Ägypten
Beziehungen zu Deutschland
Stand: März 2010
Politische Beziehungen
Die politischen Beziehungen zwischen Ägypten und Deutschland sind durch intensive Zusammenarbeit und durch hochrangigen Besucheraustausch gekennzeichnet. Bundeskanzlerin Merkel war im Januar 2009, Bundesaußenminister Steinmeier war 2009 mehrfach zu bilateralen Besuchen bzw. internationalen Konferenzen in Ägypten. Der ägyptische Staatspräsident Mubarak war nach April 2008 zuletzt im März 2010 in Deutschland. Beim Besuch von Außenminister Abul-Gheit in Berlin im Dezember 2008 wurde ein bilateraler Lenkungsausschuss vereinbart. Er soll den weiteren Ausbau der erfolgreichen Kooperation und des politischen Dialogs koordinieren.
Kontakte bestehen in nahezu allen Bereichen. Mitglieder des Deutschen Bundestages, andere Bundesminister, Landesminister und Delegationen aus verschiedenen deutschen Städten reisen regelmäßig zu Gesprächen und gemeinsamen Aktivitäten nach Ägypten.
Zudem besteht eine besonders intensive wirtschaftliche Zusammenarbeit und ein vielfältiger Kultur- und Wissenschaftsaustausch.
Wirtschaftsbeziehungen
Ägypten ist für Deutschland der drittwichtigste Handelspartner im arabischen Raum. Der Warenaustausch sank 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11 Prozent auf rund 3,5 Milliarden Euro. Die deutschen Exporte nach Ägypten zeigten sich mit einem minus von 2,4 Prozent dabei relativ robust. Die deutschen Importe gingen um fast 30 Prozent auf das Niveau von 2006 zurück, was jedoch im wesentlichen auf die gesunkenen Weltmarktpreise für Öl und Gas zurückzuführen ist. Exportiert wurden zumeist Maschinen, Kfz-Teile, Elektronik und Arzneimittel.
Die deutschen Direktinvestitionen unterlagen in den vergangenen Jahren starken Schwankungen und lagen 2009 bei rund 260 Millionen Euro.
12,5 Millionen deutsche Touristen besuchten 2009 Ägypten; damit ist Deutschland nach Russland und Großbritannien drittstärkste Besuchernation in Ägypten und hat dank der längsten durchschnittlichen Verweildauer der deutschen Gäste im letzten Jahr einen Anteil von über 10 Prozent zu Ägyptens Tourismuseinnahmen beigetragen.
In Kairo ist eine primär für Ägypten zuständige regionale Auslandshandelskammer, die Deutsch-Arabische Industrie- und Handelskammer (DAIHK), seit über 50 Jahren erfolgreich tätig. Germany Trade and Invest (gtai) unterhält in Kairo ebenfalls ein Büro.
Entwicklungszusammenarbeit
Ägypten ist ein Schwerpunktland der deutschen Entwicklungspolitik. Mit Gesamtzusagen von rund 5,5 Milliarden Euro seit 1963 ist es eines der größten Empfängerländer der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Deutschland ist nach den USA und zusammen mit Weltbank, EU und Japan wichtigster EZ-Partner für Ägypten.
Bei den letzten Regierungsverhandlungen im Juni 2008 in Bonn wurden für die nächsten zwei Jahre Neuzusagen in der Höhe von 187 Millionen Euro vereinbart. Mit der ägyptischen Regierung wurden folgende Schwerpunkte der bilateralen Zusammenarbeit abgestimmt:
- Wasserwirtschaft: Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung, Be- und Entwässerung der Landwirtschaft
- Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Klimawandel: Wind-, Solar-, Wasserkraft, Abfallwirtschaft, industrieller Umweltschutz
Wichtigste laufende Projekte im Energiebereich sind derzeit das regionale Zentrum für erneuerbare Energien und Energieeffizienz (RCREEE) sowie das bilaterale Ägyptisch-Deutsche Hohe Komitee für Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Umweltschutz (CEE).
Das Regionalzentrum wurde zwischen Deutschland, Dänemark und der EU Kommission sowie zehn arabischen Mitgliedstaaten der Maghreb- und Mashrek-Region gegründet. Ägypten, Deutschland, Dänemark und die EU Kommission unterstützen das Zentrum technisch und finanziell. Später wird des Zentrum durch die zehn arabischen Mitgliedstaaten selbst getragen und finanziert.
Außerdem stellt Deutschland Mittel für die Förderung der Beteiligung von Frauen sowie für Maßnahmen in der Stadtteilsanierung zur Verfügung.
Kulturelle und wissenschaftliche Beziehungen
Wichtigste Grundlage für die bilateralen Kultur- und Wissenschaftsbeziehungen ist das deutsch-ägyptische Kulturabkommen vom 16. Oktober 1960 mit seiner Zusatzvereinbarung vom 10. April 1984. In Ägypten sind alle wichtigen deutschen Kulturmittlerorganisationen prominent vertreten.
Kultur und Bildung
Vier deutsche Schulen, gegründet 1873, 1884, 1904 und 1999 führen zum deutschen Abitur, bieten daneben aber auch berufsbildende Abschlüsse und die ägyptische Reifeprüfung an (Thanaweya). Die Schülerzahl beträgt insgesamt über 3.300. Daneben gibt es ca. 15 weitere private und staatliche Partnerschulen, die verstärkt Deutschunterricht, teilweise auch das Deutsche Sprachdiplom,anbieten. Zum weltweiten Netzwerk von Partnerschulen (PASCH-Initiative) gehören in Ägypten inzwischen 23 Schulen. Seit 2008 unterhält auch die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen in Kairo ein Regionalbüro.www.pasch-net.de
Die Kairo-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) wurde 1907 gegründet. Sie führt vor allem Grabungsprojekte bei antiken pharaonischen Stätten durch, und war auch mit der Restaurierung islamischer Baudenkmäler in der Altstadt von Kairo betraut. Weitere Grabungen werden von deutschen Archäologen außerhalb des DAI durchgeführt. Außerdem ist das DAI an der Dokumentation, wissenschaftlichen Bearbeitung, Veröffentlichung und Erhaltung ausgewählter Kunstwerke und Denkmäler in verschiedenen Museen Ägyptens beteiligt.
Bei der jährlichen Internationalen Buchmesse Kairo, auf der Deutschalnd 2006 das erste Ehrengastland der Messe war, ist Deutschland regelmäßig mit einem eigenen Stand vertreten.
Wissenschaft
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) unterhält eine Außenstelle in Kairo und wird im Mai 2010 sein 50jähriges Jubiläum in Ägypten begehen. Die Fraunhofer Gesellschaft sowie mehrere deutsche Universitäten sind mit Büros in Kairo vertreten.
Im Deutsch-Ägyptischen Jahr der Wissenschaften und Technologie 2007 schlossen Deutschland und Ägypten drei Kooperationsabkommen zur Förderung zusätzlicher Stipendien. Seit 2008 existiert der gemeinsame deutsch-ägyptische Forschungsfonds, mit dem gemeinsame Forschungsprojekte gefördert werden.
Hinweis
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