Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika
In Afrika südlich der Sahara leben derzeit rund 750 Millionen Menschen in 48 Staaten. Im Jahr 2020 werden es wohl schon mehr als eine Milliarde sein. In den letzten Jahrzehnten haben sich viele dieser Staaten zu stabilen Demokratien entwickelt, einige erzielen ein beeindruckendes Wirtschaftswachstum.
Allerdings ist Afrika nach wie vor ein Kontinent mit schwerwiegenden Problemen: Afrika südlich der Sahara ist die einzige Region der Welt, in der die Armut in den vergangenen 20 Jahren noch zugenommen hat. Jeder vierte Bewohner leidet unter Bürgerkrieg, grenzübergreifenden Konflikten oder einer Regierung, die ihre Bürger nicht mehr versorgen und schützen kann. 5 Millionen Menschen sind aus ihrem Heimatland geflohen, über 12 Millionen leben als so genannte Binnenflüchtlinge im eigenen Land.
In Afrika leben 60 Prozent aller HIV-Infizierten, in manchen Ländern ist es jeder Vierte. Verschuldung, Kapitalflucht und ungerechte Regelungen des Welthandels, vor allem aber Korruption und Amtsmißbrauch hemmen die Entwicklung der Gesellschaften und der Wirtschaft in vielen Ländern.
Unterzeichnung des Umschuldungsabkommens "Liberia V" am 26.06.2008
(BMZ)
Chancen für Afrika unterstützen
Ziel der deutschen Außenpolitik ist es, die neue politische Dynamik zu nutzen, die viele Staaten Afrikas heute prägt.
Die internationale Gebergemeinschaft stimmt sich intensiv miteinander ab. Die Empfängerländer setzen sich aktiv mit ihren Bedürfnissen auseinander. African Ownership ist das Stichwort: Die wachsende internationale Übereinstimmung bei Entwicklungszielen und nationalen Armutsbekämpfungsstrategien bei Gebern wie Empfängern ist ermutigend.
Afrika südlich der Sahara profitiert wie keine andere Region der Welt von den Entschuldungs-Initiativen HIPC und MDRI. Ebenso kommt der globale Fonds zur Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose, der 2001 vom damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan initiiert wurde, vor allem Afrika zu Gute.
Millenniumentwicklungsziele: die Armut bis 2015 halbieren
Im September 2000 kamen Staats- und Regierungschefs aus 189 Ländern zur Millenniumskonferenz nach New York, dem bis dahin größten Gipfeltreffen der Vereinten Nationen.
Als Ergebnis des Treffens verabschiedeten sie die so genannte Millenniumserklärung. Aus ihr wurden später acht internationale Entwicklungsziele abgeleitet: die Millenniumsentwicklungsziele (Millennium Development Goals, MDGs). Die internationale Gemeinschaft hat sich verpflichtet, bis zum Jahr 2015 folgende Millenniumsentwicklungsziele zu erreichen:
Halbierung von Armut und Hunger
vollständige Primarschulausbildung für Jungen und Mädchen
Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung der Rechte von Frauen
Kindersterblichkeit reduzieren
Gesundheitversorgung von Müttern verbessern
Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen übertragbaren Krankheiten
den Schutz der Umwelt verbessern (ökologische Nachhaltigkeit)
Aufbau einer globalen Entwicklungspartnerschaft
Dazu wurden noch diverse Zielvorgaben gemacht: Die wichtigste betrifft die Weiterentwicklung eines offenen, regelgestützten, berechenbaren und nicht diskriminierenden Handels- und Finanzsystems, dazu die Verpflichtung auf eine gute Regierungs- und Verwaltungsführung (Stichwort: Good Governance).
Ob das gelingt, wird entscheidend von Entwicklungserfolgen in Afrika abhängen. In der „Erklärung von Paris“ zur Steigerung der Wirksamkeit von Entwicklungszusammenarbeit haben die afrikanischen Staaten und ihre internationalen Partner 2005 vereinbart, die gemeinschaftlichen Anstrengungen in den kommenden Jahren besser zu harmonisieren und aufeinander abzustimmen. Dennoch drohen in vielen Staaten zumindest einige der gesetzten Ziele zu scheitern.
Markt in Dire Dawa im Osten Äthiopiens
(picture-alliance/dpa)
Das Profil der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Afrika südlich der Sahara
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit wird vom BMZ koordiniert und Implementierungsorganisationen wie KfW und GTZ umgesetzt.
Deutschland nimmt die internationalen Vereinbarungen und die eingegangenen Verpflichtungen sehr ernst und konzentriert sich daher in Absprache mit seinen afrikanischen Partnern und den anderen Gebern zunehmend auf bestimmte Schwerpunkte der Zusammenarbeit.
Mehr Informationen dazu auf der Webseite des BMZ:
Finanzielle Ausstattung der Entwicklungszusammenarbeit
Unabhängig von sicherheitspolitischen Stabilisierungsmissionen ist es wichtig, dass Deutschlands langfristig angelegte Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika finanziell ausreichend ausgestattet bleibt.
Im Jahr 2008 flossen 30 Prozent der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit - das entspricht rund 1,87 Mrd. Euro - nach Afrika. Dies beinhaltet auch die nach Ländern zuordenbaren Maßnahmen des Auswärtigen Amts für Katastrophenhilfe, Krisenprävention, Konfliktbewältigung, Demokratisierung, Menschenrechte und Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik. Hinzu kommen die deutschen Beiträge zu globalen Maßnahmen sowie zu den Mitteln, die im Rahmen der Europäischen Union, der Vereinten Nationen (einschließlich VN-Friedensmissionen) und über Maßnahmen internationaler Finanzinstitutionen nach Afrika fließen.
Im Rahmen der EU und der G8 hat Deutschland sich verpflichtet, die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit bis zum Jahre 2010 von derzeit 0,37 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 0,51 Prozent und bis zum Jahre 2015 auf 0,7 Prozent zu erhöhen. Die Hälfte dieser zusätzlichen Mittel soll nach Afrika fließen. Dies wird der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika vielfältige neue Gestaltungsspielräume eröffnen.
Stand 30.07.2009