Krankenhaus Balkh - medizinische Versorgung für den Norden Afghanistans
Akute Not lindern, und dabei langfristig tragfähige Strukturen schaffen: Das Containerkrankenhaus in Masar-e-Sharif ist exemplarisch für die deutsche Hilfe im Norden Afghanistans. Voriges Jahr wurde das Krankenhaus Balkh bei einem Brand zerstört. Am 15. Dezember übergab der deutsche Vertreter in Masar das fertiggestellte Provisorium. Es sichert nun die elementare medizinische Grundversorgung in der Provinz, bis der Neubau des Krankenhauses fertiggestellt ist.
Der Leiter der Außenstelle der deutschen Botschaft in Masar-i-Sharif, Andreas Kindl, übergab das Krankenhaus. Bei der Zeremonie zeigte sich die Bedeutung, die die Einrichtung für Afghanistan hat: Die Übergabe fand unter reger Anteilnahme der Öffentlichkeit statt. Neben dem Gesundheitsminister Mohammad Amin Fatimie waren zahlreiche afghanische Abgeordnete gekommen. Auch der deutsche ISAF-Regionalkommandeur, Brigadegeneral Warnecke und zahlreiche Pressevertreter verfolgten die Übergabe. Der große Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Medizinische Versorgung sichern
Das heute übergebene Provisorium für das Krankenhaus Balkh ist dringend nötig: Das Krankenhaus wurde im September 2006 bei einem Brand zerstört. Dies war eine Katastrophe für die Menschen vor Ort. Das Hospital ist seit Jahrzehnten die wichtigste medizinische Einrichtung in der Region - mit einem Einzugskreis von über 4-8 Millionen Menschen. Das Auswärtige Amt finanzierte deshalb aus sogenannten Stabilitätspaktmitteln eine Zwischenlösung (Container), um die gesundheitliche Basisversorgung aufrecht zu erhalten. Innerhalb von 3 Jahren soll das Krankenhaus mit deutscher Hilfe wiederaufgebaut werden.
Vor 67 Jahren wurde das Krankenhaus gebaut, mit 50 Betten. Doch der Bedarf war weit höher. Vor dem Brand wurden dort rund 250 Menschen täglich stationär behandelt. Außerdem kamen jeden Tag viele Kranke zur ambulaten Behandlung. 180 Ärzte arbeiteten in dem Krankenhaus, davon ungefähr 70 Frauen. Seit dem Brand musste der Betrieb unter schwersten Bedingungen stattfinden. Krankenhaus- und Lehrbetrieb müssen in den wenigen verbliebenen Gebäuden stattfinden. Es gibt bei weitem zu wenig Betten, Kranke müssen auf den Fluren untergebracht werden.
Gouverneur Atta, Gesundheitsminister Fatimie, Brigadegeneral Warnecke und Andreas Kindl, Leiter der Außenstelle in Masar-i-Sharif (AA)
Lehrkrankenhaus
Das Krankenhaus hat noch eine zweite wichtige Funktion. Nach Kabul hat es den zweitgrößten medizinischen Campus des Landes. Es dient als Lehrkrankenhaus der Medizinischen Fakultät der Universität von Masar-e-Sharif. Als einziges Ausbildungszentrum in der gesamten Region bildet es jährlich 250 Krankenschwestern und Hebammen aus.
Das Krankenhaus ist ein Beispiel für das deutsche Engagement im Norden Afghanistans, wo Deutschland mit dem dem Regionalkommando eine besondere Verantwortung übernommen hat. Die Einrichtung kann einer großen Zahl von Menschen den Alltag erleichtern, und Leben retten - und sie hilft, eigene afghanische Fähigkeiten auszubilden, die das Projekt langfristig tragen werden.
Schwerpunkte der deutschen Hilfe für Afghanistan 2008: Sicherheit, Gesundheit, Ausbildung
Die Gelder für den zivilen Wiederaufbau wurden für 2008 substantiell erhöht. Für das kommende Jahr stehen allein über 140 Millionen Euro für zivile Zwecke zur Verfügung. In den Jahren 2002-2010 stellt Deutschland zu diesem Zweck über 900 Millionen Euro bereit.
Ein wichtiger Schwerpunkt des deutschen und internationalen Engagements: die Schaffung eines funktionierenden afghanischen Sicherheitssektors. Afghanistan soll eine Polizei bekommen, der die Bürger vertrauen und die nicht mehr auf Hilfe von außen angewiesen ist. Deutschland unterstützt die Reform der afghanischen Polizei seit dem Sturz der Taliban. Mit beinahe 36 Millionen Euro steht für 2008 nun dreimal soviel Geld für den Polizeiaufbau zur Verfügung wie in den Jahren zuvor.
Darüber hinaus unterstützt die Bundesregierung Projekte wie das Krankenhaus in Balkh, das die Gesundheitsversorgung verbessert und gleichzeitig Infrastruktur in diesem Bereich schafft.
Langfristige Wirkung haben auch Programme zur beruflichen Qualifizierung. So werden Ausbildungskurse für afghanische Lehrlinge unterstützt. Mit einer fundierte Ausbildung sollen junge Afghanen selbst Geld verdienen können. Gleichzeitig wird so der Grundstein gelegt für einen sich selbst tragenden wirtschaftlichen Aufschwung des Landes.
Stand 16.12.2007