Argentinien
Beziehungen zwischen Argentinien und Deutschland
Stand: Februar 2010
Politische Beziehungen
Die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Argentinien blicken auf eine über 150 Jahre lange, ausgezeichnete Geschichte der Zusammenarbeit zurück. Politische Gespräche und gegenseitige Besuche auf allen Ebenen finden regelmäßig statt.
Ex-Präsident Néstor Kirchner traf 2005 in Berlin mit Bundespräsident Köhler und dem damaligen Bundeskanzler Schröder zusammen. Bundeskanzlerin Angela Merkel führte im Mai 2008 am Rande des EU-LAK-Gipfels in Lima Gespräche mit Präsidentin Christina Fernández de Kirchner. Außenminister Taiana besuchte im September 2007 Berlin. Der damalige Wirtschaftsminister Glos traf im November 2007 mit der damals gerade gewählten Präsidentin in Buenos Aires zusammen.
Im April 2009 führte der damalige Verteidigungsminister Jung in Buenos Aires Gespräche mit seiner argentinischen Amtskollegin Garré, Außenminister Taiana und dem damaligen Kabinettschef Massa. Im Februar 2009 besuchte eine Delegation des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technologie des Deutschen Bundestages Argentinien. Der Wehrbeauftragte Robbe führte im Juli 2008 Gespräche mit Verteidigungsministerin Garré und nahm an einem Seminar zur Integration der Streitkräfte in den demokratischen Staat teil. Ebenfalls zu Gast in Argentinien waren 2008 Delegationen des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und der Berichterstatter für Lateinamerika im Auswärtigen Ausschuss, MdB Dr. Lothar Mark.
Wirtschaftsbeziehungen
Die Importe aus Argentinien nach Deutschland gingen in den ersten 11 Monaten 2009 um knapp 21% auf USD 1,86 Mrd. zurück (Jan-Nov. 2008: USD 2,34; Gesamt 2008: USD 2,51 Mrd.). Die deutschen Exporte nach Argentinien fielen um 31% auf USD 1,73 Mrd. (Jan-Nov. 2008: USD 2,52; Gesamt 2008: USD 2,72 Mrd.). In Euro fallen die Rückgänge wegen Wechselkursschwankungen geringer aus (-16% bei Importen und -27% bei Exporten). Nach Berechnungen des argentinischen Statistikamtes INDEC ist das bilaterale Handelsvolumen noch weniger gesunken (-14% deutsche Importe aus Argentinien und -23% bei Exporten).
Deutschland behält seine Positionen bei den argentinischen Warenein- und ausfuhren bei und rangiert bei Importen an vierter Stelle hinter Brasilien, USA und China, und bei den argentinischen Exporten an neunter Stelle. (Argentinien steht bei den deutschen Exporten an 50. Stelle und bei den Importen an 49. Stelle.)
Die deutschen Importe aus Argentinien werden dominiert von Rohstoffen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen (herausragend: Fleisch und Fleischwaren mit 18% sowie Kupfererze mit 17% und Ölkuchen mit 16% der Exporte). Deutschland ist der größte Abnehmer argentinischen Rindfleischs in der EU. Weiterhin kommen beispielsweise ca. 30% des von Deutschland eingeführten Honigs aus Argentinien.
Bei den deutschen Exporten nach Argentinien stehen traditionell industrielle Erzeugnisse, insbesondere Fahrzeuge und Fahrzeugteile (2009: 26%; 2008: 29%), Maschinen (2009: 21%; 2008: 22%), sowie pharmazeutische und chemische Erzeugnisse (2009: 16%; 2008: 13% der argentinischen Einfuhren) im Vordergrund. Zu den am stärksten von der Wirtschaftskrise betroffenen Produktgruppen, deren Einfuhren aus Deutschland am meisten einbrachen, zählen Fahrzeuge und Fahrzeugteile, Metallwaren sowie Papier und Pappe mit je -42%. Am wenigsten betroffen waren medizinische Geräte, Mess- und Steuertechnik (-9%), Elektronik und Elektrotechnik (-16%) sowie pharmazeutische und chemische Erzeugnisse (-18%).
Buenos Aires ist Sitz der Deutsch-Argentinischen Industrie- und Handelskammer, die 825 Mitglieder zählt, und des Büros des Korrespondenten der German Trade and Invest (frühere Bundesagentur für Außenwirtschaft). Ein Investitionsschutzabkommen zwischen Argentinien und Deutschland ist seit November 1993 in Kraft. Seit 1978 besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen.
Wissenschaftliche Zusammenarbeit
Deutschland hat als Land der Technologie Vorbildfunktion und wird als Partner geschätzt. Daher auch die wachsende Bedeutung der bilateralen wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit (Rahmenabkommen vom 31.03.1969).
2007 hat die Max-Planck-Gesellschaft beschlossen, ihr weltweit erst drittes ausländisches Partnerinstitut (Biotechnologie/medizin) in Buenos Aires im wissenschaftlichen Zentrum („polo científico“) zu eröffnen. Die Bauarbeiten haben im September 2009 begonnen; 2010 ist die Eröffnung als eines der Hauptereignisse der Bicentenario-Feierlichkeiten in Argentinien vorgesehen.
Im November 2008 fand das Treffen der gemischten Kommission und die 10-jährige Feier der Zusammenarbeit mit dem BMBF im Rahmen einer deutsch-argentinischen Wissenschaftswoche statt. Die Kommission beschloss folgende Förderschwerpunkte: Umweltforschung und -technologie, einschließlich erneuerbare Energien, Medizin, Biotechnologie, Meeres- und Polarforschung, Materialforschung und Physikalische und Chemische Technologie, Nanotechnologie, Informations- und Kommunikationswissenschaften und Sozialwissenschaften.
Hochschulzusammenarbeit
Argentinien ist Schwerpunktland der deutschen Hochschulzusammenarbeit mit Lateinamerika. Im Jahr 2000 hat der DAAD in Buenos Aires ein Informationszentrum eingerichtet. 2008 wurden 460 argentinische und 269 deutsche Studierende und Wissenschaftler in den verschiedenen Stipendienprogrammen des DAAD mit deutschen Mitteln gefördert. Es bestehen vielfältige Kooperationsvereinbarungen mit dem argentinischen Bildungsministerium, dem Wissenschaftsministerium, der Wissenschaftsorganisation CONICET und den zwölf renommiertesten Nationaluniversitäten des Landes. Insgesamt fünf DAAD-Lektorate sind in Buenos Aires, Córdoba und Tucumán angesiedelt, sowie zwei Langzeitdozenturen in Buenos Aires (DAAD-Lehrstuhl Walter-Gropius in Architektur und Dozentur für Öffentliches und Verwaltungsrecht).
Zwischen den Universitäten beider Länder bestehen 82 Kooperationen unterschiedlicher Intensität, bis hin zu gemeinsamen internationalen Studiengängen mit Doppelabschluss. Größtes Projekt ist derzeit das erste komplett englischsprachige internationale Postgraduierten-Programm Biomedical Sciences der Universitäten Freiburg und Buenos Aires, das im Oktober 2008 den Lehrbetrieb aufgenommen hat.
Die deutschen Unternehmen in Argentinien haben sich im Februar 2009 zu einem Förderverein zusammengeschlossen, der das Ziel verfolgt, zu den Bicentenario-Feiern 2010 ein deutsch-argentinisches Hochschulkolleg zu gründen, das Doppeldiplomstudiengänge anbieten soll. Sie arbeiten eng mit beiden Regierungen zusammen.
Entwicklungszusammenarbeit
Die letzten bilateralen TZ-Vorhaben sind Ende 2006 abgelaufen. Das CIM-Programm, das die Zusammenarbeit in diesem Bereich fortführt, legt den Schwerpunkt auf effiziente Energienutzung, erneuerbare Energien und Klimaschutz. Seit Anfang 2010 sind 15 CIM-Experten in öffentlichen und privaten Institutionen tätig.
Humanitäre Hilfe
In den letzten Jahren hat die Bundesregierung den Opfern von Überschwemmungen in den Provinzen Santa Fé (2003 und 2007) und Chaco (2005) sowie eines Tornados in der Provinz Misiones (2009) humanitäre Soforthilfe zukommen lassen.
Kulturelle Beziehungen
Deutsche Kultur der Vergangenheit und Gegenwart genießt hohes Ansehen in Argentinien und ist im Kulturleben präsent. Die kulturelle Zusammenarbeit fußt auf der Grundlage des deutsch-argentinischen Kulturabkommens von 1973.
Argentinien ist 2010 als Gastland zur Frankfuter Buchmesse eingeladen.
Deutsche Schulen
Eingebunden in das staatlich anerkannte Bildungssystem sind die 20 von Deutschland unterstützten (Privat-)Schulen, an denen landesweit fast 16.000 Schüler unterrichtet werden. Deutsch als Fremdsprache bieten weitere 13 Schulen an, die im Rahmen der sogenannten Partnerschulinitiative (Pasch) der Bundesregierung aus dem Jahre 2008 in die Förderung aus Deutschland aufgenommen wurden.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.