Bosnien und Herzegowina
Wirtschaftspolitik
Stand: Juli 2009
Wirtschaftslage
Die weltweite Konjunkturkrise hat Bosnien und Herzegowina mit kurzer Verzögerung erreicht: Einbrüche bei Rohstoffpreisen, Auslandsnachfrage, Kreditverfügbarkeit und Transferzahlungen setzen der Wirtschaft des Landes zu. Das BIP stieg 2008 um ca. 5 Prozent. Für 2009 erwartet der IWF eine Schrumpfung des realen BIP von 3 Prozent, für 2010 wieder ein leichtes Wachstum. Die öffentlichen Ausgaben liegen weiterhin bei fast 50 Prozent des BIP und stellen damit einen der höchsten Werte der Region dar. Die Auslandsverschuldung beträgt ca. 40 Prozent des BIP. Im Juli 2009 wurde ein Standby-Abkommen mit dreijähriger Laufzeit zwischen Bosnien und Herzegowina und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 1,13 Mrd. Euro Kraft gesetzt.
Insbesondere durch die gestiegenen Kosten für Energie und Lebensmittel wird die Inflationsrate für 2008 auf ca. 8 Prozent prognostiziert – einer der höchsten Werte seit dem Krieg. 2009 dürfte die Inflationsrate wieder deutlich darunter liegen. Die feste Bindung der Landeswährung KM (Konvertible Mark, Kurs 1,95583 KM = 1 Euro) an den Euro verhindert Wechselkursschwankungen.
Die Industrieproduktion ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Das Lohnniveau steigt ebenfalls sehr schnell (ca. 18 Prozent in Bosnien und Herzegowina), was insbesondere auf Lohnsteigerungen im öffentlichen Sektor zurückzuführen ist (Bosnien und Herzegowina hat neben Kroatien das höchste Lohnniveau in der Region). Die Arbeitslosenquote des Gesamtstaats liegt relativ stabil bei ca. 40 Prozent; aufgrund der bedeutenden Rolle des informellen Sektors ist die tatsächliche Quote jedoch geringer (Schätzungen gehen von ca. 30 Prozent aus).
Außenwirtschaft
Die Wirtschaft von Bosnien und Herzegowina ist eng mit dem Ausland verknüpft: das Handelsvolumen entspricht ca. 95 Prozent des BIP. Insbesondere seit Inkrafttreten des Interimsabkommens zum Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU ist Bosnien und Herzegowina ein weitgehend liberalisierter Markt. Handelsbeschränkungen mit der EU wurden deutlich reduziert und werden bis 2013 schrittweise vollständig abgebaut. Im November 2007 ist Bosnien und Herzegowina dem Zentraleuropäischen Freihandelsabkommen CEFTA beigetreten. Bosnien und Herzegowina hat das Luftverkehrsabkommen der Mitgliedstaaten der EU mit Südosteuropa (ECAA-Abkommen) ratifiziert und verhandelt derzeit mit der Welthandelsorganisation WTO über einen Beitritt.
Das Investitionsschutzabkommen zwischen Deutschland und Bosnien und Herzegowina ist seit 11.11.2007 in Kraft. Es gilt weiterhin das Doppelbesteuerungsabkommen aus dem Jahr 1988.
Beim Erwerb von Grund und Boden für geschäftliche Zwecke sind ausländische Investoren bosnisch-herzegowinischen Staatsbürgern gleichgestellt. Es gibt keine Beschränkungen bei der Niederlassung von Unternehmen aus der EU, die Registrierungen sind jedoch bürokratisch und langwierig.
Die ausländischen Direktinvestitionen in der Zeit von 1994 bis 2008 betrugen 5,3 Mrd. Euro. Mit einem Anteil daran von ca. 5 Prozent steht Deutschland an sechster Stelle.
Die bosnisch-herzegowinischen Einfuhren aus Deutschland stiegen 2008 weiter auf 741 Mio. Euro, die Ausfuhren aus Bosnien und Herzegowina nach Deutschland auf 376 Mio. Euro. Deutschland gehört damit neben Kroatien, Serbien und Slowenien zu den wichtigsten Handelspartnern, die EU insgesamt hat einen Anteil von ca. 50 Prozent. Aus deutscher Perspektive steht Bosnien und Herzegowina in der Liste der wichtigsten Außenhandelspartner erst an 75. Stelle. Im Sommer 2007 wurde ein deutsch-bosnisch-herzegowinischer Wirtschaftsverein gegründet, der mittlerweile ca. 60 Mitglieder zählt.
Das Leistungsbilanzdefizit ist 2008 weiter auf 15,6 Prozent des BIP gewachsen. Die Währungsreserven der Zentralbank sind mit ca. fünf Importmonaten relativ komfortabel. Bosnien und Herzegowina profitiert wie viele andere Transformationsländer von umfangreichen Transferleistungen der Diaspora. Eine wichtige Rolle für die Entwicklung von Bosnien und Herzegowina spielt das IPA-Programm (Instrument for Pre-Accession), in dessen Rahmen das Land bis 2013 415 Mio. Euro erhalten soll.
Wirtschaftsstruktur
Großes Wirtschaftspotential in Bosnien und Herzegowina hat der Energiesektor. Insbesondere im Bereich der Erneuerbaren Energien (besonders Wasserkraft) ist das Potential bei Weitem nicht ausgeschöpft. Über komparative Vorteile in der Region verfügt Bosnien und Herzegowina auch im Bereich der Metallverarbeitung.
Der Bankensektor ist zu 90 Prozent privatisiert und weitgehend in ausländischer Hand,. Eine einheitliche Bankenaufsicht auf Gesamtstaatsebene existiert weiterhin nicht.
Der Landwirtschaftssektor (insbesondere Wein- und Obstanbau) erwirtschaftet 9 Prozent des BIP und 13 Prozent des Außenhandels. Im Transportsektor stehen erhebliche Investitionen in die Modernisierung der Eisenbahnen und in den Ausbau des Straßennetzes an. Die öffentliche Hand und internationale Geber beabsichtigen große Investitionen in den nächsten Jahren in die Flughäfen des Landes (Sarajewo, Mostar, Banja Luka, Tuzla).
Die ausgeprägte Schattenwirtschaft in Bosnien und Herzegowina wird durch hohe Steuersätze, unzureichende Kontrolle und verbreitete Korruption begünstigt.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.