Albanien
Kultur- und Bildungspolitik
Stand: Oktober 2008
Kulturelles Leben
Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems und 40 Jahren nahezu vollständiger Isolation war der Nachholbedarf Albaniens im kulturellen Bereich besonders groß. Seit dem Abklingen der bürgerkriegsähnlichen Unruhen von 1997 sowie des Kosovo-Krieges im Jahr 1999 hat sich auch das kulturelle Leben wieder belebt, ist aber nach wie vor stark auf private Initiativen und Sponsoring sowie internationale Förderung angewiesen. Regelmäßige kulturelle Veranstaltungen gibt es vorwiegend in der Hauptstadt Tirana. Hier finden sich eine unregelmäßig bespielte Oper, ein Theater, ein Puppentheater, mehrere Konzertsäle, eine Kunstakademie, eine (private und von Deutschland aus Mitteln des Stabilitätspakts für Südosteuropa geförderte) Filmhochschule und zwei Kinos. Die noch aus kommunistischer Zeit stammenden „Kulturpaläste“ in den Provinzstädten werden nur selten genutzt und sind oft dem langsamen Verfall preisgegeben. Außerdem leidet die Kulturszene unter der Abwanderung vieler bekannter Künstler, Musiker und Intellektueller, wobei nicht zuletzt auch die schmalen öffentlichen Gehälter und berufliche Perspektiven den Drang zur Auswanderung begünstigen. In der letzten Zeit ist jedoch verstärkt die Tendenz erkennbar, sich in Verbindung mit Auslandsaufenthalten und externer Förderung einen Wirkungskreis in Albanien aufzubauen. In Anbetracht dieser Umstände sowie der knappen staatlichen Mittel ist das Kulturleben dennoch verhältnismäßig rege, was vor allem auf das erhebliche persönliche Engagement der Akteure, die große Neugier der albanischen Bevölkerung gegenüber jeglichen Kulturangeboten sowie ausländische Unterstützung in unterschiedlichster Form zurückzuführen ist.
Universitäts- und Schulwesen
Eine Reform des Bildungswesens an Haupt und Gliedern ist eine erklärte Priorität der seit September 2005 amtierenden Regierung unter Sali Berisha. Erste Erfolge sind sichtbar: So wurde 2006 erstmals eine zentrale Abiturprüfung durchgeführt, die vor allem die grassierende Korruption bei den Entscheidungen über den Hochschulzugang eindämmen sollte. Ende 2006 wurde zudem ein Wissenschaftsrat eingerichtet. Ein neues Hochschulgesetz, das die Gremienwahlen an den Hochschulen demokratischer gestaltet und auch eine Reform der Akademie der Wissenschaften vorsieht, ist 2007 verabschiedet worden. Besonderes Augenmerk legt die Regierung außerdem auf den Bereich der beruflichen Bildung, der besonders unter veralteten Ausbildungsinhalten und mangelhafter Infrastruktur leidet.
Derzeit gibt es acht staatliche Universitäten mit zum Teil eingeschränktem Lehrangebot. Nur wenige von ihnen entsprechen jedoch internationalem Standard. Mit ihrer Beteiligung am Bologna-Prozess versuchen die albanischen Hochschulen, den Anschluss an Europa zu finden. In Anbetracht geringer Gehälter, fehlender oder oberflächlicher internationaler Kontakte und weit verbreiteter Korruption bleibt dies jedoch ein schwieriges Unterfangen. Eine tief greifende und inhaltliche Erneuerung der Universitäten blieb bislang weitgehend aus.
Die öffentlichen Schulen leiden unter ähnlichen Problemen. Das Unterrichtsniveau ist oft niedrig, die Lehrmethoden veraltet, die Gebäude und die Ausstattung häufig mangelhaft oder marode. Vielfach geht die Ausbildung an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes vorbei.
Wegen der häufig mangelhaften Ausstattung öffentliche Bildungseinrichtungen, gibt es in Albanien eine große und weiter wachsende Zahl privater Schulen und Universitäten von sehr unterschiedlicher Qualität. Wegen der teils sehr hohen Schulgebühren stehen diese aber nur einem kleinen Teil der Gesellschaft offen.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.