Gemeinsam für mehr Verständigung
Das Verhältnis zwischen westlichen und islamisch geprägten Gesellschaften ist vielfach von Missverständnissen und stereotypen Wahrnehmungen geprägt. In den meisten islamisch geprägten Staaten ist zudem in den vergangenen Jahren die Popularität des Islamismus gestiegen - einer Ideologie, die darauf zielt, Staat und Gesellschaft nach den Vorschriften des Islam einzurichten. Die politischen Konzepte von Demokratie, universellen Menschenrechten und Pluralismus werden dabei häufig als „westlich“ und damit „unislamisch“ abgelehnt.
Ziel des Dialogs ist, die Verständigung zwischen dem „Westen“ und der islamischen Welt sowie innergesellschaftlichen Pluralismus und den Abbau antiwestlicher Stereotypen und Feindbilder in islamisch geprägten Gesellschaften zu fördern. Deutschland hat als erstes westliches Land bereits 2002 einen Politikschwerpunkt „Dialog mit der islamischen Welt“ (kurz: „Islamdialog“) im Auswärtigen Amt geschaffen. Unter anderem wurde das Amt des Beauftragten für den Dialog zwischen den Kulturen eingerichtet, das derzeit von Botschafterin Heidrun Tempel bekleidet wird. Sie berät alle Arbeitsebenen im Auswärtigen Amt in Fragen des interkulturellen Dialogs und wird von einem Referat unterstützt, das ein Netz von sprach- und fachkundigen Referenten und Referentinnen an den deutschen Auslandsvertretungen in der islamischen Welt koordiniert. Aufgabe der Referentinnen und Referenten ist es, über die Bedeutung von Islam und Islamismus in ihren Gastländern zu berichten, sowie lokale Partner für die Zusammenarbeit zu identifizieren und mit diesen konkrete Projekte auszuarbeiten.
Projekte und Austauschprogramme
Für Projekte und Austauschprogramme stehen jährlich rund vier Millionen Euro zur Verfügung. Der größte Anteil dieser Mittel wird über die Mittlerorganisationen der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik, wie zum Beispiel das Goethe Institut, den Deutschen Akademischen Austauschdienst und das Institut für Auslandsbeziehungen, eingesetzt.
Der Schul- und Bildungsbereich und die Jugendarbeit gehören zu den Schwerpunkten der Dialogarbeit. Ein weiterer Akzent liegt auf Veranstaltungen, die den innergesellschaftlichen Diskurs in islamisch geprägten Ländern beleben.
Um die Zielgruppen zu erreichen ist die jeweilige Landessprache der Schlüssel. Die neuen islamisch orientierten Eliten, die ihre Bildung in lokalen Institutionen erworben haben, werden durch Projekte in ihrer Sprache direkt angesprochen, außerdem können mehr Projekte in ländlichen Gebieten durchgeführt werden. In vielen Ländern sprechen Frauen und junge Leute zudem keine westliche Fremdsprache. Publikationen, Workshops, Filmfestivals und die Websites qantara.de sowie die des deutschen Informationszentrums in Kairo finden durch arabische Sprachversionen eine weite Verbreitung.
www.qantara.de
Deutschland Zentrum Kairo
Die Dialogarbeit in den islamisch geprägten Ländern ist mittlerweile nicht mehr zu trennen von dem Dialog mit den Muslimen in Deutschland. Die rund dreieinhalb Millionen in Deutschland lebenden Muslime sind eine bedeutsame Größe des deutschen öffentlichen Lebens geworden. Mit der „Deutschen Islamkonferenz“ ist seit September 2006 ein regelmäßiger Dialog zwischen Bund, Ländern und Kommunen und muslimischen Vertretern etabliert worden.
Dass Deutschland sich ernsthaft für die islamisch geprägte Welt interessiert, wird von immer mehr Menschen in der Region wahrgenommen und geschätzt.
Der "Dialog mit der islamischen Welt" ist eine der Säulen einer langfristigen Strategie zur Konfliktprävention. Eine stabile islamische Welt als Nachbarregion ist im Interesse Europas und dient der Sicherheit aller. Der Kulturdialog mit der islamischen Welt muss nicht dazu führen, dass alle einer Meinung sind. Aber um ein friedliches Zusammenleben in gegenseitigem Respekt zu erreichen, muss man die intensive Auseinandersetzung führen.
Anträge auf Projektförderung im Rahmen des „Europäisch-Islamischen Kulturdialogs“ können an das Referat "Interkultureller Dialog/ Dialog mit der islamischen Welt" im Auswärtigen Amt gerichtet werden. Die Entscheidung über eine finanzielle Förderung erfolgt auf der Grundlage eines im Rahmen der Konzeption des Programmes entwickelten Kriterienkatalogs.
Stand 29.05.2009