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Landesflagge Albanien
Wirtschaft

Stand: November 2007

Allgemeine Wirtschaftslage, Wirtschaftsstruktur

Seit dem Scheitern des staatlichen Zentralismus in Albanien 1991 und den bürgerkriegsähnlichen Zuständen nach dem Zusammenbruch von Schneeballsystemen im Finanzsektor 1997 konnten deutliche Fortschritte beim Aufbau marktwirtschaftlicher Strukturen erreicht werden. Unterstützt durch ein 1992 zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank (WB) eingeleitetes Reformprogramm wurden die Preise liberalisiert, Kleinbetriebe in allen Sektoren privatisiert und die Währung (Lek) konvertibel. Die albanische Wirtschaft wuchs in den vergangenen Jahren kontinuierlich zwischen 5 und 6 %. Die Inflationsrate verharrte in dem von der Zentralbank festgelegten Zielkorridor von 2% bis 4%. Sie betrug 2006 2,5 %, stieg in diesem Jahr jedoch auf 4 % an. Das Handelsbilanzdefizit hat sich im Jahr 2006 auf 2,258 Mrd. USD verschlechtert. Die Leistungsbilanz ist trotz der privaten Überweisungen der Auslandsalbaner in Höhe von 934 Mio. Euro weiter negativ, wobei das Defizit im Jahr 2006 207 Mio. Euro betrug.

Die Regierung verfolgt eine zurückhaltende Fiskalpolitik. Sie bemüht sich, das bisher schwierige Investitionsklima zu verbessern. Dennoch sind die schwache Verwaltung und Justiz oft nicht fähig und gelegentlich nicht willens, die - häufig wechselnden - Rechtsvorschriften anzuwenden. Im Konfliktfall ist Rechtsschutz durch die Justiz kaum zu erreichen.

Albanien wurde 1988 von dem zur OECD gehörenden DAC (Development Assistance Committee) als Entwicklungsland anerkannt. Das Land gehört seit 1991 IWF, Weltbank und EBRD an und wurde im September 2000 in die WTO aufgenommen. Das Land ist Mitglied der Schwarzmeerkooperation. Mit der EU besteht seit dem 26. Oktober 1992 ein Handels- und Kooperationsabkommen. Ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU wurde im Juni 2006 unterzeichnet, dessen handelspolitische Regelungen mittels eines Interimsabkommens im Dezember 2006 bereits in Kraft gesetzt wurden. Albanien, das bereits bilaterale Freihandelsabkommen mit Partnern in der Region unterzeichnet hat, unterstützt die Bemühungen zur Schaffung einer regionalen Freihandelszone. Im August 2007 ist das CEFTA-Abkommen in Kraft getreten, das die bilateralen Freihandelsabkommen unter den Partnern in der Region in eine regionale Freihandelszone überführt.

Binnenwirtschaft

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug 2006 9,1 Mrd. USD zu laufenden Preisen. Das entspricht einem Wachstum von 5%(real) im Jahre 2006 (nach 5,5% im Jahre 2005). Das Wirtschaftswachstum gründet sich auf eine anhaltende Aktivität der Bauindustrie, darüber hinaus auch von Kleingewerbe und Dienstleistungen. Landwirtschaft sowie Industrie und Bergbau kamen, bedingt durch die gravierende Energiekrise, die Produktionsausfälle zur Folge hatte, etwas langsamer voran. Die Landwirtschaft hat mit 20,7% nach wie vor einen bedeutenden Anteil am BIP; den Löwenanteil hält der Dienstleistungssektor mit 46,4%, gefolgt von der Bauwirtschaft mit 14,3%; in der Industrie wurden 9,7% erwirtschaftet, im Transportsektor 8,9%.

Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen lag 2006 bei 3.525 USD.

Der Dienstleistungssektor weist eine gemischte Bilanz auf: Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel entwickeln sich weiterhin rasant. In diesem Bereich kommen – ebenso wie in der Bauwirtschaft – Investitionen der Auslandsalbaner zum Tragen. Wachstumsbranche ist – auf niedrigem Niveau – auch der Tourismus; das Angebot wird bislang jedoch fast ausschließlich von Binnentouristen (Albanien/Kosovo/EJR Mazedonien) wahrgenommen. Auffällig ist der Aufschwung der Bauwirtschaft. Besonders die Textilwirtschaft (Lohnveredelung) hat aufgrund ihrer komparativen Lohnvorteile Konjunktur. Sie hat aber – vor allem wegen Problemen bei der Energieversorgung – Schwierigkeiten, den Anforderungen ausländischer Kunden gerecht zu werden.

Die Landwirtschaft hat sich nach der großen Landreform der ersten postkommunistischen Jahre gefangen. Problematisch ist die zu geringe Durchschnittsgröße der Höfe, deren Produktivität im europäischen Kontext kaum wettbewerbsfähig ist.

Die zahlreichen Infrastrukturprojekte machten in den vergangenen Jahren Fortschritte. Der Ausbau der Fernstraßen hat die Fahrtzeiten im Lande inzwischen beträchtlich reduziert. Gravierende Schwierigkeiten bei der Energie- und Wasserversorgung wirken sich negativ auf das Investitionsklima und das Wirtschaftswachstum aus.

Industrie und Bergbau funktionieren nur noch auf sehr bescheidenem Niveau. Viele Industrien, die in kommunistischer Zeit staatlich gefördert wurden, insbesondere die Schwerindustrie, konnten nicht aufrechterhalten werden. Die umweltverschmutzenden Altlasten dieser Betriebe erschweren eine Modernisierung; Ansätze ausländischer Investitionstätigkeit zeigen sich in der Stahl- und Zementherstellung.

Der Privatsektor beschäftigt 72% der Erwerbstätigen, davon, mit abnehmender Tendenz, 58% in der Landwirtschaft. Arbeitsplätze (meist ungelernter Arbeitskräfte) entstehen im Bau- und Transportwesen. Durch das Überangebot an Arbeitskräften sind die Löhne niedrig. Mindestanforderungen an Arbeitssicherheit werden – insbesondere im Baugewerbe – nicht eingehalten. In der Regel verfügen Arbeitnehmer über keinerlei Absicherung. Nach offiziellen Angaben lag die Arbeitslosenquote im Jahr 2006 bei 13,8%; tatsächlich dürfte die Quote bei über 30% liegen. Die Löhne sind in Albanien niedrig, durch die geringe Produktivität allerdings im regionalen Vergleich überproportional hoch. Der gesetzliche Mindestmonatslohn betrug 137 USD, der Durchschnittsmonatslohn im öffentlichen Sektor 293 USD (beides 2006).

Investitionen

Die Investitionsquote am Bruttoinlandsprodukt betrug im Jahr 2005 in Albanien 24,2%, wobei 5,3% auf öffentliche und 18,9% auf private Investitionen entfielen. Ausländische Direktinvestitionen betrugen nach 224 Mio. Euro im Jahr 2005 bereits 260 Mio. Euro im Jahr 2006.

Neben multilateralen oder staatlichen ausländischen Gebern – wie Weltbank, EU, Italien und Deutschland (KfW) – nehmen ausländische Direktinvestitionen an Bedeutung zu. Die multilateralen und staatlichen ausländischen Geber kümmern sich vornehmlich um die marode Infrastruktur des Landes. Nachdem die West-Ost-Verbindung vom größten Hafen des Landes, Durrës, zur mazedonischen Grenze sowie eine Nord-Süd-Verbindung von Montenegro nach Griechenland gut ausgebaut wurden, ist mittlerweile mit dem Bau einer Verbindungsstraße zwischen Durrës und dem Kosovo (Morines) begonnen worden. Dies ist eine der Prioritäten der albanischen Regierung. Der Erneuerung der Elektrizitätswerke bzw. dem Aufbau neuer Stromerzeugungskapazitäten haben sich neben der Weltbank die EU, die EBRD (Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung) sowie verschiedene bilaterale Geber (darunter auch Deutschland) angenommen. Die Krankenhäuser und Gesundheitszentren des Landes werden von der Weltbank in Kooperation mit der WHO, der EU, Italien und einer Reihe von Nichtregierungsorganisationen (NRO) rehabilitiert.

Der einzige internationale Flughafen Albaniens, Tirana, wird von einem deutsch-amerikanischen Konsortium unter der Führung von Hochtief seit Mitte 2004 betrieben. Im Frühjahr 2007 konnte hier der neugebaute Terminal eingeweiht werden. Aufgrund der weiter steigenden Passagierzahlen muss in naher Zukunft weiter ausgebaut werden, da der Flughafen trotz des Neubaus bereits jetzt schon wieder an der Grenze seiner Kapazitäten angelangt ist. Weitere Schwerpunkte für ausländische Direktinvestitionen sind die Telekommunikation und das Bankenwesen. Mittelständler, insbesondere aus Italien und Griechenland, engagieren sich in der verarbeitenden Industrie, z. B. in der Textil- und Schuhbranche, sowie in der Lebensmittelveredlung.

Einheimische Investitionen nahmen in einigen Sektoren (Einfuhr von Maschinen und Ausrüstung, Bauindustrie) stark zu. Hinzu kommen Investitionen der Auslandsalbaner, die in erster Linie Cafés und Restaurants, inzwischen aber auch kleinere Produktionsunternehmen eröffnen.

Die Regierung ist bemüht, das Investitionsklima durch Reformen des institutionellen und rechtlichen Rahmens zu verbessern. Das Programm "Albanien – ein Euro" soll mehr Rechts- und Planungssicherheit für ausländische Investoren schaffen. Ebenso gibt es nunmehr (zumindest theoretisch) die Möglichkeit, im Rahmen eines „one-stop-shop“ innerhalb eines Tages ein Unternehmen zu gründen. Aufgrund des großen Interesses und der nur unzureichend qualifizierten Mitarbeiter dauert dies jedoch momentan noch erheblich länger. Weiterhin problematisch ist für Investoren jedoch die Erstreitung ihres Rechts vor Gericht. Der Regierung Berisha gelangen seit ihrem Amtsantritt erhebliche Erfolge bei der Verbesserung der Arbeit der Zoll- und Steuerbehörden. Der Erwerb von Grundeigentum durch Ausländer ist möglich, wenn er von einer Investition begleitet wird, die in einem akzeptablen Verhältnis zum Wert des Grundstücks steht. 1998 wurde eine albanische Garantieagentur geschaffen, die Investoren mittels zweckgebundener internationaler Kredite gegen das Risiko politischer Instabilität absichern soll. Auch der Rücktransfer von Vermögenswerten ist möglich. Schließlich besteht ein Investitionsschutzabkommen mit Deutschland.

Die Sicherheitslage im Lande hat sich deutlich verbessert. Weiterhin gibt es jedoch Investitionshemmnisse. Rechtsvorschriften werden in rascher Folge geändert bzw. nicht angewandt und bieten daher keine verlässliche Basis für Investitionsentscheidungen. Aufgrund eines niedrigen Ausbildungsstandards ist qualifiziertes Personal rar. Vor diesem Hintergrund engagiert sich Deutschland beim Aufbau eines dualen Ausbildungssystems in Albanien (u.a. in Gründung begriffene Berufsakademie an der Universität Durrës).

Die Privatisierung der ehemaligen Staatsbetriebe ist mit Ausnahme von Anbietern öffentlicher Güter mit strategischer Bedeutung (Energie- und Wasserversorger, Eisenbahn, Häfen) weit fortgeschritten. Nach 1996 (Albanian Mobile Communications AMC) konnte im Januar 2001 eine zweite Mobiltelefonlizenz an ein anglo-griechisches Konsortium (Vodafone) verkauft werden. Die von der ehemaligen Regierung unter Fatos Nano beschlossene Privatisierung des Festnetzanbieters Albtelecom an einen türkischen Investor wurde von der neuen Regierung Berisha wegen des Vorwurfes eines intransparenten Vergabeverfahrens erneut überprüft, letztlich jedoch bestätigt. Die Versorgungsbetriebe des Landes (Wasser, Elektrizität) sind bisher nicht privatisiert; sie werden mit ausländischer Hilfe zunächst (verwaltungs-)technisch modernisiert. Eine Privatisierung des Energiesektors soll 2008 erfolgen. Mit dem Regierungsprogramm wird die Privatisierung weiterer großer Staatsunternehmen angestrebt, z. B. des Energieversorgungsunternehmens KESH und des Ölförderers ARMO. 40% der Anteile der staatlichen Versicherungsgesellschaft INSIG wurden zur Vorbereitung auf die Privatisierung an EBRD und IFC übertragen, die restlichen 60% sollen in Zukunft durch internationale Ausschreibungen angeboten werden.

Mit dem Regierungsprogramm wird die Privatisierung weiterer großer Staatsunternehmen angestrebt, z. B. des Energieversorgungsunternehmens KESH und des Ölförderers ARMO. 40% der Anteile der staatlichen Versicherungsgesellschaft INSIG wurden zur Vorbereitung auf die Privatisierung an EBRD und IFC übertragen, die restlichen 60% sollen in Zukunft durch internationale Ausschreibungen angeboten werden.

Fiskalpolitik

Die besonnene Fiskalpolitik Albaniens ist nach Ansicht von IWF und Weltbank zufriedenstellend. Albanien gelang es, die Staatseinnahmen zu steigern und gleichzeitig die Staatsausgaben, das Haushaltsdefizit und die inländische Kreditaufnahme weiter zu reduzieren. Die öffentliche Verschuldung konnte 2006 auf etwa 55,9 % des Bruttosozialprodukts zurückgeführt werden.

Geld- und Kreditpolitik

Die Bank von Albanien genießt weitgehende Unabhängigkeit, die im Gesetz über die Zentralbank verankert ist. Ihr Hauptziel ist die Wahrung der Preisstabilität. In Anbetracht der Aufwertungstendenzen der heimischen Währung, des beachtlichen Wirtschaftswachstums und des nur schwachen Inflationsdrucks (2,5%, d.h. am unteren Ende des Zielkorridors von 2 bis 4% im Jahre 2006) hat die Zentralbank im Jahr 2006 zunächst eine relativ weiche Geldpolitik verfolgt. Zu beobachten ist derzeit jedoch ein Anstieg der Inflationsrate auf 4%, welcher auf die Energiekrise und den damit einhergehenden Anstieg der Lebenshaltungskosten zurückzuführen ist. Der Basiszinssatz wurde zwischen Juni 2006 und September 2007 in vier 0,25%-Schritten von 5 auf 6% erhöht, um trotz des erhöhten Inflationsdrucks aufgrund höherer Energiepreise und einer Zunahme von Krediten für das Gesamtjahr 2007 eine Teuerung von 3% nicht zu überschreiten. Der Finanzsektor konnte bei den Konsumenten das in der schweren Krise 1997 verloren gegangene Vertrauen wieder weitgehend zurückgewinnen. Die Einlagen im Bankensystem als auch die Kreditvergabe haben 2006 erheblich zugenommen.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Zusatzinformationen:

Ansprechpartner in den Wirtschaftsdiensten der deutschen Auslandsvertretungen

Botschaft Tirana
Jan Rudolph
Tel.: (00355) 4/274505
Fax: (00355) 4/233497 eMail
www.tirana.diplo.de

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