Zusammenarbeit mit Afghanistan im Bereich Bildung und Kultur
Das umfassende Engagement der Bundesregierung in Afghanistan erstreckt sich auch auf den Bereich der Bildungs- und Kulturpolitik. Schwerpunkt der Kultur- und Bildungszusammenarbeit mit Afghanistan ist der Aufbau einer aktiven und demokratischen afghanischen Zivilgesellschaft.
Schul, Universitäts -und Berufsildung
Sichtbare Fortschritte sind dabei besonders schon im Bereich Schulbildung festzustellen: Die Schülerzahl hat sich seit dem Sturz der Taleban auf ca. 6,5 Mio (2007) verfünffacht. Heute gehen ca. 2/3 der Jungen und die Hälfte der Mädchen in AFG zur Schule.
Das Auswärtige Amt unterstützt insbesondere drei weiterführende Schulen in Kabul (Amani-Jungenoberrealschule, Durani-Mädchengymnasium und das Jamhuriat verwaltungs- und Wirtschaftsgymnasium für Mädchen) materiell und personell mit deutschen Auslandslehrern.
Im Rahmen des Partnerschulprogramms wurden seit 2005 zudem an 17 staatlichen Schulen afghanische Ortslehrkräfte in verschiedenen Fachbereichen fortgebildet. Die Teilnehmer kommen dabei aus jeweils einer Jungen- und Mädchenschule der Städte Herat, Faisabad, Mazar-i-Sharif, Kunduz, Kabul (3 Schulen), Khost, Nangahar und Takhar. Insgesamt konnten bisher 140 Lehrkräfte in das Fortbildungsprogramm eingebunden werden, die als Multiplikatoren fungieren. Die Bildung von Mädchen und Frauen, die lange Zeit komplett aus dem Bildungssystem ausgeschlossen waren, kommt dabei besondere Bedeutung zu.
Deutschunterricht an afghanischen Schulen, Hochschulen und im berufsbegleitenden Bereich hat langjährige Tradition und wird durch vielfältige Maßnahmen des Goethe-Instituts und des DAAD-Lektorenprogramms seit 2002 maßgeblich unterstützt.
Der akademische Wiederaufbau in AFG wird im Auftrag des Auswärtigen Amts durch den DAAD vorangetrieben. Erfolgte Maßnahmen sind Sondierungsreisen, mehrwöchige Sommer- und Winterakademien in Deutschland, Fortbildungen für Dozenten in AFG, und Sachspenden. Außerdem wurden Kurz- und Langzeitdozenten entsandt. An der Universität Kabul wurde mit deutscher Hilfe ein IT-Rechenzentrum aufgebaut.
Im Bereich Berufsbildung will Deutschland mit der Rehabilitierung des Technikums Kandahar im Süden von AFG will DEU einen sichtbaren Beitrag zum Aufbau des während der Kriegsjahre zerstörten Berufsschulwesens leisten.
Im Rahmen des CrossCulture-Praktikantenprogramms (Praktika für junge Berufstätige aus islamisch geprägten Ländern mit dem Ziel die interkulturelle, politische und fachliche Kompetenz von zukünftigen Trägern und Multiplikatoren der Zivilgesellschaft zu erhöhen) wird seit 2006 verstärkt Afghanistan berücksichtigt.
Außenwissenschaftspolitik
15 junge Afghanen sind für ein Masterstudium in Public Policy nach Deutschland gekommen. Die jungen afghanischen Führungskräften lernen an der Erfurt School of Public Policy, wie gutes Regieren gelingen kann, um den zivilen Wiederaufbau Afghanistans voranzubringen. Das Auswärtige Amt ermöglicht dieses Programm im Rahmen seines Engagements für Afghanistan.
Kultur
Dem Erhalt und der Pflege afghanischer Kulturdenkmäler kommt bei der Stärkung der nationalen Identität und dem Aufbau einer Zivilgesellschaft eine wichtige Rolle zu. Mit einer Gesamtfördersumme von rund 3,6 Mio. € in den Jahren 2000 bis 2007 ist AFG das wichtigste Partnerland für deutsche Kulturerhaltsmaßnahmen. Mit diesen Mitteln wurden u.a. die Ausgrabung und Instandsetzung der mogulzeitlichen Gartenanlage Bagh el Babur in Kabul in Zusammenarbeit zwischen DAI und Aga Khan Trust for Culture und die Rettungs- und Sicherungsmaßnahmen der Buddhas von Bamiyan in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Rat für Denkmalpflege ICOMOS gefördert.
Das Kulturleben ist durch die Kriege und die Talibanherrschaft schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Das 2003 in Kabul eröffnete Goethe-Institut bietet neben Sprachkursen und Fortbildung von afghanischen Deutschlehrern kulturelle Veranstaltungen und Workshops in den Bereichen Film, Kunst und demnächst auch Musik an. Das AA finanzierte 2008 zudem eine Ausstellung über afghanische Geschichte sowie einen Dokumentarfilm. Die erste Musikschule in Kabul wird ebensfalls mit Mitteln des AA unterstützt.
Schließlich unterstützt das AA Initiativen, die das Ziel haben, afghanische Kultur auch in Deutschland bekannt zu machen. 2008 wurde das Afghanische Filmfestival vom 28.Februar - 5. März 2008 in Köln gefördert, die Ausstellung "Hidden Afghanistan" (Baktrisches Gold) soll Ende 2009 in der Kunsthalle Bonn gezeigt werden.
UNESCO-Auszeichnung für Wiederaufbau der Altstadt von Herat
Die UNESCO hat den Wiederaufbau der Altstadt von Herat mit ihrem „Award of Excellence“ ausgezeichnet. Die Bundesregierung unterstützt die Aga Khan Stiftung bei diesem wegweisenden Projekt.
Stand 01.10.2008