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Landesflagge Ägypten
Wirtschaft

Stand: März 2010 

Wirtschaftsstruktur

Die Regierung von Premierminister Nazif treibt den im Gange befindlichen Übergang Ägyptens von einer staatlich gelenkten Wirtschaftsordnung zu einer Marktwirtschaft durch umfangreiche wirtschaftliche Reformen seit 2005 aktiv voran. Ägypten ist heute nach Südafrika das am stärksten industrialisierte Land Afrikas (die Industrie hat inzwischen 35 Prozent Anteil am BIP), doch ist die Landwirtschaft mit einem Anteil von 15 Prozent nach wie vor eine wichtige Grundlage der Wirtschaft. Der Dienstleistungssektor erwirtschaftet die Hälfte des BIP.

Die ägyptische Wirtschaft ist stark von externen Einflüssen abhängig. Haupteinnahmequellen des Landes sind die Förderung und der Export von fossilen Energieträgern (Erdöl und Erdgas), die Einnahmen aus dem Tourismus, die Rücküberweisungen der ägyptischen Arbeitnehmer im Ausland sowie die Einnahmen aus dem Suez-Kanal. Sektorenschwerpunkte der ägyptischen Wirtschaft sind: Textil, Automotive, Medizintechnik und Schiffsbau.

Erdöl und Erdgas

Nachdem die Erdöl-Produktion bis 2009 mehr als 15 Jahre lang kontinuierlich leicht rückläufig war, wird für 2010 wieder mit einer Förderung von circa 720.000 Barrel pro Tag gerechnet. Zum Vergleich: 1990 hatte die Fördermenge noch 941.000 Barrel pro Tag betragen. Die Exporterlöse sind nach dem überproportionalen Anstieg 2008 aufgrund der phasenweise extrem hohen Weltmarktpreise für Erdöl 2009 wieder gesunken auf elf Milliarden US-Dollar (=7,6 Prozent BIP). Nach 40 neuen Funden stiegen die Erdöl-Reserven 2009 nach offiziellen Angaben auf 4,4 Milliarden Barrel an. Die Reserven an fossilen Brennstoffen in Ägypten sind begrenzt, Prognosen sehen ein Versiegen der Quellen bis spätestens 2040 voraus.

Die Erdgas-Produktion konnte in den letzten fünf Fiskaljahren um mehr als zwei Drittel gesteigert werden auf 69 Milliarden Kubikmeter. Nach 24 Erfolgsmeldungen 2009 bei Explorationsbohrungen werden die nachgewiesenen Erdgas-Reserven nunmehr mit 77,2 trillion cubic feet (tcf) angegeben. Ägypten hat damit zwar nur einen sehr kleinen Anteil am weltweiten Vorkommen (circa ein Prozent), gehört aber dennoch zu den 20 größten Erdgasproduzenten der Welt.

Tourismus

Der Tourismus-Sektor, der jeweils knapp 20 Prozent der gesamten Deviseneinnahmen Ägyptens erwirtschaftet und der Arbeitsplätze bereitstellt, war von der internationalen Rezession und den Auswirkungen der Schweinegrippe maßvoll betroffen. Auch die Entführung einer Touristengruppe im Gilf El Kebir 2008 sowie die Explosion in der Altstadt von Kairo im Frühjahr 2009 führten zu keinen nennenswerten Einbrüchen. 2009 erwirtschaftete die Tourismusbranche 10,76 Milliarden US-Dollar Devisen (minus zwei Prozent), das entspricht weiterhin circa elf Prozent des BIP. Deutschland verlor mit unverändert 1,2 Million Touristen seinen zweiten Platz in der Statistik der Herkunftsländer 2009 hinter Russland (über zwei Millionen) wieder an Großbritannien (1,36 Million), blieb aber deutlich vor Italien (1 Million).

Eine internationale Marketingkampagne („Egypt...where it all begins“), die Inbetriebnahme des hochmodernen Terminal 3 am Flughafen Kairo im Sommer 2009, die Modernisierung der übrigen Terminals sowie der Ausbau aller wichtigen Flughäfen des Landes sollen dazu beitragen, bis 2011 14 Millonen Touristen nach Ägypten zu bringen, bis 2022 gar 25 Millionen.

Überweisungen aus dem Ausland

Eine dritte wichtige Einnahmequelle der ägyptischen Volkswirtschaft sind Überweisungen von Auslandsägyptern. Nach einem sprunghaften Anstieg um im Boomjahr 2007/08 gingen sie 2008/09 um neun Prozent zurück. Sie machen damit aber immerhin noch vier Prozent des BIP aus. Der aus den Staaten des Golf-Kooperationsrats kommende Löwenanteil von 4,2 Milliarden US-Dollar brach nicht wie befürchtet ein, sondern verringerte sich nur um circa fünf Prozent. Die Transfers aus den USA hingegen machen nur noch ein Viertel aus. Die Auslandsägypter in Europa hingegen überwiesen 2008/09 16 Prozent mehr Geld nach Hause. Anzumerken ist hierbei, dass diese von der ägyptischen Zentralbank erfassten Zahlungsströme vermutlich nur die Hälfte der tatsächlich erfolgten Transfers abbilden.

Suez-Kanal

Der vierte große Devisenbringer für Ägypten, der Suez-Kanal, litt 2009 am meisten unter dem Einfluss der globalen Wirtschaftskrise: Stark gefallene Welthandelsströme schlugen sich in Rückgängen von 20 Prozent sowohl bei der Zahl der Schiffe als auch bei den Einnahmen aus den Benutzungsgebühren nieder. Nach Rekordwerten bei der Zahl der Schiffe und den Einnahmen im August 2008 wurde nach nur einem halben Jahr im Februar 2009 der Tiefpunkt erreicht. Seither ist wieder eine klar steigende Tendenz erkennbar, im Dezember 2009 wurde bereits wieder fast dasselbe Niveau erreicht wie Ende 2008.

Landwirtschaft

In der Landwirtschaft sind circa 27 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung beschäftigt. Der Agrarsektor verzeichnete im Fiskaljahr 2008/2009 ein Wachstum von 3,2 Prozent. Langfristig ist ein Ausbau des Sektors beabsichtigt, vor allem um Ägyptens Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten zu reduzieren. Durch die wachsende Bevölkerung wird die landwirtschaftlich nutzbare Fläche - 96 Prozent des Landes bestehen aus Wüste - immer geringer. Ägypten versucht mit anderen Anbaumethoden und Anbauarten zum Beispiel mit Reiszüchtungen und genmodifiziertem Getreide dem entgegenzuwirken.

Nachdem die entsprechenden Verhandlungen im Juni 2008 erfolgreich abgeschlossen wurden, kann man davon ausgehen, daß voraussichtlich Ende 2010 die EU-Einfuhrzölle für ägyptische Agrargüter zu 90 Prozent abgeschafft beziehungsweise schrittweise reduziert werden. Die Europäische Union ist bereits jetzt Zielmarkt für circa ein Drittel der ägyptischen Landwirtschaftsprodukte.

Wirtschaftslage und Politik der ägyptischen Regierung

Ägypten scheint die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise bereits weitgehend überstanden zu haben. Die wesentlichen Indikatoren geben derzeit zwar noch ein gemischtes Bild ab, die Tendenz zeigt aber wieder klar nach oben.

So stiegen die Werte für das Wirtschaftswachstum ab Anfang 2009 wieder kontinuierlich an. Das Haushaltsjahr 2008/09 schloss mit 4,7 Prozent ab, bis Ende 2009 wurden wieder 5,1 Prozent erreicht, ein im regionalen wie globalen Vergleich sehr guter Wert. Die beiden von der Regierung aufgelegten fiskalischen Konunkturpakete mit einem Gesamtvolumen von 4,1 Milliarden US-Dollar haben dazu beigetragen, eine Rezession zu verhindern. Mit den staatlichen Investitionen wurden Arbeitsplätze geschaffen, was Einkommen kreierte, die Inlandsnachfrage stimulierte und so auch wieder Produktionssteigerungen nach sich zog.

Die Inflationrate lag im vergangenen Haushaltsjahr bei neun Prozent. Bis Januar 2010 stieg die Teuerungsziffer im Gefolge nachfrageinduzierter Preissteige­rungen wieder auf 13,6 Prozent an.

Arbeitsmarktlage

Die Arbeitslosigkeit stieg nach offiziellen Angaben bis Ende 2009 auf 9,4 Prozent an. Die Konjunkturprogramme der Regierung haben nicht den erhofften Beschäftigungseffekt gehabt. Der ägyptische Arbeitsmarkt muß jährlich bis zu 750.000 Schul- und Universitätsabgänger absorbieren.

Wirtschaftsbeziehungen zur Europäischen Union

Die Europäische Union ist der bei weitem größte Handelspartner Ägyptens. Das EU-Assoziationsabkommen mit Ägypten ist zum 01.06.2004 in Kraft getreten. Das Abkommen enthält Regelungen zum politischen Dialog, zur Integration von Handel und Wirtschaft und zur sozialen und kulturellen Kooperation. Es wird über einen Zeitraum von 15 Jahren unter anderem einen gemeinsamen Wirtschaftsraum schaffen.

Voraussichtlich Ende 2010 wird der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten zwischen der EU und Ägypten zu 90 Prozent liberalisiert sein. Zölle und Quoten werden im Agrarbereich, von 23 Ausnahmen abgesehen, abgeschafft, nachdem diesbezügliche Verhandlungen im Juni 2008 erfolgreich abgeschlossen werden konnten.Im Jahr 2008 importierte die EU insgesamt Güter aus Ägypten im Wert von über acht Milliarden Euro, die Exporte der EU nach Ägypten beliefen sich auf 12,5 Milliarden Euro.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Zusatzinformationen:

Ansprechpartner in den Wirtschaftsdiensten der deutschen Auslandsvertretungen

Botschaft Kairo
Dr. Stefan Buchwald
Tel.: (00202) 2728 2052
Fax: (00202) 2728 2159 eMail
www.kairo.diplo.de

Nützliche Links

Entwicklungszusammenarbeit

Ägypten ist Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.
Schwerpunkte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Ägypten sind der Umwelt- und Klimaschutz – mit einem Fokus auf der Förderung erneuerbarer Energien – sowie die Wasserver- und Abwasserentsorgung. Darüber hinaus fördert die Bundesregierung die Privatwirtschaft sowie das Berufsbildungswesen.
Mehr dazu beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:



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