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„Deutschland hat bei den erneuerbaren Energien weltweit einen sehr guten Ruf“

Patricia Chaves, Absolventin des Postgraduate Programme Renewable Energy (PPRE) in Oldenburg und Doktorandin in Wilhelmshaven

Ihre Ausbildung hat die Ingenieurin Patricia Chaves aus Rio de Janeiro in Brasilien begonnen und sich dann gezielt in Deutschland auf erneuerbare Energien spezialisiert – mit einem Graduiertenstudium an der Universität Oldenburg. Heute ist sie Doktorandin am Deutschen Windenergie-Institut (DEWI) in Wilhelmshaven. Windenergie sieht sie auch für Brasilien als wichtige Energiequelle der Zukunft.

Patricia Chaves betrachtet ein Solarmodul, mit dessen Hilfe sich Sonnenkraft in Energie verwandeln lässt. Patricia Chaves betrachtet ein Solarmodul, mit dessen Hilfe sich Sonnenkraft in Energie verwandeln lässt. (AA, Foto: Jan Greune)

Ihre Leidenschaft für Wind hat Patricia Chaves in Deutschland entdeckt: Seit November 2007 arbeitet sie daran, wie Betreiber oder Investoren mit Hilfe der Modern Portfolio Theory verschiedene Windparks möglichst optimal aufeinander abstimmen können. Dazu vergleicht sie nicht nur technische Bedingungen wie Leistungskurven der Turbinen und natürliche Voraussetzungen wie die Windparameter miteinander, sondern auch die finanziellen Erträge. Bis November 2010 kann sich die Diplom-Ingenieurin ihrer Doktorarbeit am Deutschen Windenergie-Institut (DEWI) voll und ganz widmen. Chaves’ Promotion wird von der Reiner Lemoine Stiftung gefördert, die Forschungs- und Entwicklungszusammenarbeit auf dem Gebiet der regenerativen Energien unterstützt. „Für diese sehr guten Bedingungen bin ich dankbar, denn ich möchte das Thema wirklich gründlich bearbeiten und noch so viel schaffen.“

Technologien für die Zukunft

Geschafft hat die 33 Jahre alte Patricia Chaves bisher schon einiges. Nach ihrem Abschluss als Diplom-Wirtschaftsingenieurin in ihrer Heimatstadt Rio de Janeiro arbeitete sie für die Niederlassung eines deutschen Unternehmens in Rio und koordinierte drei Jahre lang die Umwelt- und Netzanschlussgenehmigungen von Kohlekraftwerken und Erdgasanlagen. Schon früh überlegte sie, wie sie sich beruflich weiterqualifizieren könnte und entschied sich für ein zweites Studium mit Schwerpunkt erneuerbare Energien. „Brasilien braucht in Zukunft mehr Energie und ich sehe die hohe Abhängigkeit von der Wasserkraft – immerhin 80 Prozent – sehr kritisch“, sagt die Brasilianerin. „Wir brauchen im Zuge des Klimawandels einen größeren Anteil an weiteren erneuerbaren Energien, denn das Wasser wird aufgrund höheren Verbrauchs nicht mehr in solchen Mengen zur Verfügung stehen.“ Derzeit seien in Brasilien Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 430 Megawatt installiert, sagt Chaves. Aus ihrer Sicht nur ein Bruchteil dessen, was möglich wäre: „Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, sich mit dieser Technologie fit zu machen für die Zukunft.“

Dozent Dr. Konrad Blum, Universität Oldenburg, mit Studierenden des PPRE-Studiengangs und Patricia Chaves Dozent Dr. Konrad Blum, Universität Oldenburg, mit Studierenden des PPRE-Studiengangs und Patricia Chaves (AA, Foto: Jan Greune)

Zum Aufbaustudium nach Deutschland

Im Internet recherchierte sie nach weiteren Ausbildungsmöglichkeiten. Schnell fiel ihr das Postgraduate Programme Renewable Energy (PPRE) in Oldenburg auf, ein englischsprachiger Masterstudiengang für Absolventen aus Schwellen- und Entwicklungsländern mit Berufserfahrung. Deutschland kannte sie schon durch einen halbjährigen, vom DAAD geförderten Studienaufenthalt in München. „Das PPRE passte perfekt“, freut sich Patricia Chaves noch im Rückblick. „Deutschland hat bei den erneuerbaren Energien und der Umwelttechnik weltweit einen sehr guten Ruf. Ein Studium hier ist für mich die Referenz.“ Im September 2005 zog Patricia Chaves dann, gefördert mit einem weiteren DAAD-Stipendium, von der 13-Millionen-Metropole Rio de Janeiro in die 160.000-Einwohner-StadtOldenburg. 16 Monate lang lernte sie zusammen mit Graduierten aus der ganzen Welt alles über die Energiegewinnung aus Sonnenwärme, Windkraft und Biomasse. Laborarbeit, Studien, Exkursionen und Praxismonate in Forschungseinrichtungen und Unternehmen standen zusätzlich auf ihrem dicht gedrängten Zeitplan. Im zweiten Studienabschnitt wurden dann gezielt Lösungen für Herausforderungen der dritten Welt entwickelt.

Lernen und Brücken bauen

Ihre Leidenschaft für die universelle Energiequelle Wind hat Chaves während ihres Masterstudiums entdeckt. Mit ihrem PPRE-Abschluss bewarb sie sich beim DEWI, das in Brasilien eine Zweigniederlassung besitzt und seit seiner Gründung 1990 wissenschaftlichen Nachwuchs fördert, um so auch das eigene Netzwerk an Experten auszubauen. Nach Abschluss ihrer Promotion sieht Patricia Chaves für sich viele berufliche Chancen rund um das Management von Windparks von der Standortauswahl bis zum Anschluss an das Netz. Doch auch für Banken oder Investoren, die sich in der Windenergie engagieren wollen, wäre sie gerne beratend tätig. Eine Rückkehr nach Brasilien hebt sie sich für später auf. „Denn es gibt noch so viel hier, was ich lernen kann“, sagt sie. Ihr Traum wäre es, einmal als „Brücke“ die Zusammenarbeit von Deutschen und Brasilianern bei Windenergieprojekten zu fördern und zu organisieren.

Text: Dorit Amelang

Die Serie "12 Wissenswelten" entsteht in Zusammenarbeit mit dem DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst)

Stand 26.06.2009

Zusatzinformationen:

„Deutschland hat bei den erneuerbaren Energien weltweit einen sehr guten Ruf“

Patricia Chaves in ihrem Büro im Deutschen Windenergie-Institut in Wilhelmshaven

Patricia Chaves, Absolventin des Postgraduate Programme Renewable Energy (PPRE) in Oldenburg und Doktorandin in Wilhelmshaven

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