Chongqing – Zahlen und Fakten
Chongqing liegt im Südwesten Chinas am Jangtse-Fluss und hat 32 Milllionen Einwohner. Davon leben etwa fünf Millionen in der eigentlichen Stadt Chongqing und ungefähr 27 Millionen im Umland. Chongqing zählt (u.a. wegen seiner Funktion als Kriegshauptstadt 1937-1944) zu den alten Industriestädten Chinas, die auf der Schwerindustrie basieren. Die Metropole ist daher ein bedeutender Standort für die Maschinenbau-, Rüstungs- und Chemieindustrie, aber auch für Pharma-Firmen und die Produktion von Musikinstrumenten. Daneben dominieren vor allem Auto- und Motorradbau, Logistik und die Herstellung neuer Technologien die lokale Wirtschaft.
Chongqing hat eine Fläche von 82.400 Quadratkilometern, das entspricht etwa der Größe Bayerns und Thüringens zusammen. Mit dem Ausbau des Hafens und des Drei-Schluchten-Staudamms in der Nachbarprovinz Hubei wird die Metropole ab 2009 auch für Hochseeschiffe erreichbar sein. Drei Bahnlinien schließen die Stadt an das chinesische Eisenbahnnetz an, der internationale Flughafen bietet Verbindungen in mehrere asiatische Länder, u.a. nach Japan.
Verstopfte Straßen, schlechte Luft, wachsende Müllberge
Die Millionenstadt am Jangtse boomt: Seit Jahren wächst ihre Wirtschaft jährlich um mehr als 10 Prozent. 2006 erwirtschaftete Chongqing rund 7,5 Prozent des chinesischen Bruttoinlandsprodukts und wuchs um 12,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch der Handel mit Deutschland floriert: 2007 lieferten Unternehmen aus Chongqing Waren im Wert von 200 Millionen US-Dollar nach Deutschland, 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Deutsche Firmen verkauften im selben Zeitraum Waren im Wert von 425 Millionen US-Dollar nach Chongqing, eine Steigerung um 40 Prozent. Im April 2007 wurde die Einrichtung eines deutschen Industrieparks vereinbart, in dem sich neben der Automobilindustrie auch Unternehmen der Umwelt- und Medizintechnik ansiedeln sollen.
Der Wirtschaftsboom und die geographische Beschaffenheit stellen die Stadt jedoch vor gewaltige Herausforderungen. Chongqing selbst ist sehr hügelig und wird von drei Seiten von Bergen umgeben, die zwischen 1500 und 3000 Metern hoch sind – das führt zu hohen Kosten bei der Verkehrsplanung. Aufgrund der Hügeligkeit der Stadt wohnen die Menschen sehr eng aneinander. Bis 2020 plant Chongqing, sich in eine Metropole mit 15 Millionen Einwohnern zu verwandeln, verteilt auf eng vernetzte urbane Zentren. Die Folge: Der Bedarf an Wohnraum und damit an Heizung, Strom, Wasser und Abfallentsorgung wächst ständig. Mit zunehmendem Wohlstand steigt auch die Anzahl der Autos. Schon jetzt sind die Straßen tagsüber oft verstopft, eine witterungsbedingte Dunstglocke verschlechtert die Luftqualität, besonders im Sommer.
Der öffentliche Nahverkehr ist überlastet und wird derzeit um überirdische Monorailsysteme ausgebaut. Das sind S-Bahnen, nicht auf Schienen, sondern an einem Betonpfad auf Stelzen oberhalb der Straße fahren. Die Stadtregierung will bis 2010 etwa 100 Milliarden Euro in die Infrastruktur investieren. Sie hat großes Interesse am Austausch von Know-How im Bereich des energiesparenden Bauens. Denn der aktuelle Fünfjahresplan der chinesischen Regierung sieht vor, dass der Energieverbrauch in allen Bereichen bis 2010 um 20 Prozent reduziert werden soll. Auch an Konzepten für Mülltrennung, Wassermanagement und Versorgung gibt es Bedarf.
Stand 30.04.2008