Armenien
Wirtschaftspolitik
Stand: Oktober 2009
Allgemein
Im Zuge des Zerfalles der Sowjetunion und des sowjetischen Wirtschaftssystems, verbunden mit einer Unterbrechung der Energieversorgung in den 90er Jahren, hatte Armenien einen fast vollständigen Zusammenbruch seiner Industriestruktur erlebt. Als Katalysator im negativen Sinne wirkten hierbei das verheerende Erdbeben 1988 sowie die kriegerischen Auseinandersetzungen mit Aserbaidschan um die Region Nagorny-Karabach, verbunden mit einer bis heute andauernden Isolation und Grenzschließungen durch Aserbaidschan und die Türkei.
Von 1994 bis 2008 wuchs die armenische Wirtschaft jedoch ohne Unterbrechungen, in den Jahren 2001 bis 2007 durchschnittlich 13% pro Jahr, erreichte allerdings erst im Jahre 2004 wieder den Stand von 1990.
Erste Auswirkungen der Finanzkrise führten zu einer Verminderung des BIP-Wachstums im Jahre 2008 auf 6,8%, nach Schätzungen von Regierung und IWF könnte die armenische Wirtschaft 2009 um 15% schrumpfen (Rückgang des BIP von Januar bis August 2009: 18,4%).
Bereits im ersten Quartal 2009 führte das gleichzeitige und signifikante Abfallen von Exporten, Rücküberweisungen, Direktinvestitionen und privaten Kapitalzuflüssen zu einem akuten und hohen Zahlungsbilanzdefizit Armeniens. Die erforderlich gewordene Freigabe des Wechselkurses des Dram führte Anfang März zu einer Abwertung von gut 20%. Kredite durch IWF, Weltbank, Russland und anderen Gebern über zusammen mehr als 2 Mrd. Euro wurden bereits bewilligt.
Wirtschaftsklima
Von der weltweiten Wirtschaftskrise war Armenien zum einen wegen der fallenden Weltmarktpreise für die Hauptexportgüter Kupfer und Molybdän betroffen, die zeitweise um zwei Drittel gesunken waren. Dadurch konnten die hiesigen Bergbauunternehmen nicht mehr rentabel produzieren. Die Produktion wurde zum großen Teil eingestellt, ist inzwischen aber, aufgrund wieder steigender Preise, erneut aufgenommen worden. Die Produktion von armenischem Brandy ging im Zeitraum Januar - August 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 49,8% zurück. Insgesamt schrumpfte der armenische Export im ersten Halbjahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr.um 46%.
Zum anderen kam es zu einen Einbruch von Rücküberweisungen, Direktinvestitionen und privaten Kapitalzuflüssen. Einer der Gründe hierfür sind die Auswirkungen der Krise in Russland. Die armenische Diaspora dort umfasste bislang bis zu ca. 2 Millionen Menschen, darunter viele Arbeitsmigranten, die traditionell Geld, meist für den privaten Konsum, an ihre Familien in Armenien übersandt hatten. Nach Informationen der Zentralbank soll das Volumen der Geldtransfers allein aus der Russischen Föderation von 60,17 Mio. USD im Januar 2008 um 28% auf 43,58 Mio. USD im Januar 2009 gefallen sein. Insgesamt kam es von Januar bis August zu einem Absinken der privaten Überweisungen um 40%. In den letzten Jahren waren jeweils Steigerungsraten von 25-30% zu verzeichnen gewesen.
Die Mitte 2008 durch massive Interventionen eingeführte Stützung des Dram musste am 03.03.2009 aufgegeben werden. Der Dram büßte daraufhin an einem Tag gut 20% seines Wertes gegenüber Euro / US-Dollar ein.
Die durchschnittliche Inflationsrate betrug 2008 9% (2007: 4,4%) und fiel für den Zeitraum Januar bis Juni 2009 auf 2,7%.
Die Arbeitslosenquote lag im Juni 2009 offiziell bei 6,7% (2008: 6,3%). Die tatsächliche Arbeitslosigkeit ist jedoch erheblich höher. Es sind sehr viele Menschen im informellen Sektor tätig, Einkommen werden oft nicht versteuert. Bis Jahresende 2009 wird aufgrund der Finanzkrise mit einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosenzahlen gerechnet.
Armenien ist Mitglied der EBWE, des IWF, der Weltbank, der WTO, der AEB (Asiatische Entwicklungsbank) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit in der Schwarzmeerregion (BSEC).
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.