Bosnien und Herzegowina
Beziehungen zu Deutschland
Stand: Juli 2009
Politische Beziehungen
Deutschland hat mit Bosnien und Herzegowina Mitte 1994 diplomatische Beziehungen aufgenommen. Seither haben sich die bilateralen Beziehungen stetig positiv entwickelt: So war Deutschland – auch durch sein Engagement in der Kontaktgruppe – an den Friedensbemühungen und am Zustandekommen des Dayton-Abkommens intensiv beteiligt. Nach Abschluss des Abkommens blieb Deutschland engagiert, so etwa im Lenkungsausschuss des Dayton-Friedensimplementierungsrats (PIC), bei Geberkonferenzen und im Rahmen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, durch große deutsche Kontingente bei der EU-Militärmission EUFOR sowie der Polizeimission der EU (EUPM). Zudem hat Deutschland zahlreiche Projekte im Rahmen des Stabilitätspakts Südosteuropa in Bosnien und Herzegowina unterstützt. Heute ist Deutschland einer der wichtigsten außenpolitischen Partner von Bosnien und Herzegowina.
Seit dem 1. November 2008 ist mit Stefan Feller ein Deutscher der Leiter der EU-Polizeimission EUPM. Derzeit sind noch rund 130 deutsche Soldaten im Rahmen der EU-Militäroperation EUFOR ALTHEA im Land stationiert.
Bosnien und Herzegowina wiederum sieht in Deutschland einen seiner wichtigsten Fürsprecher in Europa sowie Unterstützer im lokalen Reformprozess und bei der Annäherung des Landes an die Europäische Union.
Wirtschaftsbeziehungen
Bereits in der Zeit des früheren Jugoslawien gab es Gemeinschaftsunternehmen und Kooperationsbeziehungen (Automobilindustrie, Metallverarbeitung, Textilindustrie/Lohnveredelung, Stahl und chemische Industrie) mit Deutschland. Nach dem Krieg hat Deutschland eine Vorreiterrolle übernommen bei Investitionen in der produzierenden Industrie von Bosnien und Herzegowina, die sich in der Übergangsphase von einer staatlich gelenkten Wirtschaft zu einer Marktwirtschaft befindet. Diese Investitionen konzentrieren sich vor allem auf die Bereiche Fahrzeugmontage und –zulieferindustrie, Bauindustrie/Zement, Rohstoffverarbeitung/Aluminium, regionale Milchwirtschaft sowie Bankwesen.
Der Warenaustausch zwischen Deutschland und Bosnien und Herzegowina ist in den letzten Jahren stark gestiegen, Deutschland ist für Bosnien und Herzegowina einer der drei wichtigsten Handelspartner. Ein bilateraler Investitionsförderungs- und -schutzvertrag ist am 11. November 2007 in Kraft getreten. Es gilt weiterhin das Doppelbesteuerungsabkommen aus dem Jahr 1988.
Deutsche Unternehmen investieren seit vielen Jahren in Bosnien und Herzegowina. Im Sommer 2007 wurde ein deutsch-bosnisch-herzegowinischer Wirtschaftsverein gegründet, der zwischenzeitlich rund 60 Mitglieder zählt.
Kulturelle Beziehungen
Rahmenbedingungen: Die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Bosnien und Herzegowina sind aufgrund der geographischen Nähe vergleichsweise eng. Die Erfahrungen der Gastarbeiter aus dem ehemaligen Jugoslawien und der ca. 300.000 zurückgekehrten Bürgerkriegsflüchtlinge stellen dabei einen wichtigen Anknüpfungspunkt dar und haben zur Festigung des positiven Deutschlandbilds beigetragen. Das Interesse an deutscher Sprache und Kultur ist dementsprechend groß. Zur Förderung der Zusammenarbeit wurde ein von der deutschen Regierung vorgeschlagenes Kulturabkommen zwischen beiden Staaten unterzeichnet, das am 4. Januar 2006 in Kraft trat.
Wissenschaft und Hochschulen: Es gibt zwei Lektoren des DAAD in Sarajewo und Banja Luka. Seit 2004 arbeitet zudem ein Lektor bzw. eine Lektorin der Robert-Bosch-Stiftung an der Dzemal-Bijedzic-Universität in Mostar. Hinzu kommen mehrere Gastdozenten aus Deutschland.
Der Hochschulrektorenkonferenz sind derzeit 14 Partnerschaften deutscher Hochschulen mit Einrichtungen in Bosnien und Herzegowina bekannt.
Goethe-Institut: Das Goethe-Institut in Sarajewo ist landesweit aktiv. Seine Räumlichkeiten umfassen auch eine Infothek sowie einen Info-Punkt der Deutschen Welle. Derzeit werden jährlich über 2.500 Unterrichtseinheiten angeboten. Außerhalb Sarajewos unterhält das Goethe-Institut diverse Kooperationen mit lokalen Partnern sowie Lehrmitttelzentren in Banja Luka, Mostar, Bihać und Tuzla.
Deutsche Schulen und deutsche Sprache: Im Rahmen des Lehrerentsendeprogramms sind ein Fachberater und vier Programmlehrkräfte der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) in Sarajewo (2), Banja Luka sowie Mostar tätig. Sie nehmen eine Schlüsselrolle bei der Förderung des Deutschen als Fremdsprache an Schulen ein. Sieben Schulen in Bosnien und Herzegowina wurden im Herbst 2008 als Partnerschulen des Goethe-Instituts im Rahmen der Initiative „Schulen – Partner der Zukunft“ (PASCH) ausgewählt, daneben gibt es neun Partnerschulen, an denen das Deutsche Sprachdiplom erworben werden kann.
In Sarajewo, Mostar und Banja Luka existieren zudem anerkannte Prüfungszentren für das Deutsche Sprachdiplom (DSD).
Die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen setzt sich für eine quantitative und qualitative Ausdehnung des Deutschunterrichts an Schulen sowie für die Vermittlung von Schulpartnerschaften ein. Seit dem Schuljahr 2003/2004 wird das Unterrichtsfach Deutsch in vielen Schulen nur noch als zweite Fremdsprache gelehrt und dies häufig mit lediglich zwei Wochenstunden, was den Erwerb eines Deutschen Sprachdiploms erschwert. Der Pädagogische Austauschdienst (PAD) vergibt Stipendien zur Fortbildung in Deutschland.
Politische Stiftungen: Die Konrad-Adenauer-, die Friedrich-Ebert- und die Heinrich-Böll-Stiftung unterhalten in Sarajewo eigene Büros, die Friedrich-Naumann Stiftung unterhält ebenfalls eine kleine Präsenz. Ihrem allgemeinen Auftrag entsprechend betätigen sich die politischen Stiftungen bei einer Vielzahl von Projekten, auch im Bereich der politischen Erwachsenenbildung.
Medien
Die Deutsche Welle hat Rebroadcastingverträge mit 37 Fernsehstationen sowie fünf Kabelnetzbetreibern in Bosnien und Herzegowina abgeschlossen. 66 Radiostationen strahlen Deutsche Welle-Programme in bosnischer, kroatischer und serbischer Sprache aus. “Radio Kometa“ in Ost-Sarajewo sendet über 4 Transmitter im Raum zwischen Sarajewo und Visegrad am Vormittag und frühen Nachmittag ein Programmformat „Metropolenradio“ in den Sprachen des Landes (einschließlich Romani) sowie deutsch und englisch aus.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.