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Landesflagge Bolivien
Wirtschaftspolitik

Stand: Oktober 2009

Wirtschaftliche Gesamtlage

Bolivien als ärmstes Land in Südamerika ist nach wie vor ein klassisches Entwicklungsland. Das BIP stieg im Jahr 2008 stark an, auf über 17 Mrd. USD. Das rechnerische Pro-Kopf-Einkommen stieg auf ca. 1.300 USD. Boliviens Wirtschaft ist abhängig von Rohstoffexporten, insbesondere Erdgas, Metalle, Mineralien und landwirtschaftliche Produkte wie Soja, Holz, Nüsse und Zucker.

Die bolivianische Wirtschaft ist wegen der hohen Binnenorientierung und einer staatlichen Abschottungspolitik bislang von den Auswirkungen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise nur in geringerem Umfang tangiert worden. Lediglich der starke Verfall der Energie- und Rohstoffpreise im vierten Quartal 2008 (mit partieller Fortsetzung im ersten Quartal 2009) haben Bolivien spürbar getroffen.

Das Fehlen von in- und ausländischen Direktinvestitionen macht sich negativ bemerkbar. Einzelne Branchen (Textilindustrie) haben begonnen, in Nachbarländer (besonders Peru) auszuweichen. Während die inländische Produktion weitgehend stagniert, sind jedoch die private und staatliche Nachfrage weiter gestiegen. Hausgemachte und importierte Inflation addierten sich: Die Inflationsrate lag im Jahresdurchschnitt 2008 offiziell bei ca. 12%, hat sich aber in den ersten acht Monaten 2009 deutlich verringert.

Das reale Wirtschaftswachstum Boliviens betrug 2008 ca. 6,2%, 2009 wird ein deutliches Sinken der Wachstumsrate (auf ca. 2%) vorausgesagt. Die Wirtschaftspolitik der Regierung Morales verfolgt eindeutig das Ziel einer Stärkung der Rolle des Staates. So wurde die staatliche Energiefirma Yacimientos Petrolíferos Fiscales Bolivianos zur zentralen Institution bei Ausbeutung und Vertrieb der bolivianischen Energieressourcen ausgebaut, geriet Anfang 2009 jedoch in eine massive Korruptionsaffäre. 

Auch andere wirtschaftliche Schlüsselbereiche (z.B. Elektrizitätswirtschaft) sollen nationalisiert bzw. stärker durch den Staat kontrolliert werden. Der Haushaltsüberschuß von 3,2% (2008) des Bruttoinlandsproduktes wird von der Regierung zur Ausweitung sozialer Programme, insbesondere zur Subventionierung von Lebensmitteln, einer Reform der Altersversorgung und der Gesundheitsvorsorge sowie für Direktsubventionen im produktiven Sektor (u.a. Kraftstoffe) genutzt. 

Die bolivianische Wirtschaft ist in Teilbereichen dollarisiert. Wichtige Investitionsvorhaben, wie die Exploration und Ausbeutung neuer Erdgasreserven und Bergbauvorhaben, stocken aus Mangel an Know-How und Finanzmitteln. Befreundete Staaten - wie Venezuela, Iran und China - zeigen starkes Interesse an Investitionen (mineralische Rohstoffe, neu: Lithium) und leisten Wirtschaftshilfe (VEN).

Handel

Aufgrund der im 1. Halbjahr 2008 stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise, insbesondere für Metalle und Erdöl/Erdgas, konnte Bolivien auch 2008 eine positive Handelsbilanz aufweisen (1,8 Mrd. USD). Wichtigste Handelspartner Boliviens sind Brasilien, Argentinien, die USA, Japan und Venezuela. Die Ausfuhrgüter sind Erdgas, Bergbauerzeugnisse und Agrarprodukte. Eingeführt werden vor allem Maschinen, Fahrzeuge, Elektroerzeugnisse, Treibstoffe und Lebensmittel. Die Abhängigkeit von Vorproduktimporten, hohe Transportkosten, Infrastrukturengpässe, eine schwerfällige Verwaltung und eine schwache industrielle Basis beeinträchtigen aber die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Landes. 



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Zusatzinformationen:

Nützliche Links

Ansprechpartner in den Wirtschaftsdiensten der deutschen Auslandsvertretungen

Botschaft La Paz
Andreas Schröder
Tel.: (00591) 2/2440066, 2441166
Fax: (00591) 2/2441441 eMail
www.la-paz.dipo.de

Entwicklungszusammenarbeit

Bolivien ist Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf mittel- und langfristige strukturelle Reformen und ist armutsorientiert angelegt. Schwerpunkte sind die Reform von Verwaltung und Justiz sowie die Stärkung der Zivilgesellschaft, dazu Sicherstellung der Wasserversorgung, verbessertes Abwassermanagement und die Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft. Näheres dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung



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