Bulgarien
Beziehungen zu Deutschland
Stand: Oktober 2009
Politische Beziehungen
Die Beziehungen sind eng und vertrauensvoll. Sie werden von einer regen Besuchsdiplomatie in beide Richtungen getragen. Parlamentariergruppen im Bundestag und in der bulgarischen Volksversammlung widmen sich der Pflege der bilateralen Beziehungen. Besonders intensiv sind die Kontakte zu den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz. Die Konrad-Adenauer-Stiftung, Friedrich-Ebert-Stiftung, Friedrich-Naumann-Stiftung und Hanns-Seidel-Stiftung unterhalten Büros in Sofia.
Die neue bulgarische Regierung betrachtet Deutschland als einen strategischen Partner in der EU. Zahlreiche Minister sprechen deutsch. Deutsche Experten sind im Rahmen der weiteren Umsetzung des EU-Beitritts als Berater in bulgarischen Ministerien tätig.
Wirtschaftliche Beziehungen
Deutschland ist seit Jahren knapp vor Italien und Russland der wichtigste Handelspartner für Bulgarien. 2008 erreichte der bilaterale Handel fast 4,1 Mrd. Euro und in den ersten sechs Monaten des Jahres 2009 1,7 Mrd. Euro. Bei den Direktinvestitionen in Bulgarien im Jahr 2008 stand Deutschland mit 688 Mio. Euro an dritter Stelle hinter Österreich und Niederlande. Im ersten Halbjahr 2009 betrugen die deutschen Direktinvestitionen in Bulgarien 161 Mio. Euro. Im Jahr 2008 kamen über 580.000 deutsche Touristen nach Bulgarien. In diesem Jahr erwartet man einen leichten Rückgang bei der Zahl der deutschen Touristen in Bulgarien. Auf bulgarischer Seite besteht Interesse vor allem an der Zusammenarbeit bei Energie und Infrastruktur.
Die Deutsch-Bulgarische Industrie- und Handelskammer in Sofia ist mit 430 Mitgliedern der wichtigste Partner der Wirtschaft und der Botschaft zur Förderung der Wirtschaftsbeziehungen.
Deutschland unterstützte bis zum EU-Beitritt den Transformationsprozess in Bulgarien im Rahmen der bilateralen Wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Schwerpunkte waren Förderung des bulgarischen Mittelstandes und der Landwirtschaft sowie die Unterstützung der öffentlichen Verwaltung. In 15 Jahren wurden Bulgarien dafür insgesamt knapp 200 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die noch laufenden Projekte sollen bis Ende 2010 abgeschlossen werden.
Kulturelle Beziehungen
Die kulturelle Zusammenarbeit ist traditionell gut und intensiv. Bis zur Wende fand ein intensiver Austausch vor allem mit der DDR statt. Maßgebend ist das Kulturabkommen vom 19. März 1996. Am 20. März 2000 wurden darüber hinaus ein Lehrerentsende- und ein Schulabkommen unterzeichnet. Derzeit bestehen über 100 Kooperationen mit rund 50 deutschen Hochschulen.
Deutsch als Fremdsprache ist auch unter der jüngeren Generation weit verbreitet. Nach Englisch ist Deutsch die an bulgarischen Schulen am häufigsten unterrichtete Sprache. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) unterstützt den Aufbau deutschsprachiger Studiengänge und Fakultäten. Die universitäre Bildung wird durch vier DAAD-Lektoren, eine DAAD-Sprachassistentin sowie vier Robert-Bosch-Lektoren unterstützt. Der wissenschaftliche Austausch wird durch jährlich jeweils rund 100 Stipendien des DAAD und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie mit Forschungsstipendien der Alexander von Humboldt-Stiftung gefördert. Über 12.000 bulgarische Studenten an deutschen Universitäten belegen, dass Deutschland unter jungen Bulgaren das mit Abstand beliebteste Land für ein Auslandsstudium ist.
22 Fremdsprachengymnasien führen zum Deutschen Sprachdiplom (DSD), an der Deutschen Schule Sofia sowie am Galabov-Gymnasium können Schüler das deutsche Abitur ablegen. Zur Unterstützung des Deutschunterrichts arbeiten im Schuljahr 2009/20010 29 entsandte Lehrkräfte an 14 bulgarischen Schulen. Im September 2008 nahm die Deutsche Schule Sofia auf dem Botschaftsgelände ihre Arbeit auf. 14 Freiwillige von „kulturweit“ sind an 13 Schulen tätig.
Sprachkurse und die zahlreichen kulturellen Aktivitäten des Goethe-Instituts werden stark frequentiert. Das Goethe-Institut Sofia unterhält Lesesäle in Plovdiv, Russe und Varna. Bei der Elias-Canettii-Gesellschaft in Ruse sowie bei der Art Today Association in Plovdiv leisten Kulturmanager der Robert-Bosch-Stiftung Kulturarbeit.
Hinweis
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