„Die Möglichkeiten der Nanotechnologie sind faszinierend“
Dr. Cinzia Casiraghi, Projektleiterin am Institut für Experimentalphysik der Freien Universität Berlin
„In Cambridge habe ich im Fachbereich für Elektrotechnik geforscht. Jetzt arbeite ich in Berlin bei den Experimentalphysikern, obwohl ich von der Ausbildung her eigentlich Ingenieurin bin. Die Eigenschaften von Nanomaterialien, die auf Kohlenstoff basieren, faszinieren mich seit meinem Studium. Die Nanophysik-Forschung in Deutschland ist auf einem sehr hohen Niveau. Nun kann ich hier meine eigene Arbeitsgruppe zu dem Thema aufbauen, das ist großartig. Wenn wir in unserer Forschung winzige Materialien aus Kohlenstoff betrachten, entdecken wir faszinierende neue Phänomene. Die Eigenschaften des Materials – etwa seine Farbe, seine Härte oder seine elektrische Leitfähigkeit – ändern sich, je kleiner es ist, und abhängig von seiner Form. Diese Phänomene sind nicht zu erkennen in der Welt, die man mit bloßen Augen sehen kann. Wir können sie aber für technologische Anwendungen nutzen und zum Beispiel mit ihrer Hilfe neue kleine und supereffiziente elektronische Geräte herstellen.“
Cinzia Casiraghi nutzt für ihre Forschungsarbeiten häufig Lasertechnologie
(AA, Foto: Jan Greune)
Drei Fragen an Dr. Cinzia Casiraghi
Was ist für Sie das Besondere an dem Sofja Kovalevskaja-Preis, mit dem Sie ausgezeichnet worden sind?
Unter anderem natürlich die zur Verfügung stehende Geldsumme. Für die Experimente benötige ich teure Instrumente. Durch den Preis kann ich außerdem sehr weitgehend selbst darüber entscheiden, wofür ich das Geld ausgebe. Das ist am jetzigen Punkt meiner wissenschaftlichen Karriere eine große Chance. Aber natürlich macht es nicht allein das Geld aus, der Preis ist auch eine große Anerkennung.
Mit welchen Hilfsmitteln untersuchen Sie die winzigen Materialproben?
Die Substanz Graphen ist fast durchsichtig, denn sie ist eine extrem dünne Schicht aus Kohlenstoff. Sie hat eine „Dicke“ von nur einem Atom. Graphen mithilfe eines optischen Mikroskops zu erkennen, ist schwierig. Um wirklich sicherzugehen, dass man Graphen vor sich hat und es keine doppelten oder dreifachen Kohlenstoff-Lagen sind, benötigt man das Raman-Spektrometer. Damit lassen sich auch wichtige Eigenschaften untersuchen, zum Beispiel ob das Graphen kristallographisch perfekt ist oder Störstellen hat – oder ob Atome anderer chemischer Elemente darin enthalten sind. Sobald man die Eigenschaften genau genug kennt, lassen sich technologische Anwendungen für Graphen entwickeln.
Wie halten Sie es mit der Sprache am Institut?
Mit den Mitgliedern meiner Arbeitsgruppe unterhalte ich mich auf Englisch, das ist in vielen Forschungsinstituten an deutschen Hochschulen heute ganz selbstverständlich. Ich denke, es ist wichtig, dass die Diplomanden und Doktoranden das Fachenglisch üben. Sie sollen ja einmal auf internationalen Konferenzen vortragen können und ihre Forschungsergebnisse in Fachpublikationen auf Englisch verbreiten können. Ich selbst spreche bisher leider erst wenig Deutsch, aber ich bemühe mich, es zu verbessern und im Alltag anzuwenden.
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Stand 30.09.2009