Afghanistan
Wirtschaft
Stand: Dezember 2009
Wirtschaft
Afghanistan zählt acht Jahre nach Beginn des internationalen Wiederaufbauengagements laut UNDP-Statistik immer noch zu den ärmsten Ländern der Erde und ist das ärmste Land außerhalb von Schwarzafrika. Industrieproduktion ist kaum vorhanden, 80% der Bevölkerung sind im landwirtschaftlichen Bereich tätig.
Dabei bemüht sich die afghanische Regierung um eine wirtschaftliche Erholung des Landes und hat Erfolge vorzuweisen: Das Bruttoinlandsprodukt wird von der IWF für 2008/2009 auf 597 Mrd. AFN (12,06 Mio. USD) geschätzt und hat sich damit in den letzten Jahren mehr als verdoppelt. Die Inflationsrate ist 2008 aufgrund einer massiven Erhöhung der Nahrungsmittel- und Treibstoffpreise stark angestiegen. Durchschnittlich lag sie bei 28,3% und damit deutlich über dem Vorjahreswert von 12,9% (2006: 4,8%).
Das Wirtschaftswachstumist im abgelaufenen Haushaltsjahr 2008/2009 (endete am 20. März 2009) mit 3,6% deutlich geringer ausgefallen als von der IWF prognostiziert (7,5%). Hauptverantwortlich ist die dürrebedingt gering ausgefallene Ernte. Im Durchschnitt der letzten Jahre lag die Wachstumsrate im zweistelligen Bereich, 2007/08 bei rd. 11,5%. Somit fiel das Wirtschaftswachstum strak hinter die solide Steigerungsrate der Vorjahre zurück.
Die Regierung hat für das Haushaltsjahr 2008/09 die mit der IWF für die Staatseinnahmenim Rahmen der Poverty Reduction and Groth Facility (PRGF)vereinbarte Zielmarke von 40 Mrd. AFN erreicht, dies aber nur, da die IWF den Zielwert im Laufe des Haushaltsjahres nach unten angepasst hat. Verbesserte Steuereintreibung, mehr Personal in den Steuerbehörden, aber auch höhere Zolleinnahmen bei der Mineralöleinfuhr haben zum Zuwachs beigetragen. Die Eigeneinnahmen decken lediglich ein Drittel des Staatshaushaltes.
Der Großteil der Staatsausgaben (50%) wird durch Subventionen und Zahlungen der internationalen Gemeinschaft finanziert, insbesondere die Ausgaben im Polizei-, Justiz-, Gesundheits- und Bildungssektor. Im Haushaltsjahr 2008/09 beliefen sich die Hilfsgelder auf ca. 60 Mrd AFN, ohne sie wäre der afghanische Staat nicht überlebensfähig. Weitere 17% werden durch Neuverschuldung beglichen. Darüberhinaus existiert in Afghanistan ein zweiter, externer Haushalt, der allein durch die internationale Gebergemeinschaft gespeist wird. Die Gelder (2008/09: 255,6 Mrd. AFN) fließen direkt in Projekte und Programme, ohne durch den afghanischen Staatshaushalt zugehen.
Deutliche Fortschritte bei der Entwicklung Afghanistans gibt es auch in den Sektoren Bildung(etwa 50% der schulpflichtigen Kinder gehen zur Schule; 2002: 22%) und Gesundheit(zwischen 80 und 85% der Menschen haben Zugang zu medizinischer Grundversorgung).
Gerade im ländlichen Raumbleiben die Herausforderungen angesichts mangelnder Infrastruktur und fehlenden Erwerbsmöglichkeiten außerhalb der Landwirtschaft besonders groß: Die Analphabetenquote liegt in ländlichen Regionen bei durchschnittlich 90%. Afghanistan verzeichnet außerdem v.a. wegen der Defizite auf dem Land immer noch die weltweit höchste Müttersterblichkeit mit über 2 Todesfällen pro 100 Geburten. 20% der Kinder werden keine 5 Jahre alt; die Lebenserwartung liegt bei etwa 45 Jahren.
80 - 90% der wirtschaftlichen Aktivitäten liegen außerdem im informellen und illegalen Sektor. Die Opiumproduktionverzeichnete 2007 einen Rekord mit 8.100 Tonnen und ist 2008 nur leicht gesunken. Die Mohnanbaufläche wurde 2009 im Vergleich zum Vorjahr deutlich reduziert (um 22% auf 123.000 ha) und konzentriert sich zunehmend auf einige wenige besonders unsichere Provinzen im Süden des Landes. Im Norden und Osten hingegen ist der Anbau sehr stark rückläufig. 2009 stieg die Zahl der schlafmohnfreien Provinzen auf 20 (von insgesamt 34) Provinzen an, darunterder deutscheVerantwortungsbereich im Nordendes Landes mit Ausnahme Badakhshans.
Trotz des Rückgangs hat die afghanische Drogenwirtschaft auch weiterhin einen Weltmarkanteil am Opium- und Heroinhandel von über 90%. Infolge des starken legalen Wirtschaftswachstums konnte gleichwohl – ungeachtet der mangelhaften Fortschritte bei der Bekämpfung von Drogenanbau und Handel – die Abhängigkeit der afghanischen Volkswirtschaft vom Drogenanbau verringert werden: Der Anteil des Drogeneinkommens am Bruttoinlandsprodukt sank nach Angaben der Weltbank von 61,7% 2002/03 auf etwa 33% im Jahr 2008.
Umwelt
Afghanistan ist mit erheblichen Umweltproblemen konfrontiert: Neben der rapide ansteigenden Luft- und Wasserverschmutzung in den Städten – insbesondere Kabul – nehmen in vielen Landesteilen Entwaldung, Bodendegradation und die Überbeanspruchung der Wasserressourcen besorgniserregende Dimensionen an.
Der Baumbestand Afghanistans hat insbesondere unter dem Raubbau in den Kriegsjahren stark gelitten; die Wiederbelebung der Bewässerungslandwirtschaft in Kombination mit den regelmäßig wiederkehrenden Dürrejahren verschärft die Überbeanspruchung der Wasserressourcen. Das erwartete Abschmelzen der Gletscher des zentralen Hochlands durch den Klimawandel wird das Wasserressourcenmanagement Afghanistans vor zusätzliche Herausforderungen stellen. Angesichts des raschen Bevölkerungswachstums können Ernährungssicherheit und die Reduktion der Armut in Afghanistan daher nur bei einem erfolgreichen Strukturwandel hin zu einer ressourceneffizienteren Landwirtschaft, bei einer Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur erreicht werden.
2007 wurden ein nationales Umweltgesetz sowie entsprechende Umsetzungsverordnungen verabschiedet, weitere Umweltschutz-Gesetzesvorhaben sind in Vorbereitung. Die nationale Umweltschutzbehörde Afghanistans (National Environment Protection Agency, NEPA) ist bislang jedoch schwach und kaum in der Lage, entsprechenden rechtlichen Vorgaben auch Geltung in der Praxis zu verschaffen.
Quellen: IWF, UNODC (United Nations Office on Drugs and Crime)
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.