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Landesflagge Äthiopien
Wirtschaft

Stand: September 2009

Kurzcharakterisierung

Äthiopien ist bei 80,71 Millionen Einwohnern mit einem Pro-Kopf-Einkommen von etwa 220 US-Dollar (2007) eines der ärmsten Länder der Welt (LLDC), auch wenn das Wachstum in den letzten sechs Jahren wesentlich über dem regionalen Durchschnitt lag. Ein Großteil der Bevölkerung lebt unter der absoluten Armutsgrenze, im Human Development Index liegt Äthiopien auf Platz 169 von 177 Ländern. Die strukturellen Probleme - einschneidender Einfluss von Dürreperioden auf die Landwirtschaft, rasches Bevölkerungswachstum und daraus resultierende Folgen für Wirtschaftswachstum, Umwelt und Ressourcen - bleiben trotz großer Anstrengungen ungelöst.

Wegen der vergleichsweise geringen Integration in die internationale Finanz- und Weltwirtschaft - insbesondere der Bankensektor ist nationalen Akteuren vorbehalten - ist Äthiopien bislang von den unmittelbaren Auswirkungen der globalen Finanz- und Weltwirtschaftskrise größtenteils verschont geblieben. Allerdings wirkt sich die Krise mittelbar über eine Reihe von Transmissionsmechanismen zunehmend auch auf die äthiopische Volkswirtschaft aus.

Das rasche Bevölkerungswachstum trägt zum Verharren in der Armut bei, wobei inzwischen die Zuwachsrate von 2,6 Prozent dem afrikanischen Durchschnitt entspricht. Äthiopien stellt jedoch bereits jetzt nach Nigeria die zweitgrößte Bevölkerung des Kontinents, die sich bei diesem Wachstum in knapp 30 Jahren verdoppelt haben wird, 2050 wird das Land zu den zehn bevölkerungsreichsten Staaten der Welt gehören.

Struktur der Wirtschaft

Äthiopien hat nach dem Fall des Derg-Regimes 1991 einen langen Weg von der Umstellung einer marxistischen Planwirtschaft zu einer offeneren Wirtschaftsform hinter sich. Zwar sind die meisten Preise freigegeben (wichtige Ausnahme: Treibstoffe) und Privatunternehmen fast überall zugelassen (zwar auch Banken, Versicherungen, Transportunternehmen, aber nur in äthiopischem Besitz), doch übt die Regierung unverändert durch staatliche Monopolunternehmen (u.a. Luftverkehr, Tele-kommunikation, Energieversorgung), parteinahe Unternehmensgruppen und eine kontrollierende Bürokratie beherrschenden Einfluss auf die Wirtschaft aus. Die äthiopische Regierung hält unver-ändert am traditionellen Landrecht fest, das kein privates Landeigentum zulässt.

Der wichtigste Erzeugerzweig bleibt die Landwirtschaft mit vier Fünftel der Erwerbstätigen, die 2007/2008 44,0 Prozent des BIP erzeugten. Von der Leistungsfähigkeit der landwirtschaftlichen Produktion hängt die Sicherheit der Lebensmittelversorgung ab, was bei über 13,6 Millionen Per-sonen, die chronisch oder vorübergehend von Hunger bedroht sind, besondere Bedeutung hat.

Wirtschaftsklima

Die fünf Jahre bis 2008 zeigten eine beeindruckende reale Wirtschaftswachstumsrate von durch-schnittlich fast 11,0 Prozent. Für 2009 liegt die IWF-Prognose bei immerhin noch 7,5 Prozent.

Durch regelmäßige Überarbeitung des Investment Codes von 1996 versucht die Regierung, Äthiopien als attraktives Land für Investitionen zu präsentieren. Die Investitionsbehörde (Ethiopian Investment Agency - EIA) soll im Sinne eines „One Stop“-Verfahrens einem ausländischen Investor binnen zwei Tagen alle rechtlichen Schritte zur Etablierung seines Unternehmens - einschließlich Landzuteilung und Arbeitserlaubnis – ermöglichen. Andere Hindernisse bleiben bestehen, wie Mängel der Infrastruktur, geringe Rechtssicherheit oder eine schleppende Verwaltung.

Äthiopien in der Weltwirtschaft

Außenwirtschaftlich bleibt das Land infolge hoher Leistungsbilanzdefizite, einer starken Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten und niedriger Devisenreserven anfällig, insbesondere, wenn sich wegen der weltweiten Wirtschaftskrise die privaten Kapitalflüsse verringern oder die Unterstützung der Geber für Äthiopien abnehmen sollte.

Äthiopien leidet unter einem strukturellen Handelsbilanzdefizit.

Die Exporte 2008/2009 betrugen geschätzt 1,622 Mrd. US-Dollar (von 1,189 Mill. US-Dollar im Jahr 2006/07 und 1,466 Mrd. US-Dollar 2007/08).

Das traditionell wichtigste Exportgut, Kaffee, mit dem noch in den 90er Jahren mehr als die Hälfte der Exporterlöse erzielt wurde, erbrachte 2007/08 wertmäßig 35,8Prozent der Exporteinnahmen, dahinter kamen Ölsaaten (14,9 Prozent), Hülsenfrüchte (9,8 Prozent), Blumen (7,6 Prozent) die Genussdroge Khat (7,4 Prozent), Leder und Lederprodukte (6,8 Prozent), und Gold (5,4 Prozent).

Die Importe stiegen auf geschätzte 7,714 Mrd. US-Dollar im Jahr 2008/2009 (2006/07: 5,128 Mrd. US-Dollar; 2007/08: 6,811 Mrd. US-Dollar). Wichtigste Importgüter waren 2007/08 Kapital- und Investitionsgüter: 24,8 Prozent, Konsumgüter: 23,4 Prozent und Treibstoffe: 22,3 Prozent.

Ende 2008 sanken die Devisenreserven bezogen auf den Wert der Güter- und Dienstleistungsimporte auf unter einen Monat (ein Wert unter 3 Monatsimporten gilt als zu niedrig). Inzwischen liegt der Wert bei 1,8 Monaten, ein prognostizierter Anstieg auf knapp 2,0 Monate bis Juni 2010 und 2,2 Monate bis Juni 2011 unterstreicht, dass das Problem der zu niedrigen Devisenreserven Äthiopien weiterhin belasten wird.

Aktuelle Wirtschaftsentwicklung und Konjunkturlage

Trotz der weltweiten Wirtschaftskrise gab es 2008/2009 nach IWF Schätzungen einen (realen) BIP-Zuwachs von 7,5 Prozent (2007/08: 11,6 Prozent, 2006/07: 11,5 Prozent) auf etwa 29,4 Mrd. US-Dollar. Dies ist das größte Wachstum aller nicht ölexportierenden Staaten in Subsahara-Afrika.

Die jährliche Inflationsrate beträgt nach Angaben des äthiopischen Statistischen Amts im Juni 2009 nur noch 2,3 Prozent (nach 14,1 Prozent im Mai und 23,2 Prozent im April). Im Juli 2008 hatte die Inflation mit 64,2 Prozent ihren Höhepunkt erreicht.

Die ausländischen Direktinvestitionen hatten sich in den letzten Jahren stetig nach oben entwickelt (von 365 Mio. US-Dollar 2005/06 auf 815 Mio. US-Dollar 2007/08), werden prognostiziert allerdings in den nächsten beiden Jahren auf etwa 650 Mio. US-Dollar zurückgehen.

Aufgrund der gestiegenen Nachfrage und gleichzeitig wegen der niedrigen Pegelstände in den Stauseen befindet sich Äthiopien seit einigen Monaten in einer akuten Energiekrise. Anfang April 2009 hatte EEPCo begonnen, für „nur“ etwa sechs Tage im Monat „Power Shedding“ vorzunehmen, die Frequenz der Stromabschaltungen musste in der Folge jedoch deutlich erhöht werden.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Zusatzinformationen:

Nützliche Links

Ansprechpartner in den Wirtschaftsdiensten der deutschen Auslandsvertretungen

Botschaft Addis Abeba
Carsten Hölscher
Tel.: (00251) 11 1 23 51 39
Fax: (00251) 11 1 23 51 52 eMail
www.addis-abeba.diplo.de

Entwicklungszusammenarbeit

Äthiopien ist Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Mehr dazu beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:



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