Brasilien
Wirtschaftspolitik
Stand: Februar 2010
Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von ca. 1.600 Mrd. USD (2009) ist Brasilien die zehntgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das Pro-Kopf-Einkommen betrug zur gleichen Zeit ca. 8.300 USD. Die Erwirtschaftung des BIP erfolgt zu etwa 64% im Dienstleistungsbereich, zu 30% in der Industrie und zu 6% in der Landwirtschaft. Brasilien konnte in den letzten Jahren stark vom Rohstoffboom profitieren. Es erzielte erhebliche Handelsüberschüsse, die es zum Abbau der Auslandsverschuldung nutzte. Durch eine stabilitätsorientierte Geldpolitik konnte auch die Inflationsrate merklich reduziert werden.
Die positive Entwicklung der Wirtschaftslage in Brasilien schwächte sich 2008 infolge der einsetzenden globalen Wirtschaftskrise ab; das Wachstum betrug aber immer noch 5,1% (2009: 0,1%); Brasilien hat die Weltfinanz-/Wirtschaftskrise vergleichsweise rasch und mit geringen Einbußen überstanden und ist jetzt wieder auf Wachstumskurs(für 2010 wird mit einem Wachstum von ca. 5% gerechnet). Die Inflation(Zielwert der Regierung 4,5% mit einem Korridor von +/- 2 %) ging leicht zurück auf eine Zwölfmonatsrate im Oktober 2009 von 4,14 %. Der Leitzinssatz Selic wurde in fünf Schritten auf zuletzt 8,75 % (22.7.2009) gesenkt.
Ein besonderer Wachstumsschub wird von der WM 2014, den Olympischen Spielen 2016 und der Erschließung der 2008 entdeckten umfangreichen Rohöl- und Erdgasvorkommen an der südöstl. Atlantikküste erwartet. Geplant sind umfangreiche Investitionen privater und öffentlicher Unternehmen für die sportlichen Großereignisse; allein in Rio de Janeiro in den kommenden fünf Jahren in Höhe von 88 Mrd. R$ (ca. 35 Mrd. €). Das von der brasilianischen Regierung 2007 aufgelegte Programm zur Beschleunigung des Wirtschaftswachstums (PAC – Programa de Aceleração do Crescimento) sieht bis 2010 Investitionen (insbes. für Infrastrukturprojekte)von über 1,1 Bio. R$ vor (ca. 380 Mrd. €). Bis Ende 2009 wurden 403 Mrd. R$ der geplanten Investitionssummen ausgegeben und von insges. ca. 1.500 Vorhaben über 40% abgeschlossen. Ein Großteil der Investitionen soll durch öffentliche und private Unternehmen erfolgen. Das Industrieförderprogramm PDP (Plano de Desenvolvimento Produtivo, 2008-2011) soll durch Steuererleichterungen und finanzielle Fördermittel von ca. 90 Mrd. € die internationale Wettbewerbsfähigkeit brasilianischer Unternehmen stärken.
Im Dezember 2009 legte die brasilianische Regierung ein neues Konjunktur- und Investitionsförderprogrammmit einem Gesamtvolumen von mehr als 80 Mrd. R$ (über 32 Mrd. €) auf. Es zielt auf die Reduzierung von Steuern/Abgaben sowie verbesserte Kreditangebote zur Förderung von Investitionen im Güter- und Dienstleistungsbereich (v.a. Maschinen- und Anlagenbau), nachdem während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 zunächst die Konsumförderung (Pkw, Haushaltsgeräte) im Vordergrund stand.
Auch der brasilianische Außenhandel war von den Auswirkungen der Krise betroffen. Der Außenhandel ging um 90 Mrd. USD zurück. Stärker noch als die Exporte (-22,7%; 2008: 197,9 Mrd USD; 2009: 152,9 Mrd. USD) gingen die Importe (-26,2%; 2008: 173,2 Mrd. USD; 2009: 127,6 Mrd. USD) zurück, so dass der Handelsbilanzüberschuss 2009 noch über dem entsprechenden Vorjahreswert (2008: 24,9 Mrd. USD, 2009: 25,3 Mrd. USD) liegt. Starke Einbrüche verzeichneten die brasilianischen Exporte in Lateinamerika (-32%) und in den USA (-42%). Die Regierung Lula da Silva war mit Erfolg um die Diversifizierung der Außenwirtschaftsbeziehungen in traditionell weniger mit Brasilien verbundene Weltregionen bemüht (Afrika, Asien, Nahost). Schwerpunkte blieben daneben der Mercosul bzw. die Beziehungen zu südamerikanischen Partnern.
In den Handelsbeziehungen Brasiliens nimmt die EU mit einem Anteil von etwa 23% die Spitzenposition ein. Die EU ist auch größter Auslandsinvestor in Brasilien. Die USA haben mit einem Anteil von 13% am brasilianischen Außenhandel gegenüber den lateinamerikanischen Ländern, besonders aber gegenüber China, das 2009 zum wichtigsten bilateralen Handelspartnerland Brasiliens aufrückte, an Boden verloren.
Hinweis
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