Bangladesch
Wirtschaft
Stand: März 2010
Grundlinien der Wirtschaftspolitik
Seit der Wiederherstellung der parlamentarischen Demokratie 1991 haben die jeweiligen Regierungen der Nationalpartei von Bangladesch/BNP (1991-1996 und 2001 - 2006) und der „Awami League“/AL (1996-2001) einen marktwirtschaftlichen und wirtschaftsfreundlichen Kurs eingeschlagen, der trotz einer staatsdirigistischen Tradition aus den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit heute nicht mehr in Frage gestellt wird. Zahlreiche, mehrheitlich defizitäre staatliche Betriebe im Textil- und Jutesektor und der wenig effiziente staatliche Energiesektor sind ein belastendes Erbe aus den Anfangsjahren Bangladeschs und stehen noch zur Privatisierung an. Notwendige Reformen (unter anderem Sanierung des Bankensektors, Privatisierung, Reform des öffentlichen Dienstes) kommen nur langsam voran. Der Wechselkurs orientiert sich am US-Dollar und ergibt sich grundsätzlich aus Angebot und Nachfrage. Die Zentralbank interveniert allerdings, um bestimmte Wechselkursziele zu erreichen, falls dies bei der Steuerung makroökonomischer Rahmenbedingungen erforderlich erscheint ("managed floating").
Aktuelle wirtschaftliche Lage
Bangladesch hat der globalen Wirtschaftskrise bislang Stand gehalten, allerdings wurde die Wachstumsdynamik in den vergangenen Monaten gebremst.
Das reale Wachstum des Bruttoinlandsprodukts lag im Haushaltsjahr 2009 (Juli 2008 bis Juni 2009) bei 5,9% (2008: 6,2%). Die Landwirtschaft verzeichnete einen Wachstumsschub (+ 4,6%). Günstige Wetterbedingungen und massive Unterstützung des landwirtschaftlichen Sektors durch die Regierung waren dafür ursächlich. Die Wachstumsmotoren der vergangenen Jahre (Industrie- und Dienstleistungssektor) erzielten dagegen etwas niedrigere Ergebnisse als in den Vorjahren. Trotzdem konnte sich Bangladesch mit einem Exportwachstum von 10% auch gegenüber seinen regionalen Konkurrenten behaupten.
Der verarbeitende Sektor wird von der exportorientierten Textilindustrie dominiert. Während die Exporte in den ersten beiden Quartalen des letzten Haushaltsjahrs 2009 noch um 20% zulegen konnte, fiel die Wachstumsrate im 3 und 4. Quartal auf 2,6%. Schwächere Auslandsnachfrage und häufige Stromausfälle, ungenügende Infrastruktur und Engpässe bei der Energieversorgung (Strom, Öl- und Gas) wirkten sich als Wachstumsbremsen aus. Wichtigster Devisenbringer neben den Exporterlösen sind die Transferleistungen bangladeschischer Arbeiternehmer im Ausland. (2007: USD 6 Mrd, 2008: USD 7,9 Mrd und 2009: 9,7 Mrd). Der Anteil der Rücküberweisungen am BIP ist mit ca. 11% einer der höchsten der Welt.
Der Haushalt 2009/10 der Regierung hatein Volumen von 14,57 Mrd. USD und sieht ein Haushaltsdefizit von 5% des BIP vor.Oberste Priorität wird dem Ausbau der Landwirtschaft und der ländlichen Entwicklung eingeräumt.. Risiken für den Haushalt liegen in der staatlichen Subventionierung der Kosten von Treibstoff und Dünger sowie in der geringen Steuerbasis.
Obwohl die Armutsrate beginnend mit der marktwirtschaftlich orientierten Wirtschaftspolitik der ersten BNP-Regierung im Jahr 1991 im Durchschnitt der 90er Jahre um 1% pro Jahr zurückging, leben noch immer fast40% der Bevölkerung unterhalb der nationalen („oberen“) Armutsgrenze (Kalorienverbrauch weniger als 2.221 kcal pro Tag im Jahr 2005; 1971: 70%). Etwa 25 Millionen werden zu den „extrem“ Armen Menschen gezählt. Unterernährung bleibt ein weit verbreitetes Phänomen. Durch die globale Nahrungsmittelkrise 2007/08 und den das Wachstum begrenzenden Auswirkungen der globalen Wirtschaftskrise 2008/09 dürfte sich der Prozess der Armutsminderung verlangsamt haben. .
Die Inflationsrate liegt zur Zeit bei rund 7%.
Außenhandel
Die Exporterlöse sind im Haushaltsjahr 2008/09 um 10% (Vorjahr +16%) auf 15,56 Milliarden US-Dollar gestiegen. Bedeutendste Absatzmärkte sind die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und die USA, die zusammen mehr als 80% aller in Bangladesch produzierten Waren abnehmen. Hauptexportgüter sind mit ca. 75% Bekleidungsartikel. Tiefgefrorene Meeresfrüchte (4%), Jutewaren (4%) und Lederwaren (2%) folgen.
Der Wert der Einfuhren stieg im Haushaltsjahr 2008/09 lediglich um 4% (Vorjahr + 26%) vor allem auf Grund der weltweit niedrigen Rohstoffpreise und betrug rund 22,5 Milliarden US-Dollar. Hauptlieferländer sind China, Indien und Singapur . Eingeführt werden Nahrungsmittel, Garne, Fasern, Stoffe, Mineralöle und Investitionsgüter. Lieferungen im Zusammenhang mit Projekten der Entwicklungszusammenarbeit spielen dabei eine erhebliche Rolle.
Private ausländische Direktinvestitionen haben trotz der in den vergangenen Jahren eingeleiteten staatlicher Fördermaßnahmen (steuerliche Vergünstigungen, Errichtung von Exportzonen) ein im regionalen Vergleich geringes Niveau. Etwa die Hälfte der ausländischen Investitionen fließen in den Öl- und Gas-Bereich und die Telekommunikation. Auf den Dienstleistungssektor und auf die verarbeitende Industrie (Textil, Zement und Düngemittel) entfallen jeweils etwa ein Viertel der Direktinvestitionen.
Deutsche Direktinvestitionen haben mit bislang rund 50 Millionen Euro nur geringe Bedeutung. Verstärkt engagieren sich deutsche Transport- und Logistikunternehmen. Deutsche Reeder sind im Schiffbau engagiert.
Den vergleichsweise günstigen gesetzlichen Bedingungen für Auslandsinvestitionen stehen in der Wirklichkeit Bangladeschs erschwerende Faktoren wie ungenügende Infrastruktur im Verkehrs- und Energiebereich und eine schwerfällige Bürokratie entgegen.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.