbeitnehmereinkommen offiziell nur umgerechnet 280 Euro im Monat beträgt und damit bei einem Drittel des EU-Durchschnittseinkommens liegt, braucht Bulgarien noch viele Jahre, um den Rückstand zum Wohlstandsniveau in der EU aufzuholen, deren ärmstes Mitglied Bulgarien ist.
Die Schwäche des bulgarischen Justizsystems und verbreitete Korruption stellen weiter gravierende Hindernisse für die wirtschaftliche Entwicklung dar. Schwierigkeiten bereiten darüber hinaus die Bürokratie sowie ein aufgeblähtes Zulassungs- und Lizenzierungssystem.
Wichtigste Wirtschaftszweige
Energieerzeugung, Nahrungsmittel und Getränke, Metallindustrie, Maschinenbau, Kohle- und Erzabbau, Tourismus, Software-Entwicklung.
Bulgarien als Handels- und Investitionspartner
Die wichtigsten Aus- und Einfuhrgüter Bulgariens:
Ausfuhr: Chemische Produkte, Nahrungs- und Genussmittel, Rohmetall- und Stahlprodukte, Maschinen und Ausrüstungen, Konsumartikel, Textilprodukte, Elektrizität.
Einfuhr: Rohstoffe, mineralische Produkte und Brennstoffe (insbesondere Öl und Gas aus Russland), Maschinen und Ausrüstungen, chemische Erzeugnisse, Konsumgüter.
Das Handelsvolumen erreichte 2007 über 35 Mrd. Euro. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner Bulgariens. Über 5.000 deutsche Firmen sind im Handel mit Bulgarien tätig, davon sind 1.200 vor Ort vertreten. Das Handelsvolumen mit Deutschland erreichte 2007 rund 3,7 Mrd. Euro. Die deutschen Exporte nach Bulgarien beliefen sich auf 2,3 Mrd. Euro, die Importe aus Bulgarien auf 1,4 Mrd. Euro. In den ersten 11 Monaten 2008 erreichte das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Bulgarien 3,840 Mrd. Euro.
Seit März 2004 besteht in Sofia die Deutsch-Bulgarische Industrie- und Handelskammer (DBIHK), die über 410 Mitglieder zählt.
Investitionen
Anfang 2007 wurden die steuerlichen Bedingungen durch eine erneute Senkung der Körperschaftssteuer auf nunmehr 10 Prozent verbessert, Anfang 2008 erweitert um eine Pauschalsteuer (flat tax) von 10 Prozent auf private Einkommen. 2007 erreichte die Höhe der Auslandsdirektinvestitionen einen neuen Höchstwert von 5,7 Milliarden Euro (5,430 Euro Milliarden Jahr 2008). Mit 605 Millionen Euro lag Deutschland im Jahr 2008 an dritter Stelle unter den ausländischen Investoren in Bulgarien hinter Österreich und Niederlande. Der hohe Investitionsbedarf der bulgarischen Wirtschaft, der viele Chancen für langfristig orientierte Investoren insbesondere in lohnintensiven Fertigungsbereichen bietet, wird jedoch trotz dieser Entwicklung noch einige Zeit fortbestehen. Gute Aussichten für Investitionen bestehen auch im Tourismusbereich. Ca. 580.000 Deutsche besuchten 2008 Bulgarien.
Verkehr
Das Fernstraßennetz ist weiterhin in schlechtem Zustand; es gibt bisher nur 300 Kilometer Autobahnen und kaum Neubaustrecken. Nach der Nationalen Infrastrukturstrategie ist geplant, bis 2015 insgesamt 12,4 Mrd. Euro in die Infrastruktur zu investieren, besonders in Projekte aus den Bereichen Verkehr, Umwelt und Energie. Für einen erheblichen Teil hiervon stehen EU-Strukturfonds zur Verfügung.
Das bulgarische Eisenbahnnetz umfasst 4.300 Kilometer, davon sind 66 Prozent elektrifiziert.
Vier paneuropäische Transportkorridore führen durch Bulgarien, ferner gibt es drei internationale Flughäfen (Sofia, Varna, Burgas) und mehrere See- und Binnenhäfen an der Donau. An schiffbaren Wasserwegen gibt es das 470 Kilometer lange Teilstück der Donau, das zugleich Grenze zu Rumänien ist.
Umwelt
Schwerpunkte der bulgarischen Umweltpolitik sind die Umsetzung der mit Bezug auf den EU-Beitritt geänderten Gesetze, das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung sowie die Verbesserung der administrativen Kapazitäten von Ministerien und Behörden.
Im Februar 2007 wurde die Entscheidung über die Auswahl der Schutzgebiete im Rahmen des länderübergreifenden EU-Schutzgebietssystems NATURA 2000 getroffen. Die Anzahl der zusätzlich aufzunehmenden Schutzgebiete wurde auf 29 festgelegt. Über ihre Aufnahme hat die Regierung noch nicht endgültig entschieden. Umweltschutz, darunter auch Verteidigung der ökologisch wichtigen Gebiete wird als Schwachpunkt der Regierung angesehen und bewegt eine Reihe bulgarischer Nichtregierungsorganisationen.
Energie
Bulgarien ist weitgehend von Kernkraft (43 Prozent bis Ende 2006) und Wärmekraftwerken auf Braunkohlebasis (42 Prozent) abhängig. Der größte Anteil der Energieträger wird importiert, hauptsächlich aus Russland. 2002 wurde eine Nationale Energiestrategie verabschiedet, die nun mit technischer Unterstützung der Weltbank aktualisiert werden soll. Ende September 2008 wurden alle staatlichen Energieunternehmen in der Holding „BEH“ zusammengefasst. Diese besteht aus Betrieben: Nationale Energiegesellschaft NEK, Bulgargaz Holding, Kernkraftwerk Kozloduj und Teilen des Maritza Istok Komplexes, nämlich den Braunkohleminen und dem Marica Iztok 2 Kohlekraftwerk - mit Aktiva insgesamt von 4 Mrd. Euro und einem geschätzten Umsatz von 1,8 Mrd. Euro. Für die Errichtung deines weiteren Kernkraftwerks in Belene an der Donau wurden Vorarbeiten durchgeführt. Seit dem Amtsantritt der Regierung Borissov im Juli 2009 wird jedoch die Wirtschaftlichkeit des Projekts zunehmend in Zweifel gezogen, so dass seine Realisierung ungewiss ist. Bulgarien ist an den großen Gaspipelineprojekten Nabucco und South Stream beteiligt.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.