Brasilien
Kultur- und Bildungspolitik
Stand: Februar 2010
Kulturpolitik
Dem Kulturminister unterstehen die verschiedenen bundesstaatlichen Kultureinrichtungen und -stiftungen. Prioritäre kulturpolitische Zielsetzung ist, allen Bevölkerungsgruppen den Zugang zu Kulturangeboten zu ermöglichen. Dies soll zum einen über eine Erhöhung des Kulturhaushalts, zum anderen durch die Schaffung von "kulturellen Polen" in Armutsvierteln, Stadtrandbezirken und ländlichen Gebieten erfolgen. Wesentliches Instrument der Kulturförderung sind die sehr weitreichenden Abschreibungsmöglichkeiten für private Sponsoren. Eine öffentliche Förderung kultureller Veranstaltungen gibt es auch auf Ebene der Bundesstaaten und Kommunen. Von internationalem Rang sind Film- und Theaterfestivals in São Paulo, Rio de Janeiro oder Porto Alegre sowie die Kunstbiennale von São Paulo. Die Architektur-Biennale von São Paulo, bei der sich auch das Deutsche Architewktur-Museum bereits präsentierte, gewinnt an Bedeutung.
Einen wichtigen Impuls erhielten die deutsch-brasilianischen Kulturbeziehungen 2006 durch die Veranstaltungsreihe "Copa da Cultura" in Deutschland und Brasilien. 2007/2008 führten Goethe-Institute und Auslandsvertretungen brasilienweit die Veranstaltungsserie "Kulturfest" mit dem Schwerpunkt "Junge deutsche Kultur" durch. Der deutsche Regisseur Christoph Schlingensief inszenierte 2007 Wagners "Fliegenden Holländer" im Opernhaus Manaus (mit Unterstützung der Bundeskulturstiftung).
Schulen und Universitäten
Die Reform des Bildungswesens gehört zu den größten Herausforderungen der brasilianischen Politik. Das Thema spielt in den Medien ebenso wie in Wahlkämpfen eine immer größere Rolle. Eine wichtige Aufgabe bleibt die Beseitigung des Analphabetismus. Die Zahl der über 15-Jährigen, die nicht lesen und schreiben können, wird auf ca. 10% geschätzt. In den vergangenen Jahren wurden beachtliche Erfolge erreicht und z.B. die Einschulungsrate der 7 bis 14-Jährigen auf über 97% erhöht. Präsident Lula hat die Ausweitung der akademischen wie der technischen beruflichen Billdung vorangetrieben. Dennoch leidet das staatliche Erziehungswesen weiterhin unter einer geringen finanziellen Ausstattung, Lehrermangel und unzureichende Qualifikation (auch Bezahlung) vieler Lehrer. Diese Probleme stellen sich verschärft in ländlichen Gebieten und in ärmeren Bundesstaaten.
Brasilien verfügt über 2.300 Hochschulen, an denen ca. 50.500 Professoren tätig und ca. 4,1 Mio. Studierende eingeschrieben sind. 70% der Hochschulen sind privat, 30% staatlich. Viele private Universitäten erreichen qualitativ nicht den hohen Standard der staatlichen Universitäten des Bundes und einzelner Bundesstaaten.
Größte Hochschule ist die Universität São Paulo (USP). Sie hat ein Budget von ca. 1 Mrd. Euro, 80.000 Studierende und erbringt ca. 25% der brasilianischen Forschungsleistungen. Laut Shanghai-Universitätsranking ist die USP die Nr. 1 in Lateinamerika und auf Rang 121 im weltweiten Vergleich. Sie ist damit in einer Gruppe mit den Universitäten Freiburg, Münster und Tübingen. Die USP wurde erst vor 70 Jahren gegründet.
Hinweis
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