Deutsch-französisches Geschichtsbuch
Nachdem im Juli 2006 zunächst der dritte (und letzte) Band des deutsch-französischen Geschichtsbuchs erschienen ist (behandelter Zeitraum 1945 –heute), wurde am 9. April 2008 in Berlin und am 23. April 2008 in Paris der zweite Band veröffentlicht (Zeitraum 1815-1945).
Bei diesem einzigartigen Projekt handelt sich um ein in beiden Ländern inhaltlich identisches Schulbuch, das vom Klett-Verlag auf Deutsch und von den Éditions Nathan auf Französisch herausgegeben wird. Es wird seit dem Schuljahr 2006/2007 in den Oberstufen beider Länder eingesetzt.
Das deutsch-französische Geschichtsbuch ist kein Werk, das nur die deutsch-französischen Beziehungen behandelt, sondern deckt den Lehrstoff der jeweiligen Klassenstufe insgesamt ab. Der letzte und eigentlich erste Band wird voraussichtlich Ende 2009 fertig gestellt und wird die Zeit von der Antike bis 1815 abdecken.
Das Geschichtsbuch hat nicht nur bildungspolitisch eine hohe Bedeutung, mindestens ebenso wichtig ist der psychologische Effekt: Junge Deutsche und junge Franzosen lernen aus dem gleichen Buch die jeweilige Geschichte ihres Landes sowie die gemeinsame europäische Geschichte. Das Lehrbuch leistet einen Beitrag dazu, die Vermittlung und Wahrnehmung der Vergangenheit aus Sicht der jungen Deutschen und Franzosen im zusammenwachsenden Europa anzunähern. Es ermöglicht den Schülern beider Länder, gemeinsame und unterschiedliche historische Entwicklungen nachzuvollziehen, sowie Perspektivenwechsel vorzunehmen.
Entstanden ist der Vorschlag eines gemeinsamen Geschichtsbuches im Jahre 2003 im, vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) organisierten, deutsch-französischen Jugendparlament anlässlich des 40. Jahrestages des Elysée-Vertrages. Die Regierungen beider Länder nahmen die Idee auf und organisierten die Umsetzung. Auf deutscher Seite waren das Auswärtige Amt und der Bevollmächtigte für die deutsch-französischen Kulturbeziehungen, auf französischer Seite das Erziehungsministerium beteiligt.
Eine deutsch-französische Projektgruppe wurde eingerichtet, die aus anerkannten Historikern, Schulbuchexperten und einigen Fachbeamten beider Staaten besteht. Sie bereitete die Verwirklichung des ehrgeizigen Vorhabens entscheidend vor und begleitet den weiteren Entstehungsprozess. Dabei hatte sie die schwierige Aufgabe, 17 verschiedene Lehrpläne – einen französischen und 16 deutsche – inhaltlich so zu berücksichtigen, dass die Prüfungsvoraussetzungen aller Länder abgedeckt wurden. Sie zeigte Mittel und Wege auf, trotz unterschiedlicher pädagogischer und didaktischer Methoden und Traditionen in beiden Ländern zu einem beiderseits des Rheins verwendbaren Text zu gelangen. Die Verlage haben auf der Basis dieser Vorarbeiten in gemischten Autorenteams die Textfassungen erstellt. Das deutsch-französische Geschichtsbuch ist das erste bundesdeutsche Geschichtsbuch, das in allen 16 Ländern im Unterricht eingesetzt werden kann und stellt somit für Deutschland eine bildungspolitische Revolution dar. Es kann für 26,95 Euro im Buchhandel erstanden werden.
Stand 02.06.2008