Humanitäre Hilfe in Somalia
Medizinisches Gerät auf dem Weg nach Somalia
(DRK)
Somalia ist einer der Schwerpunkte deutscher humanitärer Hilfe. Die humanitäre Lage im Land gehört zu den problematischsten überhaupt. Aufgrund der prekären Sicherheitslage sind die Hilfsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Phasenweise mussten sie ganz eingestellt werden. Landesweit gelten 1,6 Millionen Menschen aufgrund früherer oder aktueller Konflikte als binnenvertrieben. Besonders betroffene Regionen sind Zentral- und Südsomalia.
Deutsche Hilfsmaßnahmen
Mit 6,2 Millionen Euro förderte das Auswärtige Amt 2009 humanitäre Hilfsprojekte für die somalische Bevölkerung. Die Hilfe kommt den Menschen im Land selbst sowie in den Flüchtlingslagern in angrenzenden Staaten zugute.
So wurden zehn Projekte verschiedener deutscher und internationaler Hilfsorganisationen unterstützt, die elementare Hilfe zum Überleben geben: indem sie beispielsweise die sanitären Bedingungen und die Trinkwasserversorgung von Binnenvertriebenen verbessern.
Wichtige Voraussetzung für die Arbeit vor Ort ist, dass die Projektpartner vor Ort gut vernetzt sind. Weitere Projekte sind in Vorbereitung.
Humanitäre Lage
Die humanitäre Lage bleibt nicht zuletzt auf Grund der schwierigen Sicherheitslage (Bürgerkrieg, unkontrollierte Gewalt, Piraterie) katastrophal. Hauptursachen sind die sich verschlimmernde Dürre, der schwierige Zugang für Lebensmittellieferungen aus dem Ausland sowie der Anstieg der Lebensmittelpreise.
Angaben der Vereinten Nationen zufolge beträgt die Zahl der Bedürftigen, die humanitäre Hilfe benötigen, 3,8 Millionen (etwa die Hälfte der Gesamtbevölkerung). Zudem hat Somalia eine der höchsten Kinder- und Müttersterblichkeitsraten und eine der höchsten Unterernährungsraten weltweit.
Die bewaffneten Auseinandersetzungen, (2007/2008 kamen 16.000 Menschen ums Leben; 1,6 Millionen sind zur Zeit binnenvertrieben), einhergehend mit den dürrebedingten Ernteausfällen und Preisanstiegen, führte auch im Jahre 2009 wieder zu einer Verschlechterung der Versorgungslage und des Zugangs ausländischer Hilfsorganisationen. Letztere können nur sehr eingeschränkt und fast gar nicht mehr mit internationalem Personal vor Ort tätig sein.
Die katastrophale humanitäre Lage hat zu einer Verstärkung der Flüchtlingsbewegungen in die Nachbarländer geführt. Das Flüchtlingslager Dadaab im Nordosten Kenias, das ein Hauptziel somalischer Flüchtlinge darstellt, beherbergt nunmehr 285.000 Flüchtlinge. Über 500.000 somalische Flüchtlinge werden in Nachbarländern durch das UNHCR versorgt, darunter 300.000 in Kenia und über 150.000 im Jemen. Bei der äußerst gefährlichen Überfahrt durch den Golf von Aden in den Jemen sind in diesem Jahr bislang 273 Menschen ums Leben gekommen. Der Hilfsaufruf der Vereinten Nationen für Somalia 2009 beträgt knapp 850 Mio. US-Dollar, von denen bisher 53% bereit gestellt wurden.
Verteilung von Hilfsgütern
(Diakonie Katastrophenhilfe)
Gefährlicher Einsatz
Bereits 2008 wurden 30 humanitäre Helfer in Somalia getötet, mindestens zehn wurden Opfer einer Entführung. Auch 2009 setzte sich diese traurige Bilanz fort.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedete 2008 und 2009 mehrere Resolutionen, um Marineschiffe und Militärflugzeuge gegen die ausufernde Piraterie vor der Küste Somalias einzusetzen, die insbesondere die humanitären Hilfslieferungen des WFP ins Land behinderte.
Die europäische Mission "Atalanta", an der auch deutsche Marinekräfte beteiligt sind, startete Mitte Dezember 2008. Seit Beginn konnten mehr als 250.000 Tonnen Nahrungsmittel sicher zu somalischen Häfen eskortiert werden.
Weitere Informationen zu Somalia auf den Länderinformationsseiten bei diplo.de
Stand 26.10.2009