Bolivien
Beziehungen zwischen Bolivien und Deutschland
Stand: Oktober 2009
Politische Beziehungen
Die bilateralen Beziehungen sind gut: das Hauptgewicht liegt auf der Entwicklungszusammenarbeit. Im April 2006 besuchte die Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Heidemarie Wieczorek-Zeul, und im Februar 2008 der Staatssekretär des selben Ministeriums, Erich Stather, Bolivien. Vizepräsident García Linera war im Oktober 2006 in Deutschland. Relativ häufige Parlamentarierreisen (eine Delegation der deutsch-bolivianischen Freundschaftsliga des bolivianischen Parlaments reiste im September 2008 in Deutschland, der Parlamentspräsident mit einer 9-köpfigen Delegation (u.a. drei Parlamentarier, zwei Senatoren und zwei Präfekten) im März 2009 nach Deutschland).
Wirtschaftsbeziehungen
Bolivien exportiert überwiegend mineralische Rohstoffe (Bleierz, Zinn) und landwirtschaftliche Produkte, insbesondere Nüsse, Kaffee und Hirse sowie Leder- und Textilwaren nach Deutschland und importiert chemische Produkte, Maschinen, Fahrzeugteile und medizinische Ausrüstung aus Deutschland. Ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht seit 1993, ein Investitionsschutzabkommen seit 1990.
Im Jahr 2008 hat der Handel zwischen Deutschland und Bolivien einen kräftigen Aufschwung genommen. Die deutschen Exporte stiegen auf 78,6 Mio. USD, die deutschen Importe auf 111,5 Mio. USD. Erstmalig seit Jahren hat Bolivien damit einen deutlichen Überschuss (32,9 Mio. USD) in der Handelsbilanz erzielt. Eine Belastung der wirtschaftlichen Beziehungen könnte sich aus der weiterhin ungelösten Entschädigungsfrage für ein verstaatlichtes deutsch-peruanisches Unternehmen entwickeln.
Entwicklungszusammenarbeit
Bolivien – das ärmste Land Südamerikas – ist als Schwerpunktland derzeit größter Pro-Kopf-Empfänger deutscher Entwicklungszusammenarbeit (EZ) in Südamerika. Im Aktionsprogramm 2015 der Bundesregierung zur Reduzierung der weltweiten Armut findet es besondere Erwähnung.
Die Gesamtleistung der deutschen EZ seit den siebziger Jahren beläuft sich auf über eine Mrd. Euro. Bei den letzten Regierungsverhandlungen (im August 2009 La Paz) konnten Neuzusagen in Höhe von über 62 Mio. Euro gemacht werden. Deutschland ist damit nach Venezuela, Brasilien und Spanien der viertgrößte bilaterale Geber.
Deutschlands EZ ist auf mittel- und langfristige strukturelle Reformen im Rahmen der neuen Verfassung (in Kraft getreten am 7. Februar 2009) angelegt und ausdrücklich armutsorientiert. Deutschland unterstützt damit die Bemühungen der bolivianischen Regierung, bis 2015 den Anteil der armen Bevölkerung signifikant zu senken.
Schwerpunkte deutscher EZ sind Staatsmodernisierung (Reform der öffentlichen Verwaltung und Justiz einschließlich Partizipation der Zivilgesellschaft), Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie nachhaltige Landwirtschaft. Genderorientierung und Konfliktsensibilität sind Querschnittsthemen. In den drei Schwerpunkten spielt die deutsche EZ eine aktive Rolle in der Geberkoordinierung.
Ferner fördert Deutschland die Anstrengungen der bolivianischen Regierung zur Bekämpfung des Klimawandels. Von der 13. Vertragsstaatenkonferenz der Vereinten Nationen wurde der Mechanismus REDD geschaffen. In dessen Rahmen möchte Bolivien künftig einen Beitrag zur Reduzierung von Emissionen aus Entwaldung und Walddegradierung (REDD) leisten und gleichzeitig die Biodiversität des bolivianischen Amazonasgebietes bewahren. Deutschland unterstützt diese Bemühungen mit Finanzieller und Technischer Zusammenarbeit in Höhe von insgesamt 10 Mio. Euro.
Kulturelle Beziehungen
Die Kulturbeziehungen mit Bolivien umfassen vor allem die deutschen Schulen in La Paz und Santa Cruz, das Goethe-Institut in La Paz und die deutsch-bolivianischen Kulturgesellschaften in Santa Cruz, Cochabamba und Sucre. Eine Unterstützung zum Deutschunterricht im Rahmen der PASCH-Initiative (Schulen Partner der Zukunft) erhalten daneben noch weitere Schulen in La Paz, Sucre und Cochabamba. Die Deutsche Schule La Paz und die Deutsch-bolivianische Industrie- und Handelskammer bieten gemeinsam eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandels- oder Industriekaufmann/kauffrau an. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Alexander-von-Humboldt-Stiftung unterstützen die Zusammenarbeit im universitären Bereich. Der DAAD ermöglichte im Jahr 2008 fünf Stipendiaten aus Bolivien einen Studienaufenthalt in Deutschland.
Deutschland leistet maßgebliche Unterstützung bei der Erhaltung und Restaurierung des kulturhistorischen Erbes des Landes aus Mitteln des Programms "Kulturerhalt". Aus diesem Programm wurde auch ein Kolonialgebäude in Santa Cruz restauriert, das seit Oktober 2006 dem deutsch-französischen Kulturinstitut als Unterkunft dient. 2008 hat die Bundesrepublik insgesamt über 107.000 Euro für vier Projekte des Kulturerhaltes aufgewandt (u.a. die Restaurierung der Deutschen Schule „Kardenal Maurer“ in Sucre, den Erhalt von Höhlenmalereien in Vallegrande und eine Dokumentation über die Kultur der Chiquitanos). Im Jahr 2009 sind sechs Kulturerhaltprojekte mit einem Volumen von über 114.000 Euro geplant (u.a. Renovierung des Klosters Sta. Clara/Sucre, Renovierung der Kirche Santiago de Curahuara de Carangas, Restaurierung von Ölgemälden in Santo Domingo/Potosí). Daneben unterstützt die deutsche Botschaft in La Paz eine Vielzahl von kulturellen Veranstaltungen in Bolivien in den Bereichen Musik, Tanz, Theater, Kunstausstellungen und Film und trägt finanziell und organisatorisch zu den großen Festivals bei, die in Bolivien in regelmäßigen Abständen abgehalten werden.
Im Rahmen der 200-Jahrfeier des ersten Schreis nach Unabhängigkeit in Bolivien 2009 (Bicentenario) werden zusätzlich zum Kulturerhalt und der Förderung kultureller Projekte zwölf Veranstaltungen stattfinden, die vom Auswärtigen Amt mit insgesamt 47.759 Euro unterstützt werden (u.a. ein Symposium zur Beteiligung Europas an der Revolution in Lateinamerika unter Teilnahme eines deutschen Geschichtsprofessors, eine Ausstellung über Deutsche in Lateinamerika, die Teilnahme am traditionellen Kulturtreffen in Sucre und an einem Poesie-Festival in El Alto). Diese Projekte finden neben in La Paz auch in Sucre und Cochabamba statt.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.