Brunei Darussalam
Wirtschaftspolitik
Stand: Oktober 2009
Grundlagen
Brunei zählt mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von 38.005 USD (2008) zu den reichsten Staaten der Welt (1981 war es nach diesem Kriterium noch absoluter Spitzenreiter). Beim UNDP-Human Development Index nimmt es aktuell Platz 30 ein; dies ist der erste Rang unter islamischen Ländern und der fünfte Rang in Asien. Bei der Zahl der PKW pro Kopf liegt das Land auf dem dritten Platz weltweit (30% mehr als in USA, 50% mehr als in Großbritannien, viermal mehr als in Malaysia). Die Erträge hoher Devisenreserven – Brunei hat keine Auslandsschulden – werden ergänzt durch die Öl- und Gas-Einnahmen, die zu über 70 Prozent zum BIP beiträgt. Die Förderung von Erdöl lag 2008 im Jahresdurchschnitt bei knapp unter 200.000 Barrel/Tag, von Erdgas bei 1.05 Mrd. btu/Tag).
Das Wirtschaftswachstum war 2008 allerdings im Vergleich zu anderen Staaten der Region stagnierend. Es gibt weiterhin bürokratische Hindernisse bei der Suche nach Wachstumchancen außerhalb des Energiesektors. Hinzu kommt eine wachsende Arbeitslosigkeit, die amtlich mit 6% angegeben wird (darunter 7.600 Schulabgänger) und eine verdeckte Arbeitslosigkeit durch Überbeschäftigung im öffentlichen Dienst.
Die globale Finanzkrise geht auch an Brunei nicht spurlos vorüber. Das Land mußte 2008 ein Negativwachstum hinnehmen (-2,7 nach vorläufigen Zahlen).
Brunei ist u.a. Mitglied der Welthandelsorganisation , des Internationalen Währungsfonds und der ASEAN-Freihandelszone AFTA. Die Währung (Brunei-Dollar) ist an den Singapur-Dollar gekoppelt. Das mit Deutschland abgeschlossene Abkommen zur Förderung und zum Schutz bilateraler Investitionen ist am 15.06.2004 in Kraft getreten.
Wirtschaftssektoren
Die Wirtschaft ist auf die Erdöl- und Erdgasproduktion ausgerichtet. Erdgas wird als Flüssiggas zu 90% nach Japan exportiert. Das gegenwärtige Förderniveau dürfte dank neuer Fördermethoden und -techniken noch für etwa 20 Jahre gehalten werden können. Spätestens dann ist Brunei auf die Erschließung und die Einkünfte aus den neuen und ertragreichen Vorkommen im Tiefseebereich seiner Erweiterten Wirtschaftszone (Blöcke J und K) abhängig. Sie überlappen sich aber mit von Malaysia beanspruchten Feldern. Der Territorialdisput mit Malaysia harrt einer Lösung. Für die Exploration auf dem Festland (Blöcke M und L) wurden weitere Konzessionen vergeben.
Auf Basis der Erdgasvorkommen bestehen Pläne zur Ansiedlung einer petrochemischen Industrie („downstream“). Beschlossen wurde inzwischen der Bau einer Methanolfabrik durch ein japanisch-bruneiisches Konsortium mit einem Investitionsvolumen von 350 Mio USD.
Über die Errichtung einer Düngemittelfabrik wird mit einem australisch-japanischem Konsortium wird verhandelt. Zum Bau einer Aluminiumschmelze hat die US-amerikanische ALCOA eine Machbarkeitsstudie vorgelegt.
Außerdem sind ölunabhängige Industrieansiedlungen (Tiefseehafen) geplant.
Weitere arbeits- und lohnintensive Industrien sind nicht vorhanden. Der Privatsektor ist schwach entwickelt. Die Land- und Forstwirtschaft sowie die Hochseefischerei sind unbedeutend und verlieren weiter an Bedeutung. Zur Sicherstellung der Fleischversorgung unterhält Brunei in Australien zwei Rinderfarmen, die doppelt so groß sind wie das Land selbst. Das Grundnahrungsmittel Reis wird zu 99% eingeführt, ebenso 95% aller Verbrauchsgüter.
Bruneier meiden handwerkliche und dienende Tätigkeiten und bevorzugen eine Anstellung im öffentlichen Dienst, der über die Hälfte der Erwerbsbevölkerung beschäftigt. Dadurch sind die Lohnkosten für die Privatwirtschaft nicht wettbewerbsfähig. Ca. 40% der Erwerbstätigen sind Gastarbeiter u.a. aus den Philippinen, Thailand, Indonesien, Bangladesh und Pakistan. Im Privatsektor sind 77% der Beschäftigten Ausländer. Eine Gewerkschaft gibt es nur in der Erdölindustrie.
Privatisierung
Im Rahmen des 8. Entwicklungsplans (2001-2006) wurde mit dem Ziel späterer Privatisierung die Umwandlung der nachstehenden Staatsbetriebe in private Gesellschaften eingeleitet: Stromversorgung, Post, Kfz-Inspektion (TÜV), Straßenbauverwaltung, Technische Betriebe (Technical Services Department), Abwasserbetriebe, Wasserversorgung, Flughafen, Regierungsdruckerei, Hafenverwaltung, IT-Werkstätten. Die erfolgte Umwandlung der Telekom-Behörde (JTB) in eine Gesellschaft lässt aber erkennen, dass eher an ein Unternehmen mit eigenen Finanzressourcen als an eine Privatisierung (mit ausländischer Beteiligung) gedacht ist.
Strukturreformen
Der Aufbau einer eigenen Industriebasis und die Förderung ausländischer Direktinvestitionen wurde dem Ende 2001 geschaffenen
Brunei Economic Development Board (BEDB)
Block 2k, Bangunan Kerajaan
Jalan Ong Sum Peng
Bandar Seri Begawan BA 1311
Brunei Darussalam
Tel.: +673 2230111
Fax: +673 2230063
www.bedb.com.bn
Acting Chairman: Timothy Ong
Chief Executive Officer: Vincent Cheong
übertragen.
Im Januar 2008 stellte die Regierung die „Vision 2035“ vor, das erste langfristige wirtschaftspolitische Entwicklungsprogramm des Landes. Zielsetzung ist die Verringerung der Abhängigkeit vom Export fossiler Ressourcen. Nach Auskunft des BEDB stehen für neue Investitionen in den nächsten Jahren staatliche Mittel in Milliardenhöhe zur Verfügung. Schlüsselbereiche des Programms sind Bildung, Informationstechnologie Tourismus, Umwelt, erneuerbare Energien und nachgelagerte Verarbeitungsschritte im Öl- und Gassektor. Erfolgsaussichten sieht die Regierung auch bei der Förderung einer standardisierten Halal-Lebensmittelproduktion und dem Aufbau eines islamischen Bankenwesens.
BEDB wirbt mit günstigen Voraussetzungen Bruneis: gesunde Wirtschaft, keine Rezession, Regierung hat Haushaltsausgaben im Griff, keine Auslandsschulden und hohe Auslandsreserven, langfristig gesicherte Erdöl- und Erdgasförderung, politische Stabilität und Sicherheit, gut ausgebildete Arbeitskräfte, hervorragende Infrastruktur und strategisch günstige Lage zu aufstrebenden Märkten in Südost- und Ostasien.
Verkehr und Umwelt
Brunei hat mit einem Straßennetz von knapp 3000 km und über 210.000 gemeldeten Kraftfahrzeugen eine hohe Verkehrsdichte. Die staatliche "Royal Brunei Airlines" fliegt im Liniendienst mit modernen Großraummaschinen über 20 Städte in Asien, Europa, dem Mittleren Osten sowie Australien und Neuseeland an. Sie hat ihr Streckennetz in jüngster Zeit ausgedünnt. Die Flotte bedarf der Modernisierung. Deutschland und Brunei haben 1993 ein bilaterales Luftverkehrsabkommen geschlossen. Im Handelshafen Muara können Schiffe bis zu 20.000 BRT umgeschlagen werden.
Aufgrund seiner geographischen Lage und Größe sowie wegen der geringen Industriedichte hat das Land relativ geringe Umweltprobleme. 75% der Landfläche Bruneis bestehen aus tropischem Regenwald, der weitgehend unter Schutz steht.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.