Bulgarien
Kultur- und Bildungspolitik
Stand: Oktober 2009
Das Wissenschafts- und Kulturleben in Bulgarien ist vielfältig, leidet aber unter unzureichender finanzieller Ausstattung. Bulgarische Wissenschaftler, Künstler und Kultureinrichtungen arbeiten intensiv mit entsprechenden Einrichtungen in Deutschland zusammen.
Bildungssystem
Das bulgarische Bildungssystem hatte bis vor einigen Jahren einen guten Ruf. In letzter Zeit wechseln Lehrer und Schüler zunehmend von öffentlichen auf private Schulen. Zahlreiche Lehrer verlassen den Bildungsbereich ganz und finden in Industrie und Dienstleistungen lukrativere Tätigkeiten. Grund hierfür ist in erster Linie die niedrige Bezahlung im öffentlichen Schulbereich. Das Bildungssystem wird schon seit längerem umstrukturiert. Es werden mehr und mehr Kindergärten eingerichtet, an denen auch Deutsch unterrichtet wird. Neben "Allgemeinschulen" (1.-12./13. Klasse) besteht ein zweistufiges System aus Grundschule (1.-7. Klasse) und Gymnasium (8.-12. Klasse) respektive weiterführenden und berufsqualifizierenden Schulen.
Die Zahl der Studienplätze an den insgesamt 51 staatlichen und privaten Universitäten und Hochschulen ist reglementiert. Hochschulzugang erfolgt überwiegend durch Eingangsprüfungen. Mittlerweile verlangen auch die staatlichen Universitäten Studiengebühren. Die Ausstattung der Einrichtungen ist verbesserungswürdig.
An allen bulgarischen Hochschulen sind die neuen europäischen Abschlüsse Bachelor (vier Jahre) und Master (fünf Jahre) eingeführt. Die Hochschulen bemühen sich zunehmend darum, ausländische Studenten zu gewinnen. Mit deutschen Hochschulen bestehen über 100 Kooperationsvereinbarungen; regelmäßig werden Gastprofessoren aus Deutschland eingeladen.
In Bulgarien gibt es derzeit vier deutschsprachige Studiengänge, die personell und finanziell von Deutschland gefördert werden. Die Studenten erhalten nicht nur ein bulgarisches, sondern auch ein deutsches Diplom. An der Universität Sofia gibt es ein Zentrum für Deutschland- und Europastudien (ZEDES), wo ein Master-Abschluss erworben werden kann. Europastudien (Master) kann man auf Deutsch und Englisch auch in Ruse studieren. An der Technischen Universität Sofia besteht eine deutschsprachige Fakultät (Maschinenbau, Informatik, Betriebswirtschaftslehre) mit über 700 Studenten. An der chemischen Universität wird der Studiengang Chemische Verfahrenstechnik auf Deutsch angeboten. An den Universitäten Sofia, Veliko Tărnovo und Šumen sowie an der TU-Sofia unterrichten darüber hinaus DAAD-Lektoren. Bosch-Lektoren sind bei den Universitäten Ruse, Svištov und Šumen angestellt.
Wissenschaft und Forschung
Die bulgarische Akademie der Wissenschaft ist ein Verbund von rund 90 Forschungseinrichtungen, die über das ganze Land verteilt sind. Abgesehen hiervon findet wissenschaftliche Forschung auch an den Universitäten statt, hauptsächlich in Sofia und Plovdiv. Mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Alexander von Humboldt-Stiftung, den Max-Planck- und Fraunhofer-Instituten sowie weiteren Forschungseinrichtungen in Deutschland existiert eine langjährige Zusammenarbeit. Eine beachtliche Zahl bulgarischer Wissenschaftler und Studenten ist an Einrichtungen in Deutschland tätig.
Fremdsprachenunterricht
Eine erste Fremdsprache ist ab der 2. Klasse der Primarstufe verpflichtend. Ab der 8. Klasse ist eine zweite Fremdsprache verpflichtend. An zahlreichen so genannten Sprachgymnasien wird nach einem intensiven Vorbereitungsjahr in der 8. Klasse mit bis zu 20 Stunden Fremdsprachenunterricht pro Woche auch Fachunterricht in der Fremdsprache erteilt. Viele Schüler dieser Schulen erreichen ein hervorragendes sprachliches Niveau. Die Schulen gelten als Eliteschulen. Neben Englisch ist Deutsch die zweitwichtigste Fremdsprache an den Gymnasien. An insgesamt 22 Sprachgymnasien wird das Deutsche Sprachdiplom (DSD) verliehen, im Jahr 2009 waren es fast 700 Absolventen. Am staatlichen Galabov-Gymnasium absolvieren jährlich etwa 50 Schüler das deutsche Abitur. Auch die 2008 neu eröffnete Deutsche Schule Sofia wird sukzessive bis zum Abitur ausgebaut. Insgesamt sind 29 entsandte Lehrer und 14 Freiwillige von "kulturweit" in Bulgarien im Einsatz.
Kunst und Literatur
Aufgrund der schlechten finanziellen Lage ist die gesamte Kulturszene in ihren Entfaltungsmöglichkeiten eingeschränkt. Die staatlichen Zuschüsse sind im Vergleich zu Vorwendezeiten gering. Trotzdem gibt es vor allem in den großen Städten ein vitales und abwechslungsreiches Kulturleben. Dies ist sowohl den vielfältigen Privatinitiativen als auch dem ausgeprägten kulturellen Interesse sowohl der Bevölkerung als auch der Touristen zu verdanken. Moderne Kunst beschränkt sich vor allem auf Sofia und Plovdiv. Bulgarische Schriftsteller, die zum Teil auf Deutsch schreiben, erfreuen sich auch im deutschsprachigen Raum zunehmender Beliebtheit (Ilia Trojanow, Dimiter Dinev, Dimitar Gotscheff). Das Goethe Institut ist in Bulgarien ein angesehener Partner.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.