Aserbaidschan
Beziehungen zu Deutschland
Stand: Juni 2009
Politische Beziehungen
Die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Aserbaidschan entwickeln sich gut. Aserbaidschan sieht in Deutschland seinen wichtigsten Partner in Westeuropa. Der aserbaidschanische Staatspräsident Ilham Alijew besuchte Deutschland 2004, 2006 und 2007.
Wirtschaftliche Beziehungen
Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1991 fördert die aserbaidschanische Regierung die großen Erdöl- und Erdgasreserven des Kaspischen Meers mit Hilfe westlicher Unternehmen. Der durch die Einnahmen aus der Ölförderung und großen Investitionsvorhaben ausgelöste wirtschaftliche Aufschwung Aserbaidschans schlägt sich auch in den Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland nieder. 2008 erreichte der Umsatz im bilateralen Warenhandel 2,4 Mrd. Euro. Deutschland bezieht aus Aserbaidschan in erster Linie Erdöl. Bei der Ausfuhr stehen Kraftfahrzeuge, Eisen- und Stahlerzeugnisse sowie Maschinen und Fabrikationsanlagen im Vordergrund. Einige deutsche Energieunternehmen zeigen nachhaltiges Interesse an Explorations- und Produktionstätigkeit im Öl- und Gasbereich. Wichtigster Handelspartner von Aserbaidschan ist die EU.
Für Deutschland ist Aserbaidschan der wichtigste Wirtschaftspartner im Kaukasus. Im Jahr 2008 bezog Deutschland 3,4 Mio t. Erdöl aus Aserbaidschan. Damit liegt das Land auf Platz 6 der wichtigsten Rohöllieferanten Deutschlands. Im Jahr 2008 wurde für 532 Mio. Euro Güter aus Deutschland nach Aserbaidschan ausgeführt.
Entwicklungspolitische Zusammenarbeit
Bei der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit steht die Entwicklung der Marktwirtschaft und die Förderung der Privatwirtschaft außerhalb des Öl- und Gassektors im Vordergrund. Die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) unterstützt einzelne Betriebe und die zuständigen Behörden durch die Erstellung von Unternehmensplänen, Entwicklungs- und Marktanalysen. Ein weiteres wichtiges Vorhaben ist die Entwicklung des Kreditwesens durch eine Reihe von Maßnahmen der Finanziellen und Technischen Zusammenarbeit (Mikrofinanzbank, Deutsch-aserbaidschanischer Fonds, Unterstützung des Privatkundengeschäfts). Ein politisch wichtiger Bereich ist die Unterstützung der Rechts- und Gerichtsreform. Die Rehabilitierung der Trinkwasserversorgung für mehr als 145.000 Einwohner in ausgesuchten Provinzzentren sowie Programme zur Tuberkulosebekämpfung bilden zusätzliche Schwerpunkte der Entwicklungszusammenarbeit, die durch die auch Armenien und Georgien umfassende Kaukasus-Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung verstärkt worden ist.
Kulturelle Beziehungen
In den Kulturbeziehungen kann an die deutsche Siedlungstradition seit Anfang des 19. Jahrhunderts angeknüpft werden. In Baku, aber auch in Goy Göl, dem ehemaligen Helenendorf, im Westen Aserbaidschans, erinnern zahlreiche Baudenkmäler daran, dass sich Mitte des 19. Jahrhunderts schwäbische Siedler im Südkaukasus niedergelassen hatten. In Baku befindet sich noch eine evangelische Kirche, die von deutschen Architekten gebaut wurde. In Goy Göl, dem ehemaligen Helenendorf, lassen sich noch viele ursprüngliche Schwabengehöfte und eine lutherisch-evangelische Kirche bewundern. Die Bundesregierung hat die Kirche mit erheblichem Kostenaufwand restauriert und im Februar 2008 an die Stadtverwaltung von Goy Göl übergeben.
Das Deutschlandbild ist positiv, seit 1995 gibt es ein bilaterales Kulturabkommen. 2008 hat Aserbaidschan sein erstes Kulturjahr im Ausland veranstaltet und dafür Deutschland ausgewählt.
Im Jahr 2009 führt die deutsche Botschaft Baku "Deutschlandwochen in Aserbaidschan" unter dem Motto "Deutschland erleben" durch. In diesem Rahmen präsentiert die Botschaft während des ganzen Jahres ein umfangreiches Kulturprogramm, das im Wesentlichen Ausstellungen (Architektur, kunst, Fotos, Bücher), Konzerte, Symposien, Konferenzen und Filmvorführungen bietet. Eine wichtige Säule der Kulturarbeit ist der deutsch-aserbaidschanische Kulturverein, der das Kapellhaus, eine Begegnungsstätte, betreibt. Hier finden das ganze Jahr über zahlreiche Kulturveranstaltungen statt.
Das mit Hilfe einer Wintershall-Spende wiederaufgebaute Kapellhaus bietet ansprechende Räumlichkeiten für den deutsch-aserbaidschanischen Kulturaustausch. Hier finden regelmäßig Kulturveranstaltungen, wie Konzerte, Filmvorführungen und Autorenlesungen statt.
Das Interesse am Erlernen der deutschen Sprache ist weiterhin hoch. Deutsch ist nach Englisch die wichtigste Fremdsprache. Deutsch wird an zahlreichen Schulen gelehrt, ebenfalls an der Fremdsprachenuniversität. Seit November 2004 wird Deutsch auch erstmals an sieben Schulen in der Primarstufe (entspricht der Grundschule) unterrichtet.
Da die Eröffnung eines Goethe-Instituts mittelfristig nicht geplant ist, wurde 1998 ein deutscher Lesesaal mit rund 8.000 Medien an der Fremdsprachenuniversität eingerichtet, in dem Studenten, aber auch andere Interessierte deutschsprachige Bücher ausleihen und deutschsprachige Zeitungen und Zeitschriften lesen können. Im Februar 2009 hat das Sprachlernzentrum (SLZ) Aserbaidschan seinen Unterrichtsbetrieb in Baku aufgenommen. Das SLZ ist Kooperationspartner des Goethe-Instituts und bietet Deutschunterricht für Erwachsene und Jugendliche an. Zuvor hatte die Botschaft eigene Deutschkurse durchgeführt.
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) vergibt jährlich zahlreiche Stipendien und fördert den Wissenschaftleraustausch. Es besteht eine Hochschulpartnerschaft zwischen der Fachhochschule Köln und der Technischen Universität Baku sowie der Universität Bonn und der Akademie der Wissenschaften in Aserbaidschan.
Ein DAAD-Lektor fördert die Verbesserung der Qualität des Deutschunterrichts. Das Goethe-Institut gewährt regelmäßig Bücher- und Ausrüstungsspenden an aserbaidschanische Hochschulen. Das Interesse an der deutschen Sprache ist aber weit größer als die deutschen Förderungsmöglichkeiten.
Zwischen Ludwigshafen und Sumgait besteht eine Städtepartnerschaft. Aserbaidschan bekennt sich zur Rückgabe unrechtmäßig erworbener Kulturgüter. Am Rande des OSZE-Gipfels in Istanbul 1999 übergab der damalige Staatspräsident Heydar Alijew Bundeskanzler Schröder zwei im Zweiten Weltkrieg durch sowjetische Soldaten entwendete Meisterzeichnungen der Bremer Kunsthalle. Weitere zwölf Zeichnungen wurden im Juli 2001 in New York an Deutschland zurückgegeben.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.