Algerien
Außenpolitik
Stand: März 2010
Grundlinien der Außenpolitik
Algerien gehörte seit seiner Unabhängigkeit zu den führenden Mitgliedern der Blockfreienbewegung. Präsident Bouteflika engagiert sich als Vermittler in innerafrikanischen Angelegenheiten sowie als Sprecher des Kontinents und hat sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass Algerien wieder einen wichtigen Platz bei der Gestaltung der internationalen Politik einnimmt. Algerien war 2004 und 2005 nichtständiges Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.
Für sein wirtschaftliches Privatisierungs- und Investitionsprogramm benötigt Algerien die Unterstützung des Auslands. Neben der Zusammenarbeit mit den arabischen Staaten misst es den Beziehungen zu den wichtigsten westlichen Industriestaaten (EU-Mitgliedsstaaten, USA) große Bedeutung bei. Ein Assoziierungsabkommen mit der EU wurde am 22. April 2002 in Valencia unterzeichnet und trat nach Ratifizierung auf beiden Seiten am 1. September 2005 in Kraft. Algerien baut zudem seine wirtschaftlichen und politischen Kontakte zu Russland und den asiatischen Staaten (vor allem China) aus.
Neben rein außenpolitischen Fragen spielen für Algerien bei den Beziehungen zu seinen internationalen Partnern auch Wirtschaftsinteressen (Öl/Gas) sowie die Bekämpfung des internationalen Terrorismus eine Rolle. Die algerische Regierung sieht sich als wichtigen Partner in der internationalen Koalition gegen den Terrorismus.
Die regionale Zusammenarbeit im Rahmen der Union des Arabischen Maghreb (UMA) bleibt erklärtes Ziel der algerischen Außenpolitik. Das Verhältnis zu Marokko ist seit Jahren gespannt, die Landgrenzen zwischen beiden Ländern sind geschlossen. Die weiterhin ungelöste Westsahara-Problematik erschwert eine Normalisierung.
Beziehungen zur Europäischen Union
Die Handelsbeziehungen zwischen der EU und Algerien sind eng. Im Jahr 2008 gingen etwa 48,7 Prozent des Gesamtwerts der algerischen Exporte in die EU (rund 39,9 Mrd. US-Dollar), gleichzeitig stammen 44,5 Prozent der algerischen Importe von dort (rund 20,84 Mrd. US-Dollar). Unter den 10 wichtigsten Handelspartnern Algeriens sind mit Italien, Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Belgien und Deutschland sechs EU-Mitglieder.
Die EU ist Hauptabnehmer algerischer Energie-Exporte. Dabei nimmt Erdgas eine herausragende Stellung ein: 90 Prozent der algerischen Gas-Exporte sind für den europäischen Markt bestimmt. Algerien ist drittgrößter Gaslieferant Europas und versorgt insbesondere die Mittelmeeranrainer Portugal, Spanien, Italien und Frankreich. Mit dem Bau von zwei neuen Pipeline-Verbindungen zwischen Algerien und Spanien bzw. Italien sollen die Transportkapazitäten zur Lieferung von Erdgas aus Algerien nach Europa in den nächsten Jahren weiter erhöht werden.
Ein Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union trat am 01.09.2005 in Kraft. Algerien wird damit Teil einer das gesamte Mittelmeer umspannenden Freihandelszone, die bis zum Jahr 2014 vollendet sein soll. Die EU unterstützt den Prozess der Restrukturierung und Öffnung der algerischen Wirtschaft mit Programmen zur finanziellen Zusammenarbeit (MEDA bzw. ENPI). In den Jahren 1996 bis 2001 wandte die EU 194 Millionen Euro hierfür auf, für die Jahre 2002 bis 2006 wurden 271 Millionen Euro bereitgestellt. Für den Zeitraum 2007 bis 2010 wird die EU insgesamt 220 Millionen Euro zur Verfügung stellen.
Hinweis
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