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„Wir müssen das Klima gemeinsam schützen“
   
Dr. Daiju Narita, Klimaökonom am Institut für Weltwirtschaft in Kiel und Mitarbeiter des Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“

Daiju Narita aus Japan untersucht die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels. Welche Schäden treten auf, wenn die Erde sich weiter erwärmt? Wie können sich reiche und arme Länder am besten auf Klimaschutzmaßnahmen verständigen? Solche Fragen untersucht er in einem interdisziplinären Netzwerk von Ökonomen und Naturwissenschaftlern.

Daiju Narita beschäftigt sich mit der Ökonomie des Klimawandels – zum Beispiel damit, was passiert, wenn die Intensität von Stürmen zunimmt. Werden Hurrikane und Taifune stärker, dann wachsen auch die wirtschaftlichen Schäden. „Wie stark sie zunehmen, hängt aber nicht nur vom Klimawandel ab“, sagt Narita, „sondern zudem von der Wirtschaftsleistung, von der Bevölkerungszahl und davon, wo die Menschen leben“.

Die Auswirkung von Stürmen sind Forschungsthema von Dr. Narita Die Auswirkung von Stürmen sind Forschungsthema von Dr. Narita (AA, Foto: Jan Greune)

Verantwortung für das Klima

Narita hat berechnet, dass die Schäden durch stärkere Stürme zum Beispiel in China steigen werden. „Da der Wohlstand in China zunimmt, verlieren die Menschen in Zukunft mehr, wenn ein Sturm zuschlägt.“ Er räumt allerdings ein, dass solche Studien noch unsicher sind. Ändere man auch nur einen Parameter, sehe das Resultat gleich etwas anders aus. Seine Arbeit beruht auf komplexen ökonomischen Rechenmodellen, in denen verschiedene Szenarien der Klimaentwicklung mit Vorhersagen der Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung verknüpft werden. Eine abstrakte theoretische Arbeit, die aber eng mit realen Ereignissen in Beziehung steht: So versuchen Klimaökonomen auch zu bestimmen, welche Maßnahmen zur Senkung der klimarelevanten Treibhausgase am kostengünstigsten sind.

Der japanische Forscher macht sich zudem Gedanken über die Perspektiven der globalen Klimapolitik. Entscheidend sei die Frage, wie sich die Verantwortung für das Klima international gerecht aufteilen lasse: „Man muss die Notwendigkeit von Maßnahmen zum Klimaschutz mit den Einkommensdifferenzen zwischen den Ländern in Einklang bringen“, sagt Narita mit großer Besonnenheit. Im Moment versuche er, dafür ein sinnvolles Konzept zu erarbeiten. „Wir müssen das Klima gemeinsam schützen“, fordert er.

Interdisziplinäre Ausbildung

Für Umweltfragen interessiert sich der 1975 geborene Japaner schon lange. Zunächst studierte Daiju Narita in Tokio Chemie und erforschte die Luftverschmutzung in Ostasien. In den Jahren 1999 bis 2004 arbeitete er im japanischen Forschungsministerium. Dann ergriff er die Chance, an der Columbia University in New York ein interdisziplinäres Studienprogramm zum Thema Nachhaltigkeit zu belegen. Zwei sehr renommierte Ökonomen haben es ins Leben gerufen: Jeffrey Sachs und Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz. 2008 promovierte Narita in New York mit einer Arbeit zu ökonomischen Aspekten der Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid – einer zukunftsweisenden Technologie für den Klimaschutz. Zwei der fünf Mitglieder im Promotionskomitee waren Deutsche.

Der Klimaökonom ist Mitglied des Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ Der Klimaökonom ist Mitglied des Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ (AA, Foto: Jan Greune)

Tokio, New York, Kiel

Als Narita 2008 erfuhr, dass in der deutschen Stadt Kiel ein Klimaökonom gesucht wurde, sah er eine gute Chance für sich: Die fachliche Expertise des zur Leibniz-Gemeinschaft gehörenden Instituts für Weltwirtschaft (IfW) ist international bekannt. Zudem sei Deutschland aus politischen Gründen für ihn spannend, sagt Narita. „Hier sind die klimapolitischen Maßnahmen weiter fortgeschritten als in Japan oder den USA.“ So sei in Europa bereits ein Markt für CO2-Emissionszertifikate eingerichtet worden. Von daher gebe es in Deutschland mehr reale Anwendungen für seine Forschung als andernorts. Außerdem wird die Stelle am IfW von einem großen Forschungsverbund finanziert, dem Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“. Hier werden vielfältige Aspekte der Weltmeere im Klimawandel untersucht. Das passt gut zu Naritas interdisziplinärer Ausrichtung. So arbeitet er am IfW mit Ökonomen zusammen, während er im Exzellenzcluster Kontakt zu vielen Naturwissenschaftlern hat.

Auch die Lehre gehört zu Naritas Aufgaben: Am Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Kiel gibt er Kurse zur Einführung in die Umweltökonomik. „In Kiel habe ich bessere Ressourcen für meine Forschungsarbeit als in New York,“ sagt Narita. Es sei leichter, unabhängige und selbständige Forschung zu betreiben. Denn er sei keinem Professor gegenüber verantwortlich, der ein spezifisches Projekt leite. Mittelfristig möchte er sich noch intensiver als bisher damit beschäftigen, wie sich die umweltpolitischen Probleme in der realen Welt lösen lassen.

Zuhause in Kiel

Naritas Vertrag läuft noch bis 2011. Möglicherweise kann er ihn um ein paar Jahre verlängern. Was danach kommt, weiß er noch nicht. In Kiel fühlt sich Narita wohl; er sieht eine gewisse Wesensähnlichkeit der zurückhaltenden Norddeutschen mit seinen Landsleuten. Die typischen Fischgerichte der Region schmecken ihm gut, in der Beziehung fühlt er sich gar nicht fremd. Narita besucht einen Deutschkurs, um im Alltag noch besser zurechtzukommen und trifft sich regelmäßig mit einem deutschen Lernpartner zum Sprachtandem. Auch die sportliche Herausforderung der Stadt hat der Japaner angenommen: In der Freizeit joggt Narita häufig am Nord-Ostsee-Kanal entlang. Egal bei welchem Wetter.

Text: Sven Titz

Die Serie "12 Wissenswelten" entsteht in Zusammenarbeit mit dem DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst)

Stand 01.12.2009

Zusatzinformationen:

„Wir müssen das Klima gemeinsam schützen“

Dr. Daiju Narita in seinem Büro im Institut für Weltwirtschaft

Dr. Daiju Narita, Klimaökonom am Institut für Weltwirtschaft in Kiel und Mitarbeiter des Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“

Informationen zur Ökonomie des Klimawandels, zum Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft" in Kiel, zum Institut für Weltwirtschaft in Kiel und zur Leibniz-Gemeinschaft



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